?rzte ohne GrenzenKhartum/Berlin (epo). - Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist empört über die Festnahme eines zweiten Mitarbeiters der Organisation im Sudan. Vincent Hoedt, Koordinator für die Projekte in der westsudanesischen Krisenregion Darfur, wurde am Dienstag in Nyala festgenommen. Bereits am Montag war Landeskoordinator Paul Foreman vorübergehend in Gewahrsam genommen worden. Hintergrund ist ein Bericht von Ärzte ohne Grenzen über sexuelle Gewalt in Darfur.

"Diese Festnahmen sind absolut inakzeptabel", erklärte Geoff Prescott, Geschäftsführer der betroffenen holländischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Die Regierung bestraft humanitäre Helfer dafür, dass sie den Opfern des Konflikts beistehen."

Die sudanesischen Behörden werfen Ärzte ohne Grenzen Verbrechen gegen den Staat und Spionage vor. Zudem werde die Organisation beschuldigt, falsche Berichte veröffentlicht zu haben und die sudanesische Gesellschaft zu untergraben. Ärzte ohne Grenzen wies alle Vorwürfe entschieden zurück und forderte die Zurücknahme der Anschuldigungen. "Die Festnahme von zwei Koordinatoren schränkt unsere Fähigkeit, humanitäre Hilfe zu leisten, extrem ein. Die Not Leidenden in Darfur dürfen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden", sagte Prescott.

Die Vorwürfe beziehen sich auf einen Bericht über sexuelle Gewalt in Darfur vom März 2005. In den Projekten der Organisation suchen hunderte Frauen und Mädchen medizinische Hilfe, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Die meisten Patientinnen machten Milizen und Militärangehörige für Vergewaltigungen verantwortlich.

Paul Foreman (45) arbeitet seit 2002 für Ärzte ohne Grenzen. Der britische Logistiker war zuvor Landeskoordinator in Kongo-Brazzaville, Angola und im Irak. Der 35jährige Niederländer Vincent Hoedt ist seit 1996 für Ärzte ohne Grenzen tätig. Der Logistiker hat für die Organisation in Kolumbien, Liberia, der Demokratischen Republik Kongo, Sudan, Sambia, Albanien und Nigeria gearbeitet.

Ärzte ohne Grenzen leistet seit mehr als 20 Jahren medizinische Nothilfe für die Zivilbevölkerung in Sudan. In der Krisenregion Darfur ist Ärzte ohne Grenzen an 29 Orten mit 180 internationalen und 3.000 sudanesischen Mitarbeitern im Einsatz. Allein in den vergangenen zwölf Monaten hat die Organisation nach eigenen Angaben knapp eine Million Konsultationen durchgeführt und mehr als 50.000 unterernährte Kinder behandelt.

Der Bericht "The Crushing Burden of Rape: Sexual Violence in Darfur" auf der Website der Organisation abgerufen werden.

 Ärzte ohne Grenzen


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