Public Eye AwardDavos (epo). - Zu Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) haben die Entwicklungs- und Umweltorganisationen "Erklärung von Bern" und "Pro Natura" im schweizerischen Davos zum zweiten Mal die "unverantwortlichsten Konzerne" gekürt. Die diesjährigen Preisträger heißen Chevron Corp., Walt Disney Company und Citigroup Inc. Der erstmals verliehene "Positive Award" geht an die mexikanische Gewerkschaft SNRTE und die Nichtregierungsorganisationen (NGO) Germanwatch und FIAN.

Mehr als 20 in- und ausländische Konzerne standen auf der Shortlist für die "Public Eye Awards 2006". Zudem bewarben sich auch zehn NGOs aus fünf Kontinenten für den "Positive Award". Aus diesen haben die Organisatoren des "Public Eye" vier Preisträger bestimmt. "Drei davon stehen exemplarisch für all jene Konzerne, deren sozial und ökologisch unverantwortliches Verhalten die Schattenseiten einer rein Profit orientierten Globalisierung repräsentieren", so die beiden Organisationen. Mit dem "Positive Award" dagegen werde eine hoch wirksame NGO-Kampagne gegen Umwelt-, Sozial- und Steuersünder ausgezeichnet.

Der "Public Eye Award" in der Kategorie Umwelt geht an die Chevron Corporation. Der von Amazon Watch nominierte US-Ölkonzern verschmutzte nach Angaben der Veranstalter während fast 30 Jahren (damals noch unter dem Namen Texaco) grosse Flächen unberührten Regenwalds im Norden Ecuadors und weigert sich bis heute, diese Amazonasgebiete umfassend zu sanieren.

"Gewinner" in der Kategorie Soziales ist die Walt Disney Company. Der Unterhaltungsriese lasse sich in südchinesischen Zuliefererbetrieben schwere Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen zu Schulden kommen und trübe damit sein familienfreundliches Image, so die Erklärung von Bern und Pro Natura. Nominiert wurde der kalifornische Medien- und Spielzeugproduzent von Sacom (Students and Scholars Against Corporate Misbehavior) aus Hongkong.

In der Kategorie Steuern wurde die vom Tax Justice Network nominierte Citigroup Inc. prämiert. Deren Tochter Citibank leiste als eine der weltgrössten Privatbanken "Beihilfe zur Steuerhinterziehung", indem sie Gelder von steuerflüchtigen Millionären, Potentaten und Unternehmen am nationalen Fiskus vorbei in Steueroasen schleuse und in Offshore-Firmen parke, teilten die Erklärung von Bern und Pro Natura mit.

Den ersten "Positive Award" erhalten SNRTE, Germanwatch und FIAN (Food First Information & Action Network). In enger Abstimmung mit der mexikanischen Gewerkschaft SNRTE protestierten die beiden deutschen NGOs gegen die widerrechtliche Schliessung der Euzkadi-Fabrik des Reifenmultis Continental in El Salto, Mexiko. "Dank effizienter NGO-Kooperation, professionellem Lobbying und im Dialog mit Continental erreichte die Kampagne im Februar 2005 die Wiedereröffnung der Fabrik. Seither sind die Arbeiter Miteigentümer des Reifenwerks", heißt es in der Begründung.

Mit dem "Public Eye", das bereits zum siebten Mal stattfindet, schaffen die Erklärung von Bern und Pro Natura eine Gegenöffentlichkeit zum WEF. Die beiden Organisationen sind davon überzeugt, "dass es eine kritische Diskussion und direkten Druck braucht, um Konzerne zu respektvollem Umgang mit Mensch und Natur zu bewegen". Konkret fordern sie rechtlich verbindliche internationale Regeln zur Unternehmensverantwortung.

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