gfbv 200Göttingen. - Nach dem gewaltsamen Tod von 14 Menschen bei einem Überfall von Fulani-Nomaden auf ein Bauerndorf in Zentralnigeria in der Nacht zum Montag hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der nigerianischen Regierung Versagen bei der Eindämmung der Gewalt vorgeworfen. "Alle reden von Boko Haram und der Gewalt islamistischer Extremisten im Nordosten des Landes. Doch für mehrere Dutzend Millionen Nigerianer wirkt der Fulani-Konflikt viel bedrohlicher als die Boko-Haram-Krise", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen.

"Dringend muss Nigerias Staatspräsident Muhammadu Buhari endlich nach Lösungen für den Fulani-Konflikt suchen, statt die Krise auszusitzen und die bedrängten Bauern schutzlos zu lassen." Seit Januar 2015 kamen nach GfbV-Angaben bei Überfällen von Fulani-Nomaden in Zentral-Nigeria mindestens 523 Menschen zu Tode.

Zuletzt wurde das Dorf Kwata im nigerianischen Bundesstaat Plateau von bewaffneten Fulani angegriffen. Sie drangen in sechs Häuser ein und töteten die Bewohner. Flüchtende wurden erschossen. Die meisten Opfer sind Frauen und Kinder. Die christlichen Dorfbewohner waren bereits vor dem Überfall von den muslimischen Fulani schriftlich gewarnt worden, sie würden keine ruhige Adventszeit erleben, berichtete die GfbV.

Die bäuerliche Bevölkerung in den Agrarregionen Zentralnigerias lebe in ständiger Furcht vor neuen Übergriffen der Nomaden, denen laut GfbV auch Vergewaltigungen und Entführungen vorgeworfen werden. Der seit Ende des Jahres 2012 eskalierenden Gewalt liege ein Streit um Ressourcen und Weideland auch bedingt durch den Klimawandel zugrunde. Neben diesen wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren werde die Gewalt von den überwiegend christlichen Bauern auch als gezielter Übergriff auf Christen verstanden. Hilferufe der ländlichen Bevölkerung wurden nach Ansicht der GfbV von der Regierung bislang weitestgehend ignoriert. Nigerias berühmter Menschenrechtsanwalt Femi Falana drohte der Regierung deshalb jüngst mit einem Gerichtsverfahren wegen Untätigkeit, berichtete die GfbV.   

Eine nachhaltige Lösung der Krise müsse eine stärkere Förderung von Weideland und Landwirtschaft in Nord-Nigeria umfassen, fordert die GfbV. So müssten dort verstärkt neue Weideflächen angelegt und bewässert werden, damit Fulani-Nomaden nicht länger gezwungen sind, ihre Viehherden nach Süden auf die von christlichen Bauern bewirtschafteten Agrarflächen zu treiben. Auch müssten mehr Schlachthöfe und Tierkliniken im Norden Nigerias errichtet werden, um Arbeitsplätze zu schaffen und die von Nomaden geprägte Wirtschaft zu stärken. Schließlich müssten im Zentrum des Landes die Bauern besser vor Übergriffen geschützt und auf lokaler Ebene Friedensbemühungen zwischen den verfeindeten Gemeinschaften gezielt gefördert werden.  

Quelle: gfbv.de


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