Globales Netzwerk der Deutschen BankFrankfurt a.M./Hamburg (epo). - Die Deutsche Bank zieht sich nach Angaben ihres Umweltmanagers Michael Hölz als Financial Advisor aus einem heftig kritisierten Übernahmegeschäft in der indonesischen Zellstoff-Industrie zurück. Wie die Umweltorganisation ROBIN WOOD mitteilte, war für den heutigen Mittwoch ein bundesweiter Protesttag vor den Filialen der Deutschen Bank geplant. Am Morgen habe die Bank ihren Rückzug aus dem Projekt bekannt gegeben.

Das an der Börse in Singapur notierte Unternehmen United Fiber System (UFS) plant, seine Zellstoffproduktion weiter auszubauen und das Zellstoffwerk Kiani Kertas in Südkalimantan zu übernehmen. Die Deutsche Bank sollte das millionenschwere Geschäft koordinieren. Nachdem Verhandlungen mit der Bank über ihr Engagement in Indonesien nicht den erwünschten Erfolg gebracht hatten, riefen Umweltorganisationen für den 21. Dezember zu einem bundesweiten Protesttag vor Filialen der Deutschen Bank auf.

Heute um 9.45 Uhr habe Michael Hölz, Umweltmanager der Deutschen Bank, ROBIN WOOD mitgeteilt: "Die Deutsche Bank wird sich als Financial Advisor nicht mehr an der Firmenübernahme beteiligen. Damit sind wir jetzt einen Schritt weiter als bisher. Das Projekt liegt nicht bloß auf Eis. Wir arbeiten an dem Thema endgültig nicht mehr weiter.'

"Die Entscheidung der Deutschen Bank ist richtungsweisend", sagte Peter Gerhardt, Tropenwald-Referent bei ROBIN WOOD. "Die klare Botschaft, die in Deutschland und Indonesien sehr aufmerksam wahrgenommen wird, heißt: Unternehmen, die Geschäfte auf Kosten des Regenwaldes machen wollen, müssen mit massiver öffentlicher Kritik und Imageschäden rechnen."

"Wir gratulieren der Deutschen Bank zu diesem Schritt und hoffen, dass sie für die Zukunft Richtlinien entwickelt, die von vornherein ökologisch und sozial unverantwortliches Engagement verhindern", erklärte Lydia Bartz von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. Die Deutsche Bank gehöre nach urgewald-Recherchen zu den aktivsten deutschen Banken im Zellstoffsektor. Obwohl sie beteuere, dass sie keine Kundenbeziehungen mit Organisationen habe, die potentiell in nicht-nachhaltige Praktiken, wie z.B. die Zerstörung von Regenwald, involviert sind, habe sie im Gegensatz zu anderen international tätigen Großbanken bisher keine verbindliche Umweltpolitik für waldrelevante Projekte verabschiedet.

United Fiber System (UFS) will das Zellstoffwerk Kiani Kertas in Südkalimantan übernehmen sowie dort ein weiteres Zellstoffwerk und eine Hackschnitzelfabrik bauen. "Dadurch entstünde ein weiterer Großkonzern in der indonesischen Papierindustrie, in der es schon jetzt große Überkapazitäten gibt. Selbst die Weltbank vertritt die Ansicht, dass die Wälder Indonesiens bei weitem nicht ausreichen, um die Papierwerke in Indonesien legal und nachhaltig mit Holz zu versorgen", so ROBIN WOOD.

Indonesische UmweltschützerInnen gehen davon aus, dass auch UFS für seine Zellstoffproduktion Tropenwald zerstören wird. So befinden sich nach Angaben des international renommierten CIFOR-Instituts innerhalb der Konzessionsgebiete von UFS über 70.000 Hektar Regenwald. Diese seien akut von der Abholzung bedroht, wenn UFS seine Expansionspläne in die Tat umsetzt.

Holz- und Zellstoffkonzerne in Indonesien haben in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich daran mitgewirkt, zwei Drittel der Waldfläche des Landes zu zerstören. Die Folgen für die Umwelt sind dramatisch. Eine besonders artenreiche Tier- und Pflanzenwelt ging verloren, Gewässer wurden verschmutzt, Böden erodierten, klimaschädliche Gase gelangten in die Atmosphäre.

Die Deutsche Bank hatte sich zu Gesprächen mit Umweltschützern bereit erklärt, nachdem ROBIN WOOD-Aktivisten am 10. November vor der Zentrale der Deutschen Bank mit einer Kletteraktion die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt hatten. Eine Verhandlungsrunde sowie etliche Telefonate folgten. Am 19. Dezember wandte sich ROBIN WOOD gemeinsam mit Rettet den Regenwald, urgewald und Global 2000, die die Proteste gegen die Deutsche Bank mitgestaltet hatten, in einem Schreiben an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Josef Ackermann. Darin kündigten die Organisationen Kampagnen auf nationaler und internationaler Ebene an für den Fall, dass die Deutsche Bank an dem Projekt festhielte.

[Grafik: Globales Netzwerk der Deutschen Bank ? Deutsche Bank]

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