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Berlin. - Erstmals klagt ein von den Risiken des Klimawandels Betroffener gegen ein Unternehmen in Europa. Der Peruaner Saúl Luciano Lliuya hat am Dienstagvormittag mit seiner Rechtsanwältin Dr. Roda Verheyen (Kanzlei Günther, Hamburg) beim Essener Landgericht Klage gegen den Energiekonzern RWE eingereicht.

Saul Luciano fürchtet um seine von einer möglichen Flutwelle bedrohte Heimatstadt Huaraz. Der Essener Konzern, so die Argumentation, sei maßgeblich mitverantwortlich für das Abschmelzen der Andengletscher und die dadurch entstehende Bedrohungslage für sein im Gebirgstal gelegenes Haus. RWE solle sich an der Finanzierung von Schutzmaßnahmen an dem durch die Gletscherschmelze wachsenden Gebirgssee oberhalb der Stadt beteiligen - und zwar in einer Größenordnung, die dem Anteil des Energiekonzerns an der Verursachung des globalen Klimawandels entspricht.

RWE bezeichnet sich selbst laut Germanwatch als der größte CO2-Einzelemittent in Europa. Saúl Luciano Lliuya fordert, dass RWE den gerechten Anteil der Kosten für die für Huaraz erforderlichen Schutzmaßnahmen übernehmen soll. Es geht um knapp 20.000 Euro. RWE hatte nach Angaben von Germanwatch Ende April ein dahingehendes Anspruchsschreiben abgelehnt. Die Klage ist daher der nächste Schritt.

Der Weltklimarat IPCC führt die Gletscherschmelze in den Anden auf den Klimawandel zurück. Der Gletschersee Palcacocha, der einige Kilometer oberhalb der Stadt liegt, ist allein seit 2003 um mehr als das Vierfache angewachsen, berichtete Germanwatch. Durch den Klimawandel steige auch das Risiko, dass sich große Eisblöcke von den Gletschern lösen und in den See stürzen. Dann würde eine verheerende Flutwelle in den unteren besiedelten Gebieten drohen.

Luciano Lliuya’s Anwältin Dr. Roda Verheyen spricht von einem Präzedenzfall. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch berät auf Wunsch von Saúl Luciano diesen bei seinem Anliegen.

"Wir unterstützen die Forderung von Saúl Luciano Lliuya", sagte Klaus Milke, Vorsitzender von Germanwatch. "Wenige Tage vor dem Pariser Klimagipfel geht von der Klage gegen RWE ein wichtiges Signal an die Energiebranche und an die Politik aus: Die Emissionen müssen sinken, damit nicht immer mehr Menschen vom Klimawandel bedroht werden. Und die Verursacher von Risiken müssen auch die Kosten für den Schutz der davon betroffenen Menschen übernehmen." Germanwatch betrachte es nicht als eine Dauerlösung, dass sich alle - häufig sehr armen - Betroffenen an Gerichte wenden müssen. "Es muss letztlich eine politische Lösung geben, um die Verursacher in die Pflicht zu nehmen", so Milke.

Foto: © Germanwatch - Saúl Luciano Lliuya vor dem Gletschersee Palcacocha

Quelle: www.germanwatch.org 


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