makechocolatefair 2015

Wien. - Vertreter der Kampagne "Make Chocolate Fair!" haben in Brüssel 122.826 Unterschriften für faire Schokolade an den Dachverband der Europäischen Süßwarenindustrie (CAOBISCO) überreicht. Mit im Gepäck hatten sie zwei zentrale Forderungen: Zum einen sollen Schokoladenunternehmen Untersuchungen anstellen, wie hoch der Preis für Kakaobohnen sein muss, und welche Maßnahmen nötig sind, um den Kakaobäuerinnen und -bauern ein existenzsicherndes Einkommen über der Armutsgrenze zu ermöglichen. Zum anderen sollen Schokoladenunternehmen in Europa Kakaobohnen ab 2020 ausschließlich aus zertifizierten und extern kontrollierten Kakaoanbau beziehen.

"Nur mit einem fairen Kakaopreis können wir Kinderarbeit ernsthaft bekämpfen", erklärte Bernhard Zeilinger, Südwind- Kampagnenkoordinator von "Make Chocolate Fair!" in Österreich das Ziel der Kampagne. Noch immer landen 87 Prozent des Preises einer Tafel Schokolade in den Taschen von Kakaomühlen, Schokoladeunternehmen und Supermärkten. Nach Angaben der Kampagne kommen nur 6,6 Prozent bei den Kakaobäuerinnen und -bauern an.

1980 betrug ihr Anteil noch 16 Prozent. "Wir fordern von den SchokoladenproduzentInnen ihren Beitrag zu leisten, um Kakaobäuerinnen und –bauern ein existenzsicherndes Einkommen zu ermöglichen und damit die Ursache für Kinderarbeit zu bekämpfen", sagte Zeilinger. "Es ist bitter, dass die Nachfrage nach Kakao und die Gewinne der Konzerne steigen, aber den Kakaobäuerinnen und -bauern nur Armut und Elend bleiben - das führt dann zu Kinderarbeit."

"In den 1990er Jahren hat der massive Preisverfall bei Kakao und politische Krisen in der Elfenbeinküste zu Fällen von Kindersklaverei geführt, eine Form der Kinderarbeit, welche wir davor nicht kannten. Kampagnen wie "Make Chocolate Fair!" sind wichtig, um die Industrie zu Maßnahmen zu bewegen", zeigte sich die ivorische Kinderrechtsexpertin Marie Jeanne N’Zore Kombo vom Gewerkschaftsbund UGTCI überzeugt, dass der Druck der Zivilgesellschaft in Europa zu einer Verbesserung in der Elfenbeinküste beitragen kann.

100 PROZENT FAIRE SCHOKOLADE?

"Make Chocolate Fair!" fordert von CAOBISCO, als Dachverband aller europäischen Schokoladenunternehmen, ein Bekenntnis bis 2020 auf 100 Prozent zertifizierten Kakao umzusteigen. Bei der Übergabe der Unterschriften am 2. Dezember habe CAOBISCO erklärt, sich verstärkt für die Erhöhung der Einkommenssituation einzusetzen und im Kampf gegen Kinderarbeit nachzulegen. "Make Chocolate Fair!" wird CAOBISCO in Zukunft danach messen und erwartet sich zeitnah wirksame Schritte zur Umsetzung ihrer Versprechungen.

In Österreich haben laut Südwind im Verlauf der dreijährigen Südwind-Kampagne "Make Chocolate Fair!" bereits einige heimische Schokoladenhersteller in Aussicht gestellt bis 2020 nur mehr nachhaltig produzierte und fair gehandelte Kakaobohnen zu verarbeiten.

Bereits umgestellt hat Manner 2012 die "Mannerschnitte" auf UTZ und mit April 2015 die "Casali-Schokobananen" auf FAIRTRADE. Hofer produziere seit 2012 Großteils zu UTZ Standards und habe darüber hinaus 2015 mit "Gourmet" eine Schokolade mit FAIRTRADE-Zertifizierung auf den Markt gebracht. Seit dem Frühjahr 2015 habe Heindl das gesamte Sortiment der Marken "Heindl" und "Pischinger" und Heidi Chocolat die Marken "Niemetz Schwedenbomben", "Manja" und "Swedy" auf FAIRTRADE-Kakao umgestellt.

Bei der Übergabe der Unterschriften an die beiden größten Schokoladenanbieter am österreichischen Markt, Milka/Mondelez und Lindt&Sprüngli, zeigten sich beide laut Südwind beeindruckt von den 19.872 Unterschriften. Beide haben bereits kürzlich Programme zur Unterstützung der Kakaobäuerinnen- und bauern und zur Bekämpfung der Kinderarbeit initiiert und bei einem Treffen mit Zeilinger erklärt ihre Bemühungen zu intensivieren, um nachhaltige Lösungen zu erwirken.

"Es ist ein großer Erfolg für unsere Kampagne und vor allem für die Kakaobäuerinnen und -bauern weltweit, dass die Schokoladenindustrie auf die Forderungen von Make Chocolate Fair! eingeht und sich nun ernsthaft mit der Frage nach einem existenzsichernden Einkommen für Kakaobauernfamilien auseinandersetzt", erklärte Evelyn Bahn, INKOTA-Kampagnenkoordinatorin von Make Chocolate Fair!.

Einen konkreten Zeitrahmen, bis wann eine Berechnungsgrundlage erarbeitet wird und welche Schokoladenunternehmen sich daran beteiligen, wurde von CAOBISCO-Geschäftsführerin Sabine Nafziger offen gelassen. "Make Chocolate Fair! wird genau verfolgen, wie sich die Schokoladenindustrie diesem Thema in den nächsten Monaten annimmt", kündigte Bahn an. "Wenn Schokoladenunternehmen den Kampf gegen Kinderarbeit wirklich beschleunigen möchten, dann müssen sie die Armut unter Kakaobauernfamilien bekämpfen. Das heißt auch, dass die Bäuerinnen und Bauern einen fairen Preis für ihren Kakao erhalten müssen. Eine transparente Berechnung für ein existenzsicherndes Einkommen ist dafür eine entscheidende Grundlage."

"Die Konzerne haben reagiert und allesamt Maßnahmen angekündigt. Es liegt nun an uns, nicht locker zu lassen und auch auf die Einhaltung ihrer Versprechen zu pochen. Was möglich wäre, zeigt das Umdenken von Nestlé und Mars in Großbritannien in Folge heftiger Proteste von Seiten der Zivilgesellschaft", gab Zeilinger zu bedenken. Dort werden nun die Marken "Kitkat" (Nestlé) und "Maltesers" und "Mars-Riegel" (beides Mars) zu FAIRTRADE-Standards produziert.

Foto: Petitionsübergabe in Brüssel mit den MCF!-AktivistInnen © Nadja Bülow

Quelle: suedwind-agentur.at


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