transparencyBerlin. - Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat am Mittwoch den Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) veröffentlicht. 68 Prozent aller Länder haben ein ernsthaftes Korruptionsproblem, darunter befinden sich auch die Hälfte der G20 Staaten. Deutschland rangiert mit Großbritannien und Luxemburg auf dem zehnten Platz. Schlusslichter sind Somalia, Nordkorea und Afghanistan.

Der Index umfasst in diesem Jahr 168 Länder und Territorien. Der Index setzt sich aus verschiedenen Expertenbefragungen zusammen und misst die in Wirtschaft, Politik und Verwaltung wahrgenommene Korruption.

DEUTSCHLAND UNTER G20 STAATEN AUF DEM ZWEITEN PLATZ

Im Vergleich aller G20 Staaten belegt Deutschland mit Großbritannien hinter Kanada den zweiten Platz; EU-weit ist Deutschland auf Platz fünf des Korruptionswahrnehmungsindex. International belegen Dänemark (91 Punkte), Finnland (90) und Schweden (89) die vordersten Plätze.

Deutschland hat sich im Vergleich zum CPI 2014 um zwei Punkte und zwei Rangplätze verbessert. Ursache hierfür mag laut Transpareny sein, dass Deutschland in den letzten zwei Jahren einige Hausaufgaben in Sachen Korruptionsbekämpfung zumindest teilweise erledigt hat: Die UN Konvention gegen Korruption wurde endlich ratifiziert, die Bestechung von Mandatsträgern wurde strafrechtlich verschärft und es wurden Karenzzeiten für Politiker in hohen Regierungsämtern gesetzlich festgelegt. Im November 2015 ist das Gesetz zur Bekämpfung der Korruption in Kraft getreten. Der Bundestag berät derzeit den Gesetzentwurf zur Korruption im Gesundheitswesen, mit dem die Bestechung und Bestechlichkeit von Angehörigen der freien Berufe im Gesundheitswesen künftig geahndet werden soll.

Der Ruf der deutschen Wirtschaft scheint indessen schlechter zu werden. Führungskräfte aus der Wirtschaft nehmen deutsche Unternehmen als immer weniger integer wahr; das ist dem Executive Opinion Survey des World Economic Forum zu entnehmen, der mit anderen Quellen dem CPI zugrunde liegt. Edda Müller, Vorsitzende von Transparency Deutschland: „Von einer vermeintlichen Verbesserung im Index sollte sich Deutschland nicht blenden lassen. Die jüngsten Korruptions- und Compliance-Skandale – sei es in der Automobilwirtschaft, im Sport oder im Finanzmarkt – zeigen, dass es auch in unserem Land in Sachen Integrität noch viel zu tun gibt.“

KORRUPTION UND KONFLIKTE GEHEN MEIST HAND IN HAND

Fünf der 10 korruptesten Länder zählen auch zu den 10 am wenigsten friedlichen Orten in der Welt. In Afghanistan wurden Millionen von Dollar, die für den Wiederaufbau gedacht waren Berichten zufolge verschwendet oder gestohlen. Dadurch werden ernsthafte Bemühungen Frieden zu ermöglichen untergraben. Selbst dort, wo es keine offenen Konflikte gibt herscht verheerende Ungleichheit und Armut in diesen Ländern.

Transparency macht darauf aufmerksam, dass viele Länder, die selbt ein hohes Ranking haben und als "clean" gelten, Korruption "exportieren" und in ihren Auslandsprojekten und Investitionen Korruption sehr viel nachlässiger bekämpfen.

=> Corruption Perception Index 2015

Quelle: transparency.de


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