SIPRIStockholm (epo). - Die weltweiten Militärausgaben haben 2005 ein Niveau von 1,12 Billionen US-Dollar erreicht und sind in den letzten zehn Jahren um mehr als ein Drittel angestiegen. Im selben Zeitraum ist der Waffenhandel durch die 100 führenden Rüstungskonzerne um 15 Prozent gestiegen. Diese Zahlen nennt das heute veröffentlichte SIPRI Jahrbuch 2006 des Stockholmer Friedensforschungsinstituts. Die einzige verbliebene Supermacht USA war 2005 für 48 Prozent aller Militärausgaben weltweit verantwortlich.

Im Vergleich zum Jahr 2000 verzeichnete das Stockholm International Peace Research Institute einen Anstieg des Waffenhandels um 30 Prozent. Die finanziellen Ausgaben für Waffentransfers stiegen von 27-30 Milliarden Dollar im Jahr 2001 auf 44-53 Mrd. US$ 2004. "Der anhaltende Aufwärtstrend in allen Bereichen der Rüstungswirtschaft zeigt, dass die Verteidigungs- und Sicherheitspolitik nicht an die realen Herausforderungen der neuen Sicherheitsumgebung angepasst worden ist", erklärte der SIPIR-Forscher Petter St?lenheim.

Das SIPRI Jahrbuch 2006 analysiert die aktuellen Konflikte und deren Lösungsversuche im Rahmen multilateraler Friedenseinsätze. Die gegenwärtigen Bemühungen um eine Konfliktlösung gestalteten sich aufgrund der Komplexität der Konflikte außerordentlich schwierig, heißt es darin. Ursache hierfür sei, wie am Beispiel des Irak oder des Sudan zu sehen sei, die wachsende Rolle nichtstaatlicher Gruppen bei der Gewaltausübung. "Extreme Gewaltausübung, einschliesslich Terrorismus, durch angeblich religiös motivierte Gruppen mit unklaren politischen Zielen machen die Förderung des Friedens immer schwieriger", sagte SIPRI Projektleiter Neil Melvin.

Die wichtigsten Waffenlieferanten waren in den Jahren seit 2001 Russland und die USA mit einem Marktanteil von jeweils rund 30 Prozent. Es folgten Frankreich, Deutschland und Großbritannien mit einem Anteil von insgesamt 20 Prozent. Deutschland exportierte in den vergangenen vier Jahren Militärgüter für 4,4 Milliarden Euro aus. 

Die Rüstungsausgaben stiegen nach Angaben von SIPRI allein im vergangenen Jahr gegenüber 2004 um 3,4 Prozent. 2005 wurden demnach 950 Milliarden Euro für Waffen ausgegeben - pro Kopf der Weltbevölkerung 137 Euro.

80 Prozent des Anstiegs der Militärausgaben gehen auf das Konto der USA. Als Gründe nennt SIPRI in seinem Jahrbuch vor allem die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan. Die einzige verbliebene Supermacht war 2005 für 48 Prozent aller Militärausgaben weltweit verantwortlich. Großbritannien, Frankreich, Japan und China haben einen Anteil von jeweils vier bis fünf Prozent.

Mit Blick auf den Atomstreit mit dem Iran kommt SIPRI zu dem Schluss, eine internationale Kontrolle des nuklearen Brennstoffkreislaufs werde zunehmend wichtig. Gleichzeitig könne der Sicherheitrat der Vereinten Nationen aber kaum Fortschritte bei der friedlichen Lösung der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen vorweisen. Dem Iran sei es gelungen, die Diskussion über die Nonproliferation in eine Debatte um den Zugang zu Technologien der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu verwandeln, erklärte die SIPRI-Wissenschaftlerin Shannon Kile.

 SIPRI Jahrbuch 2006
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