gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) befürchtet noch mehr Gewalt islamistischer Extremisten gegen Kopten in Libyen nach der Hinrichtung von 21 entführten Christen durch Kämpfer des "Islamischen Staates (IS)". "Die Kopten werden zum Spielball in einem tödlichen Machtkampf zwischen Ägypten und IS-Terroristen", erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Montag in Göttingen.

Die Kopten seien die Verlierer in diesem Kampf und müssten nun in Libyen und auch in Ägypten um ihr Leben fürchten, sagte Delius. Denn der IS werde sich für jeden Luftangriff der ägyptischen Luftwaffe mit neuen Terroranschlägen und Entführungen von Angehörigen der christlichen Minderheit rächen. "Um ihren Glauben geht es bei dieser Gewalt nicht, sondern IS will Ägyptens militärisches Engagement gegen radikale Islamisten in Libyen und auf der Sinai Halbinsel medienwirksam abstrafen. Mit jedem Anschlag auf Kopten ist den islamistischen Gewalttätern internationale Aufmerksamkeit gewiss."

Mehrfach hatte die GfbV in den letzten Wochen auf das Schicksal der nun ermordeten Kopten aufmerksam gemacht. Die Angehörigen der Minderheit waren am 30. Dezember 2014 und am 3. Januar 2015 in der von Islamisten kontrollierten Stadt Sirte entführt worden. So wurden acht Personen Ende Dezember an einer Straßensperre verschleppt, als sie Sirte verlassen wollten. Eine andere Gruppe von 13 Christen wurde von bewaffneten Kämpfern nachts aus ihren Wohnungen verschleppt. Weiteren zehn Christen gelang die Flucht vor den Entführern und sie alarmierten die Angehörigen der Verschleppten. Am 12. Januar hatten die Entführer Fotos der Verschleppten veröffentlicht. Mindestens 13 der Opfer stammten aus der Stadt Samalut City im Bezirk Minya in Mittelägypten.

Die Regierung Ägyptens hatte sich laut GfbV in den letzten Monaten mit Luftangriffen massiv im Machtkampf in Libyen eingeschaltet und die anti-islamistischen Kräfte unterstützt. Auch hatte Ägypten der nach Tobruk geflohenen libyschen Regierung Militärflugzeuge überlassen, um islamistische Milizen wirksamer zu bekämpfen. Zugleich verschärfte Kairo im eigenen Land auf der Sinai-Halbinsel den Kampf gegen islamistische Gruppen. Ägypten werde damit immer mehr zum Feindbild des IS, der mit seinen Übergriffen auf koptische Christen versuche, Ägyptens Staatspräsident Abd al Fattah as Sisi im eigenen Land und im Ausland zu kompromittieren.

Es ist nicht der erste Übergriff auf Kopten in Libyen. Am 23. Dezember 2014 wurden in Sirte der koptische Arzt Magdy Sobhy Tawfiq und seine Ehefrau Sahar Talaat Rizk von mutmaßlichen Islamisten ermordet. Ihre 13 Jahre alte Tochter Catherine wurde entführt, vergewaltigt und ebenfalls ermordet. Ihre zwei jüngeren Schwestern im Alter von neun und zehn Jahren blieben unbehelligt. Tawfiq arbeitete seit dem Jahr 2001 in Sirte als Arzt. Im Februar 2014 waren sieben Kopten nahe der Stadt Benghazi regelrecht exekutiert worden. Auch kam es mehrfach zu Übergriffen von Islamisten auf koptische Kirchen, so dass viele Kopten aus Angst um ihr Leben das Land verließen.

Vor dem Sturz des Gaddafi-Regimes lebten rund 1,5 Millionen ägyptische Migranten in Libyen. Unter ihnen waren auch tausende Kopten. Heute leben nur noch rund 40.000 Ägypter in Libyen.

Quelle: www.gfbv.de 


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