CMSBonn (epo). - Der Exekutivsekretär der Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hält es für verfehlt, die Zugvögel für die Vogelgrippe verantwortlich zu machen. Dies fördere keine dauerhafte Lösungen zur Bewältigung der Krise, sagte Robert Hepworth am Freitag in Bonn. "Stattdessen sollte die internationale Gemeinschaft sich auf die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen dieser Verbreitung konzentrieren: die drastische Reduzierung der Lebensräume für Wildtiere und nicht nachhaltige Landwirtschaft, die zu einer ungesunden Nähe von Zugvögeln und Haustieren geführt haben."

Während die Vogelgrippe Afrika, Indien und Westeuropa erreicht, werden Zugvögel als Hauptursache für die Verbreitung der Seuche und aufkommende Panik in den Gebieten ausgemacht, in denen Wildvögel ihre Futter-, Rast- oder Brutplätze haben. Demnach sollen Lösungen gegen die Verbreitung der Pandemie in der Kontrolle dieses Phänomens gefunden werden, das seit jeher ein wesentlicher Teil des natürlichen Ökosystems ist.

Bei der ausschließlichen Konzentration auf den Vogelzug werden andere Mechanismen und Wege der Ansteckung unterschätzt und wirksame Schutzmaßnahmen ausgeklammert. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), die in Bonn ansässige Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten und ihr Afrikanisch-Eurasisches Wasservogel Abkommen wollen ein Seminar von Experten einberufen, um die eigentlichen Ursachen der Verbreitung und wirksame Lösungen für die Eindämmung der Vogelgrippe zu untersuchen. Das Seminar soll vom 10. bis 11. April am UNEP-Hauptsitz in Nairobi stattfinden und wissenschaftliche Empfehlungen an Regierungen erarbeiten.

UNEP hat Bedenken, was die Lösungen zur Eindämmung der Pandemie betrifft. Obwohl die meisten Krankheitsfälle bei Geflügel zu finden sind, wird das Keulen von Wildvögeln immer noch als probates Mittel gesehen, die Verbreitung zu stoppen. Die Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten sieht das Keulen als schnelle Lösung und als falschen Ansatz zur Ablenkung von den wahren Ursachen der Ausbreitung der Vogelgrippe und wirksamen Lösungen an.

Die Vertragsstaaten der drei internationalen Abkommen zu wandernden Tierarten und ihrer Habitate, CMS, AEWA und die Ramsar Konvention über Feuchtgebiete, haben einstimming das Keulen als eine plausible Lösung verworfen. Ökologisches Ungleichgewicht durch unnatürliche Nähe, intensive unnachhaltige Landwirtschaft und Nutztierhaltung beeinträchtigten die Ökosysteme und unterbänden ihre reibungslose Funktion, lautete die Begründung.

"Die 'schnelle Lösung', die wir derzeit sehen, ist nicht die richtige. Impfstoffe, Quarantäne, Antivirenmittel können die Ausbreitung ausdämmen, aber wir müssen ein Gleichgewicht zwischen der von Menschen gemachten Welt und der Natur herstellen. Solange wir nicht daran arbeiten, die Belastbarkeit der Ökosysteme, die menschlichem Druck ausgesetzt sind, zu erhalten, wird das Problem erneut auftauchen", so Robert Hepworth. "Es mag eine andere Krankheit mit anderen Arten sein, aber es wird wieder passieren, solange die internationale Gemeinschaft nicht die wirklichen Ursachen der Umweltzerstörung angeht."

"Zugvögel zu beschuldigen scheint der einfachste Weg zu sein, um sich nicht auf die wahren Probleme der unnachhaltigen Methoden in der Landwirtschaft zu konzentrieren" ist Bert Lenten überzeugt, Exekutivsekretär des Afrikanisch-Eurasischen Wasservogel Abkommens (AEWA). "Wir sollten uns auf wirksame Erhaltungsmaßnahmen für Wildtiere und ihre Habitate konzentrieren, um gesunde und nicht infizierte Ökosystem zu erhalten."

UNEP hat die Konvention beauftragt, ein Frühwarnsystem zu erstellen, um Wanderwege und Brennpunkte möglicher Kontakte zwischen Zugvögeln und Geflügel zu erforschen und Gebiete kartographisch zu erfassen, die im Falle eines möglichen Ausbruchs gewarnt werden müssen. Das Frühwarnsystem wird die Gebiete ausmachen, in denen sich Haustiere und Wildtiere den Lebensraum teilen müssen. Ziel ist ein detailliertes Bild von Regionen, deren künftige Entwicklung sowie Erhaltungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen sorgfältig geplant werden müssen.

UNEP unterstützt Artenschutz und nachhaltige Entwicklung als Wegweiser und Lösung für eine gesunde Zukunft. Die Vogelgrippe bestätigt erneut die Notwendigkeit eines ausgewogenen Ansatzes zwischen Wachstum und Umweltschutz.

UNEP/CMS


Back to Top