Grauwal. Foto: WWFFrankfurt/München (epo). - Umwelt- und Tierschutzorganisationen haben mit Enttäuschung auf die Ergebnisse der 58. Konferenz der Internationalen Walfangkommission (IWC) reagiert. "Jede Minute stirbt ein Wal oder Delfin durch Jagd, ertrinkt in Fischernetzen oder wird krank durch Meeresgifte. Aber damit wollten sich die IWC-Staaten nicht auseinanderzusetzen", kritisierte WWF-Walexperte Volker Homes. "2006 muss als Warnschuss für die Walschützer gesehen werden", sagte Sandra Altherr, Meeresexpertin von Pro Wildlife. "Die Walschutzländer müssen nun mit großem Nachdruck Sanktionen für die IWC durchsetzen, bevor die Walfangländer das Ruder in der IWC vollends übernehmen".

Am Sonntag hatten die Pro-Walfang-Nationen ihre erste Abstimmung seit fast dreißig Jahren gewonnen. Mit einer Stimme Mehrheit wurde der Antrag Japans auf "Normalisierung" der IWC angenommen. Er sieht vor, dass sich die Kommission nicht mehr mit Walschutz beschäftigt und stellt außerdem die Behauptung auf, Wale fräßen zu viel Fisch und seien so für die Überfischung der Meere verantwortlich. "Dieser wissenschaftlich nicht zu belegende Unsinn hat die IWC überschattet und den Walschutz regelrecht gelähmt", sagte Homes.

Obwohl die Behauptung, Wale seien für den Niedergang der Fischbestände verantwortlich, seit langem durch zahlreiche Studien widerlegt sei, könne "dieses Scheinargument gerade ärmere Staaten gänzlich vom Walschutz abbringen", befürchtet Homes. "Wir können nur hoffen, dass die Regierungen der Walschutz-Nationen jetzt endlich verstanden haben, was auf dem Spiel steht", so Homes. "Auf dieser Konferenz haben sie keine Courage gezeigt. Aus Angst vor einer erneuten Schlappe wurde einfach über gar nichts mehr abgestimmt. Das sind miserable Aussichten für die kommenden Jahre."

Der WWF fordert eine breite Debatte über den Walschutz, in der auch schwierige Themen wie Beifang, also das Ertrinken von Walen und Delfinen in Fischernetzen, Klimawandel und Meeresverschmutzung eine Rolle spielen sollen. Die IWC müsse mit der Entwicklung anderer internationaler Umweltabkommen Schritt halten, sonst drohe ihr die Bedeutungslosigkeit.

Seit dem Jahr 2000 hat sich die Gruppe der Jagd-Befürworter unter den insgesamt 70 IWC-Mitgliedsstaaten von neun auf inzwischen 33 mehr als verdreifacht.

In der "St. Kitts and Nevis Deklaration" hatten die Walfang-befürwortenden Länder der IWC Funktionsunfähigkeit vorgeworfen und das seit 1986 geltende weltweite Walfangmoratorium als überflüssig bezeichnet. Die Deklaration war mit 33 zu 32 Stimmen angenommen worden. "Diese Mehrheit hat Japan durch großzügige Entwicklungshilfezahlungen an zahlreiche neue IWC-Mitgliedsstaaten ermöglicht", erklärte Pro Wildlife. "Da nehmen Kambodscha, die Marshall-Inseln und Guatemala in diesem Jahr erstmals an der IWC teil und bescheinigen diesem Gremium nur drei Tage später die Nutzlosigkeit - dreister kann Stimmenkauf nicht demonstriert werden", sagte Pro Wild-Life Sprecherin Sandra Altherr.

[Foto: Grauwal (Eschrichtius robustus) ? WWF Phillip Colla]

IWC: www.iwcoffice.org
WWF World Wide Fund For Nature: www.wwf.de
Pro Wildlife: www.prowildlife.de


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