Jahresbericht 2008Berlin (epo.de). - Die Auswirkungen der Finanzkrise droht die Zahl der weltweit hungernden Menschen noch in diesem Jahr auf mehr als eine Milliarde anwachsen zu lassen. "Es muss endlich eine glaubwürdige Trendwende eingeleitet werden", erklärte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, bei der Vorstellung des Jahresberichts der Organisation am Donnerstag in Berlin. "Die weltweite Ernährungssicherheit muss oberste Priorität haben. Rettungspakete sind wichtig, aber Nullen allein machen nicht satt."



Die ehrenamtliche Präsidentin der privaten Hilfsorganisation erklärte, mit der "jahrzehntelangen Vernachlässigung der ländlichen Gebiete in den Entwicklungsländern" müsse endlich Schluss sein. "Dort leben zwei Drittel aller Hungernden. Es sind Kleinbauern und -bäuerinnen, sie haben meist nur einen Hektar Land – so viel wie ein Fußballfeld – um für sich und ihre Familien Nahrungsmittel anzubauen. Sie brauchen landwirtschaftliche Beratung, Zugang zu Krediten und lokalen Märkten."



Dieckmann lobte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Ernährungssicherheit zur Chefsache erklärt und einen Krisenstab eingerichtet hatte. Der für Ende Juni vorgesehene UN-Gipfel stosse aber auf wenig Interesse bei den Industriestaaten, bedauerte die Oberbürgermeisterin der Stadt Bonn.

Bärbel Dieckmann und Joachim Preuss. Foto: WHH"Die Bundesregierung sollte sich dafür einsetzen, dass dieses Treffen von den reichen Ländern ernst genommen wird", forderte 

Dieckmann. Außerdem solle die deutsche Entwicklungshilfe für Afrika und Asien Landwirtschaft und ländliche Entwicklung stärker in den Mittelpunkt rücken. In Afrika seien 212 Millionen, in Asien 584 Millionen Menschen mangel- oder fehlernährt. "Ländliche Entwicklung muss wieder zum Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit werden. Um die Hungerkrise zu bewältigen, brauchen wir sowohl mehr Spenden als auch öffentliche Mittel", sagte Dieckmann.



139 MILLIONEN UMSATZ

Wie der Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Preuß berichtete, standen der Welthungerhilfe im Jahr 2008 für die Projektarbeit 37,1 Millionen Euro Spenden und 101,9 Millionen Euro öffentliche Mittel zur Verfügung. Die Verwaltungsausgaben lagen nach Angaben von Preuss bei 2,4 Prozent, der Anteil für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bei 5,1 Prozent.


www.welthungerhilfe.de

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