unescoParis. - Der Internationale Koordinationsrat des UNESCO-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB) hat 22 neue Biosphärenreservate und vier grenzüberschreitende Reservate anerkannt. Biosphärenreservate sind Modellregionen für nachhaltige Entwicklung. Sie sind repräsentativ für wertvolle Ökosysteme, bewahren die biologische Vielfalt und fördern eine schonende Bewirtschaftung durch den Menschen und damit eine nachhaltige Entwicklung.

Aus Deutschland wurde ein Gebiet im südlichen Schwarzwald als Biosphärenreservat ausgezeichnet. Die neuen UNESCO-Biosphärenreservate in Entwicklungsländern sind:

Mono (Benin/Togo)

Das Biosphärenreservat Mono liegt an der südlichen Grenze zwischen Togo und Benin, wo der Fluss Mono in einem Delta in den Atlantik mündet. Auf einer Fläche von 3.500 Quadratkilometern erstreckt sich das Biosphärenreservat über das gesamte, weit ausladende Delta und die umgebende Schwemmebene. Es umfasst Ökosysteme wie Mangroven, Savanne, Wald, Lagunen, Küstenfeuchtgebiete, Auen, Marschland und Süßwasserhabitate. Aus Sicht der etwa 2 Millionen Bewohner sind die heiligen und traditionell geschützten Wälder besonders wichtig, ebenso wie vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften, welche durch Landwirtschaft und Siedlungsgebiete geprägt sind. Die Bewohner leben meist von kleinbäuerlicher Landwirtschaft, nomadischer Viehhaltung, Forstwirtschaft oder Fischerei. Das grenzüberschreitende Biosphärenreservat soll die Verständigung beider Länder, den wissenschaftlichen Austausch und das zwischen den beiden westafrikanischen Ländern abgestimmte Management des Ökosystems fördern. Seine Einrichtung und Nominierung wurde durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit maßgeblich unterstützt.

Savegre (Costa Rica)

Das Biosphärenreservat Savegre befindet sich an der Pazifikküste Costa Ricas etwa 190 Kilometer südlich der Hauptstadt San José. Es grenzt im Norden und Osten an bestehende Biosphärenreservate. Knapp die Hälfte der Fläche des Biosphärenreservats von insgesamt 3.100 Quadratkilometern ist Meeresgebiet und enthält wertvolle marine und küstennahe Ökosysteme. Aber auch an Land schafft die abwechslungsreiche Oberfläche eine Vielzahl verschiedener Lebensräume mit einer sehr hohen Biodiversität: Zwanzig Prozent aller Pflanzenarten Costa Ricas sind im Biosphärenreservat vorzufinden, ebenso 54 Prozent der Säugetierarten, 59 Prozent der Vogelarten und etwa 330 Schmetterlingsarten. 71 der im Biosphärenreservat vorkommenden Pflanzenarten sind weltweit einmalig. Die 50.000 Einwohner des Biosphärenreservats leben hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehhaltung, sie bauen zum Beispiel Äpfel, Pflaumen, Beeren und Avocado an. Auch der Öko-Tourismus wird für die Region ein immer bedeutenderer Wirtschaftsfaktor.

Bosques de Paz (Ecuador/Peru)

Bosques de Paz ist das erste grenzüberschreitende Biosphärenreservat in Südamerika. Es schließt die zwei bereits bestehenden Biosphärenreservate Bosque de Seco im Südwesten Ecuadors und Noroeste Amotapes-Manglares im Nordwesten Perus zusammen. Dies ist nur ein Beispiel der verstärkten Kooperation der beiden Länder seit einem Abkommen von 1998. Die UNESCO hatte den Nominierungsprozess intensiv über ein von der flandrischen Regierung finanziertes Projekt unterstützt. Auf 16.000 Quadratkilometern umfasst das Biosphärenreservat die westlichen Ausläufe der Anden von der Meeresküste bis auf eine Höhe von 3000 Metern. Diese naturräumlichen Unterschiede führen zu einer hohen biologischen Vielfalt und zu einer hohen Zahl nur hier vorkommender Arten. Viele der über 600.000 Einwohner des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats stammen aus binationalen Familien. Viehzucht und Tourismus sind wichtige Erwerbszweige.

Majang-Wald (Äthiopien)

Das Biosphärenreservat Majang-Wald liegt in der Region Gambala, im äußersten Westen Äthiopiens. Afromontane, also immergrüne Wälder in Hochlagen afrikanischer Berge prägen das neue Biosphärenreservat, in dem sich Schutzgebiete mit nationalem Schutzstatus finden, und solche, die von der lokalen Bevölkerung geschützt werden. In dem Gebiet befinden sich auch Ramsar-Feuchtgebiete. Mit 550 höheren Pflanzenarten, 33 Säugetierarten, 130 Vogelspezies und 20 verschiedenen Amphibien hat das Gebiet eine besonders hohe Biodiversität. 39 der Spezies sind als bedrohte Arten auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN verzeichnet. Zugleich gibt es eine besonders hohe kulturelle Vielfalt, die das Biosphärenreservat erhalten will, zum Beispiel die traditionelle Imkerei der Kobo und der Jang. Insgesamt leben etwa 225.000 Menschen in dem Gebiet.

San Marcos de Colón (Honduras)

Das honduranische Biosphärenreservat San Marcos de Colón liegt nur wenige Kilometer von der Grenze Nicaraguas entfernt, in einer Höhe von 500 bis 1700 Metern. Das 580 Quadratkilometer große Gebiet ist Heimat vieler seltener Tierarten, darunter auch gefährdete Arten wie der Schluchtenguan und der Rotschwanzbussard. 129 Vogelarten kommen im Biosphärenreservat vor. In den 18 landwirtschaftlich geprägten Dörfern wohnen insgesamt rund 26.000 Menschen. Zu den wirtschaftlichen Einnahmequellen zählen der Anbau von Gemüse, Früchten, Zierpflanzen und Kaffee. Auch die Sattlerarbeit, die Viehzucht und die Milchwirtschaft spielen eine wichtige Rolle.

Altyn Emel (Kasachstan)

Das neu ausgezeichnete, 5.500 Quadratkilometer große Biosphärenreservat Altyn Emel im Osten Kasachstans ist identisch mit dem Gebiet des gleichnamigen nationalen Naturparks im Einzugsgebiet des Flusses Ili, einem der größten kasachischen Schutzgebiete. Der Schutz der artenreichen Flora und Fauna ist von zentraler Bedeutung. Neben seltenen und bedrohten Tierarten gibt es viele endemische Pflanzenarten, die nur im Biosphärenreservat wachsen. Das diverse Ökosystem schließt unterschiedliche Wüstentypen, Auwälder und wertvolle Feuchtgebiete im Tal des Ili ein. Dank strenger Gesetzesregelungen lassen sich Naturschutz und die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus hier miteinander in Einklang bringen. Der kasachische Teil der Seidenstraße liegt im Gebiet des Biosphärenreservats. Die 4.000 Einwohner versprechen sich vor allem einen Aufschwung des Öko-Tourismus.

Gadabedji (Niger)

Das neu ausgezeichnete Biosphärenreservat Gadabedji ist mit 14.000 Quadratkilometern besonders groß. Es liegt im Zentrum Nigers, zwischen der Sahel-Sahara Zone im Norden Nigers und dem sudanesischen Biom im Süden. Es war eines der ersten staatlich geschützten Gebiete im Land. Die Landschaft des Biosphärenreservats setzt sich zusammen aus einem Mosaik von Savannen und Sanddünen. Zur vielfältigen Tierwelt, die hier beheimatet ist, gehören auch elf größere Säugetierarten wie die Dorkasgazelle, der Husarenaffe und der Goldschakal. Die 20.500 Bewohner des Biosphärenreservats gehören mehrheitlich zwei ethnischen Gruppen an, den Tuaregs und den Peulh. Die meisten von ihnen sind Hirten, oft mit nomadischem Lebensstil.

Garden Route (Südafrika)

Das südafrikanische Biosphärenreservat Garden Route liegt in der Kap-Provinz und damit in einem weltweiten Hotspot der biologischen Vielfalt und bedeutender Ökosysteme. Im 7.000 Quadratkilometer großen Gebiet leben 450.000 Menschen. Das Biosphärenreservat umfasst zwei Welterbestätten, die Höhlen in der Nelson Bay und das Lankloof-Tal, außerdem ein marines Schutzgebiet, einen Nationalpark und ein Ramsar-Feuchtgebiet. Die große Vielfalt der Flora umfasst Wälder und Gebiete mit Sträuchern und Kräutern, die für die indigene Bevölkerung von hoher Bedeutung sind. In die Arbeit für nachhaltige Entwicklung, zum Beispiel Öko-Tourismus, Handwerk und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte sind viele Partner einbezogen. Das Biosphärenreservat will "touristische Korridore" schaffen.

Jebel Al Dair (Sudan)

Das Biosphärenreservat umfasst einen bestehenden Nationalpark im Zentrum Sudans, der 2010 eingerichtet worden war. Das Biosphärenreservat ist eines der letzten Gebiete mit großer Biodiversität im Norden der halbtrockenen Region Kordofans. Das Biosphärenreservat soll die Leistungsfähigkeit der Ökosysteme sichern und damit die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Allein 220 Vogelarten und gefährdete Arten wie der Große Kudu und Paviane leben hier. Der Rahmenplan zur Verwaltung des Gebiets wurde in einem sehr partizipativen Prozess mit der Bevölkerung erarbeitet.

La Selle - Jaragua-Bahoruco-Enriquillo (Dominikanische Republik / Haiti)

Das neue grenzüberschreitende Biosphärenreservat verbindet zwei Biosphärenreservate miteinander, die zuvor auf beiden Seiten der Grenze auf der karibischen Insel eingerichtet wurden (2002 beziehungsweise 2012). Das grenzüberschreitende Biosphärenreservat sichert ökologische Korridore und eine gemeinsame Bewirtschaftung der Natur, damit die Bewohner auf beiden Seiten der Grenze zusammen finden, ihre Interessen abgleichen können und einen besseren Lebensunterhalt erreichen können.

Karatau (Kasachstan)

Karatau ist ein Gebirge im Süden Kasachstans, in dessen Zentrum sich das neue Biosphärenreservat mit 1.500 Quadratkilometern befindet. Das Gebirge bildet den nordwestlichen Ausläufer des Tien Shan Gebirges und besitzt äußerst hohen Wert für den Naturschutz. Über 1.700 höhere Gefäßpflanzen werden gezählt und das Gebiet hat die höchste Zahl endemischer Arten des gesamten mittleren Asiens. 83.000 Bewohner, die vor allem von Viehzucht leben, haben auch das Recht, in der Pufferzone des Biosphärenreservats unter Auflagen Landwirtschaft und Viehzucht zu treiben. In der Entwicklungszone gibt es mehrere landwirtschaftliche Großunternehmen. Es gibt mehrere Angebote für Tourismus, Bildung und Erholung.

Itaipu (Paraguay)

Itaipu ist eines der größten Wasserkraftwerke der Welt, gelegen an der Grenze zu Brasilien. Das neue Biosphärenreservat rund um das Kraftwerk hat eine Fläche von 10.000 Quadratkilometern und umfasst sechs Teilgebiete mit strengem Naturschutz. Die Flora ist geprägt von einer Form von Laubwald, der als "Upper Parana Atlantic Forest" zu den 200 Ökoregionen der Welt zählt, die laut WWF besonderen Schutz erfordern. Die Zahl der nur hier vorzufindenden Arten ist besonders hoch, der Wald trotz Bedrohung durch Landwirtschaft noch größtenteils ursprünglich intakt. Zu den hier vorkommenden Tierarten zählen der Jaguar und der Tapir. Dauerhaft leben 450.000 Menschen in dem Gebiet, teils indigene Gemeinschaften, in der Hochsaison kommen die gleiche Zahl an Touristen und anderer zeitweiser Bewohner hinzu. Daraus resultiert ein Schmelztiegel der Kulturen mit vielen Sprachen und vielfältigen wirtschaftlichen Aktivitäten.

Indawgyi (Myanmar)

Indawgyi ist der Name des größten Süßwassersees von Myanmar. Der See mit seinen schwimmenden Vegetationsinseln, den ihn umgebenden Feuchtgebieten und saisonal überschwemmten Gebieten bildet das neue Biosphärenreservat mit 1.300 Quadratkilometern Fläche. Die dörflichen Gemeinschaften bewirtschaften Wälder und landwirtschaftliche Fläche zur Reisproduktion – das Biosphärenreservat soll den Einsatz von Dünger und Pestiziden, die das ökologische Gleichgewicht des Sees bedrohen, reduzieren. Dazu soll das Biosphärenreservat neue Bildungsprogramme für alle Landnutzer aufsetzen und Pilotprojekte zur nachhaltigen Landnutzung initiieren. Auch der Einsatz erneuerbarer Energien ist geplant. Das Biosphärenreservat wurde in einem partizipativen Prozess aller Gemeinschaften auf den Weg gebracht, den die deutsche Bundesregierung und Experten aus mehreren deutschen Biosphärenreservaten begleitet haben. In dem Prozess konnte der Fortbestand der Landnutzungsrechte der Bewohner gesichert werden.

Seit 1971 entwickelt das UNESCO-Programm "Der Mensch und die Biosphäre" Konzepte für umweltverträgliches und ressourcenschonendes Wirtschaften. Zentrales Instrument des Programms sind die Biosphärenreservate. UNESCO-Biosphärenreservate weltweit arbeiten als Modellregionen für nachhaltige Entwicklung zusammen, 16 davon in Deutschland. Strenger Naturschutz in kleinen Kernzonen geht hier einher mit der Förderung einer nachhaltigen Wirtschaft im Großteil der Fläche. So fördern Biosphärenreservate beispielsweise die Vermarktung von Bio-Lebensmitteln, moderieren Konflikte der Landnutzung, passen Wälder zur Anpassung an den Klimawandel um und stärken eine Bildung für nachhaltige Entwicklung. Der Schutz und die Entwicklung der Reservate werden mindestens alle zehn Jahre evaluiert.

Quelle: www.unesco.de 


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