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Kenia: Zunehmende Konflikte um kostbares Wasser PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Frank Kürschner-Pelkmann   
Freitag, den 01. März 2013 um 01:00 Uhr

vieh kenia duerre irin 150In Kenia finden am 4. März Parlaments- und Präsidentschafts-Wahlen statt. Viele blicken mit Sorge auf die Zeit unmittelbar vor, während und nach den Wahlen, denn in der jüngeren Vergangenheit waren dies immer wieder Anlässe für gewaltsame Auseinandersetzungen. Wasserkonflikte spielen dabei eine wichtige Rolle - und dies besonders im trockenen Norden des Landes. Nordkenia wird nicht selten als Beispiel dafür herangezogen, dass Wasserknappheit zu Kriegen um das kostbare und knappe Gut führen kann, aber die Realität ist weit komplexer.

Der Norden Kenias leidet seit einigen Jahren unter lange anhaltenden Dürrezeiten und kürzeren Regenzeiten, deren Beginn immer weniger vorhersehbar ist. So begann die für Anfang März 2012 erwartete große Regenzeit fast einen Monat später als üblich, die Niederschläge waren enttäuschend niedrig, regional sehr ungleich verteilt und endeten Ende April etwa einen Monat früher als gewöhnlich. Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass die Wetterextreme in Ostafrika, zu denen auch kurzzeitige sintflutartige Niederschläge gehören, eine Folge des weltweiten Klimawandels sind.

Die Nomadenfamilien im Norden Kenias, die Vieh züchten, leiden besonders stark unter langen Dürren. Häufig verlieren sie in diesen Dürrezeiten einen großen Teil ihrer Herden. Dass Landwirtschaftsberater ihnen empfohlen haben, importierte Schaf- und andere Tierrassen zu züchten, die eine höhere Fleischleistung erwarten lassen, wirkt sich fatal aus, denn diese Tiere sind bei Wasser- und Nahrungsmangel wesentlich weniger widerstandsfähig als die ursprünglichen einheimischen Rassen. Die Viehzüchterfamilien können auf die drohende oder bereits begonnene Dezimierung ihrer Herden vor allem auf drei Weisen reagieren.

DER KAMPF UMS ÜBERLEBEN

Die zukunftsfähigste Form der Reaktion ist zugleich die komplizierteste: die Schaffung besserer Voraussetzungen für ein längerfristiges ökonomisches und soziales Überleben. Manche Nomadenfamilien versuchen, ihre ökonomische Basis zu verbreitern, etwa dadurch, dass Frauen beginnen, Gärten und Felder anzulegen und teilweise sesshaft werden. Ebenso gibt es Initiativen, die Viehzucht nachhaltiger zu betreiben und mehr für die Erhaltung der natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden zu tun. Die Nomaden können überzeugend argumentieren, dass in großen Teilen Kenias die extensive Viehzucht (neben den Nationalparks) die einzige zukunftsfähige Form der Nutzung der Savannen darstellt.

Aber diese Lebensweise ist bedroht, und dies nicht zuletzt durch den Klimawandel. Paul ole Lenges, der für die lokale Nichtregierungsorganisation ECDO die Veränderungsprozesse der Nomadenbevölkerung unterstützt, äußerte letztes Jahr gegenüber der Nachrichtenagentur IPS: "Viehzüchtergemeinschaften lieben ihre Kultur, aber wenn es einen Faktor gibt, der sie zwingt, sich einer veränderten Realität anzupassen, ist es der Klimawandel. Dürren bedeuteten, dass man nicht genug Weideflächen für große Viehherden hat. Man muss sie entweder verkleinern oder sich eine andere Tätigkeit suchen ... Während dieser Anpassungsprozesse brauchen diese Gemeinschaften fachliche Beratung und Hilfe, um eine nachhaltige Lebensgrundlage zu erhalten."

Parallel zu solchen Anpassungsmaßnahmen müssen die Viehzüchter versuchen, Einfluss auf die in Gang gekommene Landreform in Kenia zu nehmen, damit Rechte an kommunalem Land gewahrt werden. Da aber zahllose kenianische Politiker skrupellos und brutal immer mehr Land zu ihrem Privateigentum machen, ist die politische Unterstützung für solche Bestrebungen minimal.

So verwundert es nicht, dass sich die Viehzüchterfamilien nicht allein auf solche vielleicht langfristig erfolgreichen Konzepte verlassen, sondern erst einmal bemühen trotz schrumpfender Herden zu überleben. Sie können versuchen, Vieh von anderen Nomadengruppen zu stehlen. Das hat eine lange Tradition in der Region und führte schon früher zu Gewalt. Aber in den letzten Jahren sind moderne Waffen im Norden Kenias in großer Zahl verfügbar und werden weiterhin in großen Mengen aus Nachbarländern wie Somalia importiert. Konflikte um Vieh, die nicht mit Speeren, sondern mit Kalaschnikows ausgetragen werden, fordern inzwischen sehr viel mehr Todesopfer.

Solche Waffen kommen auch in Zusammenhang mit der zweiten Überlebensstrategie der Nomadenfamilien zum Einsatz. Auf der Suche nach Futter und Wasser für ihre darbenden Tiere ziehen die Viehzüchter weiter nach Süden und stoßen hier auf die sich ständig ausdehnenden Felder der Ackerbauern (verursacht u.a. durch ein hohes Bevölkerungswachstum und eine Ausweitung des Anbaus von Exportprodukten). Noch am wenigsten Konfliktstoff entsteht, wenn die Herden auf abgeernteten Feldern grasen. Aber nicht selten werden sie auch von den leckeren Maispflanzen oder vom Gemüse nebenan angelockt, und spätestens dann drohen gewaltsame Konflikte.

Auseinandersetzungen entstehen auch dadurch, dass den Viehzüchtern der traditionelle Zugang zu Flüssen immer mehr verbaut wird, weil sich dort die Bewässerungslandwirtschaft ausgedehnt hat. Ihre traditionellen Weide- und Zugangsrechte helfen den Nomaden wenig, wenn die neuen Landnutzer ihre staatlich ausgestellte Eigentumsurkunden vorweisen können. Die Nomaden sehen sich immer stärker als Verlierer der Privatisierung des Landes und werden an den Rand der Gesellschaft und des Wirtschaftslebens gedrängt. Sie reagieren nicht selten mit Gewalt auf diese Situation. Umgekehrt fürchten die Bauernfamilien, dass ihre Felder zerstört und die Geltendmachung ihrer Ansprüche von den Nomaden mit Gewalt beantwortet werden und greifen ihrerseits zur Waffe.

ACKERBAUERN, VIEHZÜCHTER UND DIE VERSCHWENDUNG VON WASSER

Dort, wo Flüsse oder mit Pumpen gut nutzbare Grundwasservorkommen eine Bewässerungslandwirtschaft erlauben, wird diese in Kenia stark ausgeweitet, weil sie unabhängig macht von Regenzeiten und weil sie höhere Erträge besonders für den Anbau von Exportprodukten ermöglicht. Der Regenfeldbau erscheint hingegen als anfällig für unvorhersehbare Wetterverhältnisse wie ausbleibende oder sehr spät einsetzende Regenzeiten. Zudem gilt der Regenfeldbau als "rückständig" im Vergleich zur "modernen" Bewässerungslandwirtschaft. Es gibt allerdings eine zunehmende Zahl von ökologisch bewussten Landwirtschaftsfachleuten in Afrika, die vor den Konsequenzen einer solchen Bevorzugung der Bewässerungslandwirtschaft warnen, vor allem vor dem gewaltigen Verbrauch an Grund- und Oberflächenwasser. Dieser Verbrauch ist zudem meist weit höher als erforderlich, weil wenig effiziente Bewässerungsmethoden verwendet werden, etwa die Überflutung der Felder.

Und je knapper das Wasser ist, desto verbissener wird der Kampf um die verbliebenen Wasserressourcen ausgetragen. Dass Ackerbauern und Nomaden meist unterschiedlichen ethnischen Gruppen angehören, hat dazu geführt, dass die Konflikte und Kämpfe auf der Grundlage der ethnischen Zugehörigkeit ausgefochten werden. Ein Beispiel sind die Auseinandersetzungen zwischen dem Ackerbauernvolk der Pokomo und dem Hirtenvolk der Orma am Tanafluss, die 2012 viele Toten und die Vertreibung von Tausenden Menschen verursacht haben. Nicht selten sind bei solchen Auseinandersetzungen alle Angehörigen einer ethnischen Gruppe aus ihren Heimatgebieten vertrieben worden und trauen sich nun nicht dorthin zurück, wo sie Verfolgung und Mord fürchten.

Immer wieder wird Gewalt eingesetzt, um solche Vertreibungen durchzusetzen. Aber jede "erfolgreiche" Vertreibungsaktion löst Revancheaktionen aus. Es wird geschätzt, dass 2012 etwa 400.000 Angehörige von Nomadenfamilien als "Internally Displaced People" außerhalb ihrer angestammten Weidegebiete lebten. Nuur Sheekh, der an einer im Oktober 2012 veröffentlichten Studie über dieses Problem beteiligt war, äußerte gegenüber IRIN, der UN-Agentur für Nachrichten und Analysen zu humanitären Themen, zu den Ursachen dieser Vertreibungen: "Im Falle der Viehzüchter können die Ursachen von Gewalt und Konflikten über Weideland und Wasserressourcen bis zu Konflikten zwischen Ethnien über diese Ressourcen sowie politisch-ökonomische Ressourcen reichen, bei denen politische Fragen eine grundlegende Rolle spielen."

Er fügte hinzu: "Weil Regierungen dazu tendiert haben, den Lebensraum der Viehzüchter wirtschaftlich und bei der Gewährleistung von Sicherheit zu vernachlässigen, haben viele Viehzüchter sich bewaffnet, um ihre Gemeinschaft zu schützen." Darauf antworten Polizei und Armee häufig mit brutaler Gewalt und dies besonders in den Grenzregionen zu Somalia, wo eine Verbindung der Nomaden zu radikalen Kräften im Nachbarland vermutet wird.

WENN POLITIKER DIE KONFLIKTPARTEIEN AUFEINANDER HETZEN

Verschärft wird all dies dadurch, dass skrupellose Politiker diese Konflikte ausnutzen, um die Angehörigen ihrer eigenen Ethnie um sich zu scharen und gegen das benachbarte Volk aufhetzen. Nicht selten beschaffen diese Politiker auch die Waffen, die zur Vertreibung von Angehörigen des anderen Volkes eingesetzt werden. Das erhöht die Unterstützung für diese Kandidaten in der eigenen Ethnie und hat schon häufig die Wiederwahl von Parlamentsabgeordneten sichergestellt.

Professor Josaphat Mwatela von der Polytechnischen Hochschule Mombasa wirft den Politikern vor, dass sie vor Wahlen große Versprechungen für die Schaffung neuer Arbeitsplätze machen, diese aber nicht erfüllen und für eine Wiederwahl dann "Hass und Hoffnungslosigkeit in der Wählerschaft säen". Ein Ergebnis ist, dass viele Jugendliche am Ende so verzweifelt sind, dass sie sich einer der bewaffneten Gruppen anschließen.

Es wäre also verfehlt, die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Kenia als "Wasserkriege" zu bezeichnen, aber das kann nicht beruhigen. Gerade weil diese Konflikte komplexe Ursachen und Auswirkungen haben, ist es so schwierig, Lösungen zu finden.

Ein Ziel muss es sein, Wasser zu einem deeskalierenden Faktor zu machen, und dafür ist ein Bündel von aufeinander abgestimmten Maßnahmen erforderlich. Wichtig sind zum Beispiel die Einführung wassereffizienter Formen der Bewässerungslandwirtschaft und die Verhinderung von deren Ausweitung in Regionen mit Wasserstress und auf Flächen, die traditionell von Viehzüchtern genutzt werden. Ebenso müssen die Viehzüchterfamilien darin unterstützt werden, ihr Weideland und ihre Wasserressourcen nachhaltig zu nutzen und zu bewahren. Zugleich hat die Regierung eine Verantwortung dafür, besonders für junge Leute im Norden Kenias neue Arbeitsplätze jenseits von Ackerbau und Viehzucht zu schaffen, um Perspektiven außerhalb wasserintensiver Wirtschaftszweige entstehen zu lassen.
 
Es gibt viele weitere erfolgversprechende Maßnahmen, aber Erfolg werden sie nur haben, wenn verantwortungsbewusste Politiker gewählt werden, die mehr im Blick haben als die Vergrößerung der eigenen Machtbasis und des eigenen Vermögens. Die bevorstehenden Wahlen sind in dieser Hinsicht "Schicksalswahlen" für Kenia. Schon im letzten Jahr haben prominente Kirchenführer die kenianischen Wähler in einer gemeinsamen Erklärung aufgefordert, "alle Versuche von Politikern zurückzuweisen, sie gegeneinander aufzuhetzen, und jene politischen Führer zu verurteilen und anzulehnen, die ethnische Emotionen anfachen".

Foto: Totes Vieh nach einer Dürre in Kenia © Ann Weru/IRIN

Frank Kürschner-Pelkmann arbeitet als freier Journalist und betreibt u.a. die Website www.wasser-und-mehr.de.

Tags: Kenia :: Wasser
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 11. März 2013 um 11:44 Uhr
 

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