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Der "freie Westen" auf dem Weg in den Totalitarismus?

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Mahnwache vor Kik-Filiale für Opfer der Brandkatastrophe

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EU: Brok fordert schnellere Abwicklung der humanitären Hilfe

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Oxfam: Förderung von Agrarkonzernen verschärft Konflikte in Afrika

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Kritik an post-2015 Agenda: Das aktuelle Entwicklungsmodell ist keine Lösung

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German Food Partnership will Kampf gegen Hunger verstärken PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Redaktion   
Dienstag, den 29. Januar 2013 um 14:07 Uhr

bmz 100Berlin. - Das Entwicklungsministerium, die Bill & Melinda Gates Stiftung und die Wirtschaft wollen ihre Kräfte bündeln, um den weltweiten Hunger zu bekämpfen. Insgesamt würden mehr als 80 Millionen Euro bereitgestellt, hieß es nach einem Treffen von Entwicklungsminister Dirk Niebel, Bill Gates und Vertretern der deutschen Wirtschaft am Dienstag in Berlin. Nichtstaatliche Organisationen äußerten massive Kritik an der Initiative, die zu sehr den Interessen der Agroindustrie diene.

Wie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mitteilte, stammen von den Zusagen rund 20 Millionen Euro vom BMZ und rund 20 Millionen Euro von der Bill & Melinda Gates Stiftung. Die deutsche, europäische und internationale Wirtschaft habe zudem rund 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt. "Zwei Milliarden mangelernährte Menschen weltweit sind ein Skandal", erklärte Niebel. "Gerade Mangelernährung im Kindesalter führt zu dauerhaften Schäden. Deshalb bündeln wir gemeinsam mit Bill Gates und der Wirtschaft die Kräfte gegen den Hunger in der Welt."

Liam Condon, Vorstandsvorsitzender der Bayer CropScience AG, betonte stellvertretend die Bereitschaft der an dem Treffen beteiligten Unternehmen, mit ihrer Expertise, Know-how und finanziellen Ressourcen zur Ernährungssicherheit auf globaler Ebene beizutragen: "Bayer CropScience etwa unterstützt eine nachhaltige Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft weltweit durch verstärkte Investitionen in Forschung und Entwicklung. Dazu zählt außerdem insbesondere die gezielte Förderung von Kleinbauern sowie Engagement in langfristigen Public-Private-Partnerships."

Dazu vereinbarten das BMZ und die Unternehmensvertreter der "German Food Partnership" die gemeinsame Förderung der Produktion von wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln oder Reis, etwa im Rahmen der "Asian German Better Rice Initiative" (AGBRI). Gleichzeitig solle der Nährwert dieser Grundnahrungsmittel gesteigert werden.

Das BMZ intensiviert zudem seine Partnerschaft mit der Gates-Stiftung. Beide Organisationen arbeiten in der Ernährungssicherung zusammen, um die Produktivität in der Landwirtschaft für Kleinbauern zu steigern und die Ernährung ihrer Familien zu verbessern. "Ich begrüße die Führungsrolle, die Deutschland für die globale Entwicklung einnimmt", sagte Bill Gates. "Die Entwicklungsinvestitionen und Partnerschaften mit der Privatwirtschaft haben dabei geholfen, viele erfolgreiche Programme zu finanzieren und Millionen Menschen aus Hunger und Armut zu holen. In den letzten fünfzehn Jahren haben wir einen großen Fortschritt gesehen, die Zahl der Menschen in absoluter Armut hat sich halbiert. Durch das Setzen klarer Ziele, wie eines globalen Produktivitätsziels in der Landwirtschaft, können wir weiterhin wirklichen Fortschritt leisten und Leben retten."

Liam Condon betonte: "Die an der "German Food Partnership" beteiligten Unternehmen stimmen darin überein, dass die aktuellen Herausforderungen nur durch langfristige Kooperationen und ganzheitliche Ansätze zu bewältigen sind." Als Beispiele nannte Condon die "New Vision for Agriculture" und den kürzlich von Bayer CropScience vorgestellten Fünf-Punkte-Plan für eine "Grünere Revolution".

Gleichzeitig initiierte das BMZ im Austausch mit Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Partnerorganisationen einen Prozess, um Richtlinien zur Zusammenarbeit mit der Agrar- und Ernährungswirtschaft zu formulieren. Die Gates Foundation hat laut BMZ Zuschüsse bereitgestellt, um internationale Richtlinien für eine angemessene und verantwortliche Marketingpraxis zu entwickeln und messbare Benchmarks zu schaffen, mit denen das Verhalten von Unternehmen der Ernährungs- und Getränkeindustrie bewerten werden kann, so dass der Zugang zu guter Ernährung verbessert wird.

Bereits am 6. April 2011 hatte das BMZ mit der Bill & Melinda Gates Stiftung eine Vereinbarung zur engeren Zusammenarbeit getroffen. Das "Memorandum of Understanding" umfasst die Bereiche ländliche Entwicklung, Gesundheit, Trink- und Abwasser, Stadtentwicklung sowie Mikrofinanzen. Basierend auf dieser Vereinbarung setzen BMZ und die Gates Stiftung Projekte in Entwicklungsländern um.

Die "German Food Partnership" ist ein Bündnis von etwa 35 deutschen und europäischen Unternehmen und Verbänden, die unter Schirmherrschaft des BMZ einen konzertierten Einsatz zur Förderung der Agrar- und Ernährungswirtschaft in den Kooperationsländern des BMZ leisten. Sie wurde im Juni 2012 gegründet. "Die Wirtschaft", so das BMZ, "konkretisiert in diesem Bündnis ihre Selbstverpflichtung zur Erreichung der Millenniumsziele und unterstützt ein nachhaltiges Wachstum der Agrarwirtschaft unter Berücksichtigung der Belange von kleinbäuerlichen Familien, Umwelt und im Einklang mit den nationalen Strategien der Partnerländer".

Oxfams Agrarexpertin Marita Wiggerthale erklärte, für die Hungerbekämpfung sei entscheidend, wie die angekündigten Gelder eingesetzt werden. "Die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern müssen von vornherein mitreden können. Eine vom Agrobusiness vorangetriebene industrialisierte Landwirtschaft ignoriert die Bedürfnisse der Mehrheit der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und schadet der Umwelt. Der großflächige Verkauf bzw. die Verpachtung von Land an Unternehmen zeigt, wie entwicklungsschädlich Investitionen in die Landwirtschaft sein können, wenn Menschen ihr Zugang zu Wasser und Land genommen wird."


Oxfam forderte Entwicklungsminister Niebel und Microsoft-Gründer Bill Gates auf, angesichts knapper werdender Ressourcen und einer hohen Zahl an hungernden Menschen auf eine ökologisch nachhaltige, kleinbäuerliche Landwirtschaft zu setzen. "Es kommt nicht in erster Linie darauf an, mehr Lebensmittel zu produzieren, sondern den Landlosen sowie den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern Zugang zu Land und anderen Ressourcen für die eigene lokale Grundnahrungsmittelproduktion zu ermöglichen."

Die Menschenrechtsorganisation FIAN erklärte, mit seinem "CEO Roundtable" setze Niebel "ein weiteres Zeichen für die Umstrukturierung des Entwicklungsministerium hin zu einer Interessensvertretung der deutschen und internationalen Agrarindustrie". 

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO stürben jährlich etwa 355.000 Menschen durch von Pestiziden verursachte Vergiftungen, zwei Drittel davon im Globalen Süden. Knapp ein Drittel aller Agrargifte weltweit stammten aus dem Hause Bayer und der ebenfalls in der "German Food Partnership" vertretenen BASF.

Thilo Hoppe, Sprecher für Welternährung der grünen Bundestagsfraktion, sieht in dem Bündnis "mehr Risiken als Chancen, weil es einseitig auf Steigerung der Agrarproduktion zielt und Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ausblendet. In blinder Fortschrittsgläubigkeit wird dabei auch auf gentechnisch manipuliertes Saatgut gesetzt."

Alle Anhörungen im Deutschen Bundestag hätten jedoch ergeben, dass Gentechnik keinen Beitrag zur Überwindung des Hungers leiste, sondern - ganz im Gegenteil - gerade Kleinbauern in den Entwicklungsländern in neue Abhängigkeit von Saatgutkonzernen und in die Schuldenspirale treibe, betonte Hoppe. "Mit ökologisch nachhaltigen Anbaumethoden und konventionell weiterentwickeltem traditionellen Saatgut lassen sich die Erträge der Kleinbauern verdoppeln - und zwar zu deutlich geringeren Kosten als wenn sie jedes Jahr aufs Neue Saatgut, Stickstoffdünger, Insektizide und Pestizide von Monsanto, Bayer und Co kaufen müssen."

Statt neue Absatzmärkte für große Agrarunternehmen zu erschließen, so Hoppe weiter, sollte die Bundesregierung endlich den Empfehlungen des Weltagrarberichts (IAASTD) folgen und vor allem die Kleinbauern in den Entwicklungsländern darin unterstützen, auf nachhaltige Weise mehr Nahrungsmittel anzubauen. Hinter den skandalös hohen Hungerzahlen stecke aber vor allem ein Gerechtigkeits- und Verteilungsproblem: Ungerechte Welthandelsstrukturen, Land Grabbing, ausufernde Spekulation mit Nahrungsmitteln. "Auch hier sollte die Bundesregierung ansetzen, anstatt die Profite transnationaler Unternehmen in die Höhe zu treiben", forderte Hoppe.

www.bmz.de

Tags: Hunger :: Ernährung
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 05. Februar 2013 um 17:05 Uhr
 

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