gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat eine freie Ausreise von rund 36.000 Muslimen aus der Zentralafrikanischen Republik gefordert, die in sieben Enklaven in christlich dominierten Regionen festgehalten und am Verlassen des Landes gehindert werden. "Die schwer traumatisierten Angehörigen der religiösen Minderheit dürfen nicht als Geiseln im Kampf um die Menschenrechte in der Zentralafrikanischen Republik missbraucht werden", warnte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Montag in Göttingen.

Während sich die Vereinten Nationen für eine baldige Ausreise der Minderheit einsetzen, versucht dies die Regierung der Zentralafrikanischen Republik mit allen Mitteln zu verhindern, um den Vorwurf ethnischer Säuberungen zu entkräften. Nachdrücklich appellierte die GfbV an Frau Marie-Thérèse Keita Boccoum, die UN-Expertin für die Menschenrechtslage in der Zentralafrikanischen Republik, sich bei ihrem bis zum 14. Februar dauernden Besuch in dem Land für eine zügige freie Ausreise der Muslime einzusetzen.

Dringend mahnte die GfbV auch einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung in ländlichen Regionen an. So flohen alleine im Januar 2015 rund 30.000 Menschen aus den zwischen Seleka- und Anti-Balaka-Milizionären umkämpften Provinzen Ouaka und Basse-Kotto im Süden des Landes in die benachbarte Demokratische Republik Kongo. Die zumeist christlichen Flüchtlinge berichten von zahllosen Vergewaltigungen, Entführungen, Morden, Brandschatzungen und Plünderungen durch muslimische Seleka-Milizionäre. Selbst Krankenstationen werden niedergebrannt und Kinder willkürlich ermordet. "Die relative Ruhe in der Hauptstadt Bangui ist nicht repräsentativ für das ganze Land", erklärte Delius. Im Zentrum des Landes, wo die Milizen um Einflusszonen kämpfen, hält der Krieg schon seit mehr als zwei Jahren an. "Von der UN-Friedenstruppe MINUSCA hat die Zivilbevölkerung hier noch nicht viel gesehen oder Schutz bekommen."

Rund 440.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen noch immer in der Zentralafrikanischen Republik auf der Flucht. Weitere 424.000 Menschen haben in Nachbarländern Zuflucht gesucht, unter ihnen mehr als 100.000 Muslime. Mehr als 36.000 Muslime leben nach Angaben der Vereinten Nationen noch immer in Enklaven und warten seit Monaten auf ihre Evakuierung aus dem Land. Die Mehrzahl dieser Muslime hat in Banguis PK5-Bezirk Zuflucht gesucht (24.000 Menschen) oder in Camps in Boda (9.000) und Bouar (1.600).

Kleinere Gruppen von bis zu 600 Menschen warten in den Orten Berbérati, Dekoa, Yaloké und Carnot auf ihre Ausreise. Viele dieser Muslime sind Nomaden von der Bevölkerungsgruppe der Peulh. Die Regierung hat Hilfsorganisationen und den UN jede Hilfe bei ihrer Evakuierung untersagt und auch Zwang eingesetzt, um eine Flucht zu verhindern. Dabei sind die humanitären Bedingungen in den Camps katastrophal und es gibt momentan keine Perspektive für eine Rückkehr der Muslime in ihre Heimatorte. "Es ist zynisch und unmenschlich, den Exodus gewaltsam aufzuhalten", erklärte Delius. "Die im Land verbliebenen Muslime dürfen nicht zum Feigenblatt einer Politik werden, die es nicht geschafft hat, die Minderheit wirksam zu schützen." Eine UN- Untersuchungskommission hatte in einem am 19. Dezember 2014 veröffentlichten Report festgestellt, dass Muslime im Jahr 2014 Opfer ethnischer Säuberungen in der Zentralafrikanischen Republik wurden.

Quelle: gfbv.de


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