World VisionBerlin. - Durch Auswirkungen von Klimaveränderungen und Wetterextremen werden die Rechte vieler Kinder schwer verletzt. Darauf hat die Kinderhilfsorganisation World Vision bei der Vorstellung ihres Jahresberichts am Donnerstag in Berlin aufmerksam gemacht. "El Niño ist die größte Wetter-Katastrophe, mit der wir je zu tun hatten, wird im Verhältnis zu anderen Katastrophen aber zu wenig beachtet", erklärte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland.

"Das Leben und die Zukunft von Millionen Kindern sind bedroht", sagte Waffenschmidt. "Kinder haben ein Anrecht auf eine intakte und gesunde Umwelt." Sowohl in der UN-Kinderrechtskonvention, als auch im Grundgesetz (Artikel 20a) seien entsprechende Rechte verankert.

Mindestens 60 Millionen Menschen weltweit, davon etwa die Hälfte Kinder, kämpfen laut World Vision aktuell mit den Folgen von Dürre oder Überschwemmungen, die das Wetterphänomen El Niño hervorgerufen hat. Mehrere Ernten seien in vielen Regionen zerstört. In neun Ländern des südlichen Afrika hat eine Gruppe von Hilfsorganisationen, einschließlich World Vision, die Situation der Kinder analysiert. Der aktuelle Bericht zeigt, dass nicht nur die Gesundheit der Kinder unter Nahrungs- und Wassermangel sowie wachsender Armut leidet. Viele Kinder gehen nicht mehr zur Schule und müssen arbeiten, zunehmend auch außerhalb ihrer Heimatorte. Auf der Suche nach Nahrung verlassen Eltern ihre Familien. Konflikte um Ressourcen nehmen zu und zwingen mehr Menschen zur Flucht.

"Da die Auswirkungen klimabedingter Katastrophen so weitreichend sind, brauchen wir Informationen und Fördermechanismen, die frühes Eingreifen ermöglichen", betonte Waffenschmidt. World Vision gebe seinen Entwicklungsprojekten die Freiheit, bis zu 10 Prozent des Projektbudgets für Katstrophenhilfe zu verwenden. Auf Kinderschutzmaßnahmen dränge World Vision ebenfalls. Die Organisation konnte inzwischen rund drei Millionen Menschen helfen, die von El Niño akut betroffen waren oder sind. Darüber hinaus arbeite das weltweite Netzwerk an Strategien und großen Gemeinschaftsprojekten zur Stärkung der lokalen Vorsorge und der Absicherung der Lebensgrundlagen, etwa durch Mikroversicherungen, Spareinlagen oder auch Agroforstwirtschaft. Die Bundesregierung sei hierbei ein wichtiger Partner, etwa in Somalia.

Mehr Regierungen müssten arme Länder darin unterstützen, früh auf große Krisen reagieren zu können und in den Klimaschutz zu investieren. "Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, ihre Zusagen, die sie auf der Pariser Klimakonferenz getroffen haben, dringend umzusetzen, damit Kinder auch in den kommenden Jahren eine Zukunft haben. Entwicklungszusammenarbeit und Klimaschutz gehören zusammen. Im Rahmen der Genfer Flüchtlingskonvention müssen auch unmenschliche Klimabedingungen in einem Land als Asylgrund aufgenommen werden."

EINNAHMEN ERREICHTEN HÖCHSTEN STAND

Die weltweite Arbeit der föderal organsierten Kinderhilfsorganisation hat im vergangenen Jahr rund 41 Millionen Kinder in 99 Ländern unterstützt. 115 Kriseneinsätze erforderten ein regionales oder internationales Engagement. Insgesamt stand der Organisation ein Budget von 2,5 Milliarden Euro zur Verfügung. "Durch unsere Nähe zu den Menschen und die internationalen Strukturen sind wir gut aufgestellt, um professionell und partnerschaftlich auf neue Herausforderungen zu reagieren", beschrieb Vorstand Christoph Hilligen die Rahmenbedingungen der Arbeit.

World Vision Deutschland e.V. hat sich mit 300 Projekten in 50 Ländern engagiert. 10,6 Millionen Menschen wurden mit Entwicklungsprogrammen, Katastrophenvorsorge oder Nothilfen erreicht. Als neue Einsatzländer kamen Nepal (Hilfe nach dem Erdbeben) und Serbien (Hilfe für Flüchtlinge auf der Balkanroute) hinzu. "Seit 2015 engagieren wir uns außerdem erstmals in Deutschland für geflüchtete Kinder", berichtete Hilligen. Die Projekte förderten den Spracherwerb, Spielangebote und psychosoziale Beratung sowie die Unterbringung unbegleiteter Minderjähriger in Gastfamilien.

Die Einnahmen von World Vision Deutschland erreichten mit 91,6 Millionen Euro einen Höchststand. Diese setzten sich zu 74,4 Prozent aus privaten Spenden und zu 19,1 Prozent aus öffentlichen Zuschüssen zusammen. Die öffentlichen Mittel seien im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent gestiegen und wurden vor allem für Projekte in Somalia, im Sudan, im Irak und für die Syrien-Hilfe eingesetzt.

Zusätzlich zum Jahresbericht hat World Vision Deutschland seinen zweiten Wirkungsbericht vorgelegt. Dieser Bericht erläutert die Methoden der Wirkungsmessung und wertet die Daten zu 29 evaluierten Projekten aus. Exemplarisch werden positive und negative Trends bei der Ernährung, Gesundheit und Grundbildung von Kindern erläutert. Es werde deutlich, wie komplex Wirkungszusammenhänge in der Entwicklungszusammenarbeit sind, so World Vision. Einflüsse durch politische Krisen oder auch Naturkatastrophen würden ebenfalls sichtbar. Neu ist ein Kapital über die Nachhaltigkeit von Entwicklungserfolgen, die in zwei Regionen überprüft wurde.

Quelle: www.worldvision.de 


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