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Geschrieben von: Redaktion
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Freitag, den 16. Januar 2009 um 10:36 Uhr |
Berlin (epo.de). - Zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche hat das AgrarBündnis in Berlin den "Kritischen Agrarbericht 2009" mit dem diesjährigen Schwerpunkt "Klimawandel" veröffentlicht. Darin fordert das Bündnis eine "klimarelevante Umkehr der landwirtschaftlichen Produktion. "Im Jahr 2009 werden nach Prognosen der FAO mehr Menschen als je zuvor auf diesem Planeten hungern. Gleichzeitig wird möglicherweise die größte Ernte aller Zeiten eingefahren. Und schließlich wird die Landwirtschaft mehr Treibhausgase als je zuvor ausstoßen, ihren Wasserverbrauch weiter steigern und maßgeblich zur weiteren Beschleunigung des Artensterbens beitragen", erklärte das AgrarBündnis.
Der Weltagrarbericht (IAASTD) der Weltbank und Vereinten Nationen, der im April 2008 von 60 Regierungen verabschiedet worden war, konstatierte: "Weiter wie bisher ist keine Option!" Diese Bilanz von mehr als 400 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nach vierjähriger Arbeit finde jedoch keinen Eingang in die Tagespolitik. "Leider scheinen bisher weder die Weltbank noch die maßgeblichen Regierungen in Nord und Süd die Forderung nach einer radikalen Neuausrichtung der Landwirtschaft wirklich ernst zu nehmen", erklärte Benedikt Haerlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft. Haerlin vertrat im Aufsichtsrat des IAASTD die Nichtregierungsorganisationen. "Der Weltagrarbericht fordert eine radikale Wende, weg von industrialisierter Überproduktion in Industrieländern und hin zu kleinbäuerlich strukturierter Ernährungs-Souveränität vor Ort. Die Bundesregierung, aber auch die Agrarindustrie und der Bauernverband müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Der Wahn der industriellen Landwirtschaft und ihres grenzenlosen Wachstums ist ausgeträumt", betonte Haerlin. GERINGERER FLEISCHKONSUM ALS BEITRAG GEGEN DEN KLIMAWANDEL Die Landwirtschaft trägt weltweit erheblich zur Klimaerwärmung bei – allen voran die industrielle Tierhaltung, deren negative Klimafolgen und Emissionen aller Voraussicht nach in den nächsten Jahrzenten weltweit noch zunehmen werden. Denn Fleisch gilt als Prestigeprodukt und daher wird sein Anteil an der menschlichen Ernährung vor allem in den Entwicklungsländern kontinuierlich anwachsen. In den Industrienationen stagniert er seit Jahren auf hohem Niveau. Der Ausstoß der klimawirksamen Gase Methan und Lachgas droht durch die zunehmende industrielle Nutztierhaltung und den wieder steigenden Einsatz von synthetischem Stickstoffdünger bis 2030 um 60 Prozent (Methan) bzw. 35 bis 60 Prozent (Lachgas) anzuwachsen. Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund appellierte daher an die Verbraucherinnen und Verbraucher, den Konsum von Nahrungsmitteln tierischer Herkunft zu reduzieren: "Neben den klimarelevanten Folgen ist der Fleischkonsum auch energetisch höchst ineffizient: Je nach Tierart werden etwa zehn pflanzliche Kalorien benötigt, um eine Kalorie tierischen Ursprungs herzustellen." Es gelte daher, nicht nur produktionstechnische Optimierungsmöglichkeiten zu finden, sondern auch, das Konsum- und Ernährungsverhalten zu überdenken. Auch wer auf Fleisch, Milch oder Joghurt nicht verzichten wolle, könne einen Beitrag leisten, so Heidrun Betz: "Wer Produkte der ökologischen Landwirtschaft oder aus besonders artgerechter Tierhaltung (NEULAND) bevorzugt und auf die regionale Herkunft achtet, trägt ebenfalls dazu bei, die klimaschädlichen Effekte der Nutztierhaltung zu verringern." KLIMAALARM: DEUTSCHER EXPORTREKORD BEI FLEISCH Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), forderte einen Wandel der Leitbilder und ein konkretes Eingreifen der Politik: "Agrarministerin Aigner, die Ernährungsindustrie und der Deutsche Bauernverband bekennen sich zum Agrarexport als Markt der Zukunft. Davon profitieren aber nur wenige Exporteure. Die Mehrheit der Bauern hat nichts davon. So hatten wir 2008 zwar einen Exportrekord bei Schweinefleisch aus Deutschland, doch gleichzeitig mussten 17 Prozent der Schweinehalter aufgeben." Statt Euphorie müsse die Exportorientierung bei Milch und Fleisch einen Klimaalarm auslösen, mahnte Weiger. "Über 70 Prozent des Eiweißfutters für die Tierhaltung in Deutschland wird importiert. Es ist oftmals gentechnisch verändert und stammt häufig aus Regenwaldgebieten. Hierzulande stellen die Emissionen aus Überdüngung und immer größeren Ställen massive Belastungen für Klima, Wasser, Artenvielfalt und auch Anwohner dar." Weiger forderte von Agrarministerin Aigner, die Agrarförderung in Deutschland nach der jüngsten EU-Agrarreform umgehend gezielt auf besonders klimaverträgliche Weidehaltung auszurichten und eine nachhaltige Strategie zur Selbstversorgung der EU mit Eiweißfutter zu entwickeln. Gleichzeitig brauche es eine Werbekampagne für das Label "ohne Gentechnik" auf tierischen Lebensmitteln. Scharfe Kritik an der Agrarpolitik von Bundesregierung und Europäischer Union äußerte auch Bernd Voß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL): "Obwohl der Agrarhaushalt mit jährlich über 50 Milliarden Euro einen Hauptposten im EU-Haushalt ausmacht, verhalten sich Bundesministerin Ilse Aigner und ihre Kolleginnen und Kollegen so, als gebe es weder eine Finanz- und Wirtschaftskrise noch den Klimawandel und den wieder ansteigenden weltweiten Hunger. Mit ihren jüngsten Beschlüssen zur EU-Agrarpolitik sorgen sie dafür, dass der Großteil der Gelder ohne gezielte soziale und ökologische Qualifizierung vergeben und vor allem Flächenbesitz belohnt wird. Dabei steht längst an, das Geld gezielt für mehr Wertschöpfung und damit für Arbeitsplätze einzusetzen." Auch marktpolitisch seien die Beschlüsse fatal, besonders bei der Milch. Eine am Bedarf des Marktes orientierten Anpassung der Erzeugungsmenge werde verhindert. Obwohl die Märkte für Milch sowohl in der EU als auch international überlaufen, setze die Politik die Zeichen auf zusätzliche Produktion, indem die Quoten nochmals ausgeweitet wurden. Davon verspreche sich eine kleine Zahl von exportorientierten Molkereikonzernen Vorteile, so Voß. Aber diese Ausrichtung auf Weltmarktanteile führe zu Erzeugerpreisen, die für die europäischen Milchbauern katastrophal seien. "Sie sind schon auf unter 25 Cent je Liter gefallen und liegen damit unter den Produktionskosten. Obendrein zerstört diese aggressive Exportstrategie die Märkte für die ländliche Bevölkerung in den Entwicklungs- und Schwellenländern", so Bernd Voß, Milcherzeuger in Schleswig-Holstein. "Der Milchstreik vom Sommer 2008 zeigt aber, dass die Milchbauern nunmehr bereit sind, für ihre eigenen Interessen auch aktiv einzutreten." Kritischer Agrarbericht 19,80 € plus Versandkosten ISBN 978-3-930 413-36-2 ABL-Verlag Bahnhofstraße 31 59065 Hamm Fon: 02381 492288 Fax: 02381 492221 E-Mail:
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Internet: www.bauernstimme.de -- Mitgliedsverbände des AgrarBündnisses: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Arbeitsgemeinschaft Kritische Tiermedizin (AGKT) Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend im ländlichen Raum (BAG ejl) Bäuerliche Gesellschaft Nord-Westdeutschland Biokreis – Verband für ökologischen Landbau und gesunde Ernährung Bioland BUKO Agrar-Koordination Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Demeter Deutscher Tierschutzbund (DTSchB) Evangelisches Bauernwerk in Württemberg Fördergemeinschaft organisch-biologischer Land- und Gartenbau Forum pro Schwarzwaldbauern Gäa – Vereinigung ökologischer Landbau Germanwatch Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) LOGO (Landwirtschaft und Oekologisches Gleichgewicht mit Osteuropa) Naturland NEULAND - Verein für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung PROVIEH - Verein gegen tierquälerische Massentierhaltung Schweisfurth-Stiftung Stiftung europäisches Naturerbe - EURONATUR Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL) Züchtervereinigung Schwäbisch-Hällisches Schwein
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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 24. Februar 2009 um 14:59 Uhr |
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