basf zahlen 720

Mannheim. - Bei der Hauptversammlung des BASF SE am Donnerstag in Mannheim wollen Bischof Johannes Seoka und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre eine Entschädigung für die Familien von 34 erschossenen Bergleuten der Marikana-Mine in Südafrika fordern. BASF sei Hauptkunde des Bergbauunternehmens Lonmin, das in dieser Mine Platin fördert, lautet die Begründung. Der Konzern verspreche höchste Standards in seiner Lieferkette, habe bis dato aber noch nicht einmal eine Stellungnahme zum Massaker abgegeben.

Der anglikanische Bischof von Pretoria, Johannes Seoka, ist einer der Sprecher der Minenarbeiter von Marikana. Er setzte sich bereits vor dem Massaker für die Minenarbeiter und eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Bergbaugemeinden ein. Am 16. August 2012, dem Tag des Massakers, versuchte Bischof Seoka zwischen Lonmin und den Bergleuten zu vermitteln.

"Niemand hat damit gerechnet, dass Arbeiter, die friedlich um höhere Löhne verhandeln, von schwerbewaffneten Einsatzkräften der Polizei erschossen würden", so Seoka. "Ich glaube nicht, dass BASF beschuldigt werden möchte, mit einem Unternehmen zu kollaborieren, das die Polizei ihre eigenen Arbeiter erschießen lässt, anstatt mit ihnen zu sprechen."

"Während der Anhörungen der von Präsident Zuma eingesetzten Untersuchungskommission wurde vielfach auf die Mitverantwortung des britisch-südafrikanischen Konzerns Lonmin am Massaker verwiesen", berichten die Filmemacherin Maren Grimm und der Historiker Jakob Krameritsch, die mit der Marikana Support Group, die sich in Südafrika für die Rechte der Minenarbeiter einsetzt, zusammen arbeiten. Sie begleiten Bischof Seoka auf seiner einwöchigen Reise durch Deutschland, die mit seiner Teilnahme an der BASF-Hauptversammlung endet.

Der Dachverband der Kritischen Aktionäre hat Bischof Seoka für die BASF-Hauptversammlung Stimmrechte übertragen. "Ich erwarte, dass BASF im Rahmen seiner Lieferkette Verantwortung übernimmt und Druck auf Lonmin ausübt", sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands. "Die Beteiligung an einer unabhängigen Untersuchungskommission und an Entschädigungszahlungen für die Minenarbeiter muss von BASF ernsthaft geprüft werden."

Der britisch-südafrikanische Konzern Lonmin PLC ist drittgrößte Platinproduzent der Welt. Deutschland ist global zweitgrößter Platinimporteur. BASF ist der weltgrößte Hersteller von Katalysatoren, für die Platin benötigt wird.

=> https://basflonmin.wordpress.com

Quelle: www.kritischeaktionaere.de 


Kommentare   

+2 #1 Michael Reckordt 2015-04-29 16:55
Danke für den Artikel. Es ist leider nicht nur BASF, die enge Verbindungen zu Lonmin aufrecht erhalten, sondern auch die Deutsche Rohstoffagentur (DERA), die letzte Woche den südafrikanisch-brittischen Konzern zum Thema "nachhaltiger Platinabbau" sogar eingeladen hat. Die DERA wurde im Jahr 2010 gründet, um eine nachhaltige Versorgung Deutschlands mit Rohstoffen zu gewährleisten. Vor dem Hintergrund der Ereignisse im südafrikanischen Marikana wirft die Einladung von Lonmin schon die Frage nach dem Nachhaltigkeitsverständnis der DERA auf. Auf jeden Fall sollte die DERA von Lonmin Plc nachdrücklich verlangen, aktiv zur Aufklärung der Konfliktursachen beizutragen, Wiedergutmachung zu leisten und angemessene Vorsorge dafür zu tragen, dass sich die Vorgänge in Marikana nie wiederholen. Vgl. Pressemitteilung vom 21. April 2015:
http://alternative-rohstoffwoche.de/pm-deutsche-rohstoffpolitik-zugang-zu-platinversorgung-wichtiger-als-menschenrechte/
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