ebola virus emHalle. - Eine internationale Tagung am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale) widmet sich vom 28. bis 30. Oktober Forschungen zur Wissensentstehung und zum Wissenstransfer in Politik, Wissenschaft, bei humanitären Organisationen und der lokalen Bevölkerung während der Ebola- Epidemie in Westafrika. Im Fokus steht dabei die Frage, wie die Epidemie trotz des vorhandenen Wissens um Ebola ein solches Ausmaß erreichen konnte.

In den letzten zwei Jahren wurde die Welt Zeuge einer Ebola-Epidemie in Westafrika bisher unerreichten Ausmaßes. Am 7. Oktober 2015 veröffentlichte die Welt-Gesundheitsorganisation (WHO) in ihrem epidemiologischen Wochenbericht, dass erstmals seit März 2014 keine neuen bestätigten Ebola-Fälle zu vermelden sind. Die Hoffnung auf ein Ende der Epidemie zerschlug sich gut eine Woche später, als am 16. Oktober 2015 zwei neue Ebola-Fälle in Guinea bekannt wurden. Nach wie vor bestehen zentrale Probleme, die den Verlauf der Epidemie seit dem Ausbruch begleiten.

Zu diesen Problemen gehören die starke Fragmentierung wissenschaftlichen Wissens und der Wissensproduktionen innerhalb, zwischen und außerhalb der beteiligten politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Institutionen einerseits sowie die wenig wirkungsvolle Vermittlung der Wissensbestände zwischen den betroffenen Institutionen und Personengruppen andererseits. Unter dem Thema "Jenseits von Ebola - Wissensproduktion und die Grenzen der Übersetzung" wird diese Problematik im Rahmen einer Tagung vom 28. bis zum 30. Oktober 2015 am Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle (Saale) analysiert. Internationale Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen wie Ethnologie, Medizinanthropologie, Soziologie, Recht, Wissenschafts- und Technikforschung gehen dabei den Ursachen und Auswirkungen dieser Phänomene aus praktischer und theoretischer Perspektive nach.

Bei der Bewältigung der Ebola-Epidemie konkurrieren unterschiedliche Prozesse zur Wissensgenerierung von politischen Institutionen, Wissenschaftlern, humanitären Hilfsorganisationen und lokalen Lebenswelten miteinander. Die verschiedenen Arten und Bedingungen der Wissensproduktion nehmen wiederum Einfluss auf die Durchlässigkeit des Wissens zwischen den einzelnen Beteiligten sowie auf die Akzeptanz des gewonnenen Wissens. Die mangelnde Durchlässigkeit innerhalb und zwischen den Institutionen sowie die unzureichende Wissensübersetzung zwischen den oben genannten Akteuren trug mit dazu bei, dass trotz des vorhandenen Wissens um Ebola, die Epidemie ein solches Ausmaß erreichen konnte.

Ziel der Tagung ist es, die mit den unterschiedlichen Prozessen der Wissensgenerierung und Übersetzung verbundenen Herausforderungen zu untersuchen. Zentrale Fragen sind: Welches Wissen entsteht und verbreitet sich unter Krisenbedingungen? Wie erzeugen oder verhindern institutionelle Netzwerke Wissensproduktion und die Weitergabe des Wissens? Welche Wissensbestände zum Thema Ebola finden Zugang zu welchen Personenkreisen? Wie verändert welches Wissen die lokalen Lebenswelten der Bevölkerung? Auf welche Wissensbestände bezieht sich die lokale Bevölkerung, um sinnstiftend mit der verheerenden Situation während und nach dem Ebola- Ausbruch umzugehen?

Die Organisatorinnen der Tagung sind Anita Schroven (Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung) und Rose Marie Beck (Institut für Afrikanistik, Universität Leipzig). Anita Schroven setzt sich in ihrer Arbeit mit der Wissensproduktion in der Forschung zum Ebola-Ausbruch auseinander sowie mit den Auswirkungen der Epidemie auf das Verhältnis zwischen den Generationen und das Geschlechterverhältnis in den Gesellschaften der betroffenen Länder Westafrikas. Rose Marie Beck forscht zu Epistemologien und Praktiken der Wissensproduktion im Bereich medizinanthropologischer und sprachwissenschaftlicher Themen, mit Schwerpunkt im östlichen und südlichen Afrika.

Quelle: www.eth.mpg.de 


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