Mainz. - In Simbabwe hat eine Großwildjagdfarm eines deutschen Unternehmers offenbar von deutschen Entwicklungshilfe-Geldern profitiert. Das geht aus einer Anfrage der Fraktion "Die Linke" im Bundestag sowie Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" hervor. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) habe 2012 bis 2014 Mittel in Höhe von mehreren hunderttausend Euro zur Verfügung gestellt, um die Umsiedlung von mehr als tausend Wildtieren aus einem privaten Schutzgebiet sowie Maßnahmen zum Wildtiermanagement im privaten Schutzgebiet zu finanzieren.

Das Schutzgebiet namens "Sango" gehört laut "Report Mainz" dem deutschen Unternehmer Wilfried Pabst, der u. a. in mehreren afrikanischen Ländern Minen betreibe. Auf "Sango" könnten Touristen Jagdsafaris durchführen. Gejagt werden nach Aussagen des Unternehmers im Interview mit "Report Mainz" u. a. Löwen, Leoparden, Giraffen, Elefanten und Flusspferde. Am entwicklungspolitischen Nutzen dieses Projektes werden nach den Recherchen von "Report Mainz" nun erhebliche Zweifel laut.

Der Obmann der Linken im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Niema Movassat, stellte eine kleine Anfrage zu diesem Thema an die Bundesregierung. Gegenüber "Report Mainz" sagt er über dieses Projekt: "Es sticht schon als besonders absurd heraus, weil die meisten Entwicklungsprojekte, die man so kennt, die kommen ärmeren Menschen zugute, ärmeren Gemeinden zugute. Hier aber kommt das Projekt vor allem einem deutschen Multimillionär zugute."

Nach Recherchen von "Report Mainz" gab es auch von Mitarbeitern in der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) massive Kritik an der Durchführung des Projekts. Das BMZ räume diesen Sachverhalt auch in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken ein. Wörtlich heiße es daraufhin jedoch: "Im Verlauf des Vorbereitungsprozesses konnten diese Fragen jedoch unter Beteiligung der zuständigen Führungskraft geklärt werden." (Drucksache 18/5167). Das Projekt wurde also dennoch durchgeführt.

Gegenüber "Report Mainz" rechtfertigte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Entwicklungshilfe folgendermaßen: "Bei der Sango (...) Conservancy handelt es sich um ein privates Schutzgebiet mit touristischer und jagdlicher Nutzung, das auch dem Schutz der Natur dient und damit zugleich den Schutz der Wildtiere vor Wilderern ermöglicht. Beides ist entwicklungspolitisch sinnvoll."

Movassat bezweifelt dies und fordert im Interview mit "Report Mainz" eine grundsätzliche Überprüfung des Projekts: "Deshalb müsste hier auf jeden Fall der Bundesrechnungshof sich das ganze Projekt mal anschauen und prüfen, inwiefern hier Standards verletzt wurden und Gelder möglicherweise rechtswidrig ausgegeben wurden."

Der Unternehmer Wilfried Pabst, dem die Großwildjägerfarm gehört, weist im Interview mit "Report Mainz" alle Vorwürfe zurück. Wörtlich sagt er: "Das ist natürlich völliger Unsinn. Wissen Sie, die Linke-Fraktion hat aus meiner Sicht wie die Grünen das Problem, dass sie Afrika nicht verstehen." Seine Investitionen in die Farm seien in ökologische Projekte geflossen und kämen Simbabwe zugute. Er habe von den Entwicklungsgeldern nicht persönlich profitiert.

Quelle: www.reportmainz.de 


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