osorioCaracas. - Vertreter der venezolanischen Regierung und privater Handelsketten haben sich auf einen gemeinsamen Aktionsplan zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung in dem südamerikanischen Land geeinigt. Wie Venezuelas Vizepräsident für Nahrungsmittelsicherheit und -souveränität, Carlos Osorio, mitteilte, soll in Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden eine systematische Ermittlung der Lagerbestände privater Verteiler und Händler erfolgen. Im ganzen Land würden zudem Kontrolleure eingesetzt, um zu überwachen, dass die Händler ihre Waren tatsächlich zum Verkauf anbieten.

Seit Monaten kämpft Venezuela mit Schwierigkeiten bei der Versorgung mit manchen Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs, da viele Zwischenhändler Produkte hamstern oder zu überhöhten Preisen auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Ein Hauptgrund dafür ist, dass Importeure ausländische Produkte zum staatlich subventionierten Wechselkurs von 6,30 Bolívares pro US-Dollar einkaufen können, auf dem Schwarzmarkt jedoch bis zum dreißigfachen für einen Dollar bezahlt wird.

Osorio erwähnte als Beispiel für solche Spekulationsgeschäfte den unlängst aufgedeckten Fall der Firma Zuli Milk, die über den Vorzugswechselkurs Milchpulver zu 70 Bolívares pro Kilogramm bezog, um sie für 240 Bolivares weiterzuverkaufen. Teile der Vorräte seien zudem abgezweigt und auf dem Schwarzmarkt für 500 Bolivares pro Kilo gehandelt worden. Wie der Leiter der Kontrollbehörde für faire Preise, Andrés Eloy Méndez, am vergangenen Sonntag mitteilte, wurden bei Zuli Milk 160 Tonnen Milchpulver beschlagnahmt, die zum Vorzugskurs von 6,30 Bolivares importiert worden waren. Die Eigentümer der Firma sind von der Generalstaatsanwaltschaft vorgeladen wurden. Das Milchpulver werde über die staatlichen Lebensmittelmärkte verteilt.

Auch der Schmuggel stellt ein großes Problem für die Versorgungslage in Venezuela dar. Wie der Vizepräsident des Landes, Jorge Arreaza, vergangene Woche bekanntgab, stellten die Behörden im Jahr 2014 insgesamt über 28.000 Tonnen Lebensmittel sicher, die außer Landes geschmuggelt werden sollten. Dazu kommen 12 Millionen Liter Benzin und über 8.000 Tonnen Baumaterialien. Laut Schätzungen werden bis zu 40 Prozent der Lebensmittel, die in Venezuela auf den Markt kommen sollten, nach Kolumbien geschmuggelt. Medienberichten zufolge versorgt sich rund ein Drittel der kolumbianischen Bevölkerung mit geschmuggelten Lebensmitteln aus Venezuela, während rund 15 Prozent des in Kolumbien verbrauchten Benzins auf illegalem Weg aus dem Nachbarland kommt.

Der für Nahrungsmittelsicherheit zuständige Vizepräsident Osorio beklagte zudem, insbesondere in Sozialen Netzwerken sei eine "Manipulationskampagne" gegen Venezuela im Gange, die mit falschen Informationen über angebliche Versorgungsengpässe bei bestimmten Produkten "Besorgnis und Unruhe in der Bevölkerung" hervorzurufen versuche. Dahinter vermutete er "einen kleinen Teil jener unverantwortlichen Oppositionellen", die aus politischen Gründen den Eindruck eines "traurigen, in Armut und Unterversorgung versunkenen Landes" zeichnen wollten. Dafür sei auf Twitter etwa Anfang Januar ein Bild von scheinbar über Nahrungsmittelengpässe verärgerten, demonstrierenden Bürgern verwendet worden, das in Wahrheit bei einer Demonstration im vergangenen April aufgenommen wurde. Damals kam es zu teilweise gewalttätigen Protesten, die von einem Teil der rechtsgerichteten Opposition unterstützt wurden und auf einen Sturz der Regierung von Präsident Nicolás Maduro abzielten.

Foto: Carlos Osorio verweist auf die manipulative Darstellung von Protesten in Sozialen Netzwerken. © QUELLE: CIUDADCCS.INFO

(Dieser Artikel ist zuerst auf amerika21.de erschienen. Er wird im Rahmen einer Content-Partnerschaft auf epo.de publiziert.)


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