jugend eine weltFreetown. - Mit höchster Wahrscheinlichkeit wird die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Sierra Leone am kommenden Samstag für Ebola-frei erklären. Doch die Situation in dem westafrikanischen Land, in dem seit Ausbruch der Epidemie vor rund zwei Jahren 3.589 Menschen an Ebola gestorben sind, ist weiterhin kritisch. Darauf hat die die Hilfsorganisation Jugend Eine Welt am Freitag aufmerksam gemacht. Für das kommende Frühjahr sei ein Massenexodus junger Westafrikaner zu erwarten, wenn nicht so rasch wie möglich gezielte Maßnahmen gesetzt werden.

 

Seit Jahren unterstützt Jugend Eine Welt die Kinderschutzorganisation Don Bosco Fambul in Freetown, die derzeit rund 5.000 benachteiligte Kinder und Jugendliche sowie deren Familien betreut. Ihr Leiter, Salesianerbruder Lothar Wagner, kritisiert den Umgang der internationalen Gemeinschaft mit der Ebola-Krise scharf: Koordinierte medizinische und logistische Unterstützung hätte viel zu spät eingesetzt, Hilfsgelder seien nicht bei den Bedürftigen angekommen, sondern in "dunkle Kanäle" geflossen. Die aktuelle Situation sei insbesondere für junge Menschen desaströs, nachdem Ebola das Land monatelang lahmgelegt hat und Armut, Arbeitslosigkeit und Hunger sich immer mehr ausbreiten. "Die jungen Menschen sehen vor Ort keine Hoffnung und Perspektive. Viele Familien diskutieren schon jetzt, wer auf den weiten Weg nach Europa geschickt werden soll und legen dafür Geld zusammen. Tausende sitzen buchstäblich auf gepackten Koffern und ich gehe davon aus, dass im kommenden Frühjahr ein großer Exodus von Westafrika nach Europa bevorsteht, wenn nicht schnellstens gegengesteuert wird."

Dringend nötig seien nicht so sehr finanzielle Investitionen, sondern eine bessere Abstimmung von entwicklungs- und handelspolitischen Maßnahmen. "Beispielsweise machen hochsubventionierte Reisimporte aus China und den USA vielen Reisbauern in Sierra Leone das Leben schwer und vernichten importierte Altkleider wichtige Arbeitsplätze in der heimischen Textilindustrie", so Wagner. Grundsätzlich sei ein Paradigmenwechsel in der Entwicklungszusammenarbeit nötig, die sich an den Interessen der Menschen in den Armutsregionen der Welt orientieren müsse und nicht an realitätsfernen Zielkatalogen und dem Eigeninteresse von Gebern. So würden in Sierra Leone derzeit dringend Therapeuten und Sozialarbeiter benötigt, die Ebola-Überlebenden zur Seite stehen. Allein die Zahl der Ebola-Waisenkinder wird auf 12.000 geschätzt.

Quelle:  jugendeinewelt.at


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