gfbv 200Göttingen. - Nach dem Mord an einem Albino-Kind in Malawi hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag einen wirksameren Schutz von Menschen mit Albinismus in afrikanischen Ländern gefordert und gezieltere Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels mit ihren Leichenteilen verlangt.

"Vor allem im Süden und Osten Afrikas müssen Menschen mit Albinismus oft um ihr Leben fürchten, weil ihren Körperteilen rituelle Bedeutung beigemessen wird. Dringend müssen Polizei und Staatsanwaltschaft konsequenter alle Übergriffe auf Albinos ahnden und die Gewaltprävention verstärken“, erklärte der GfbV-Afrikaexperte Ulrich Delius. Am Wochenende war im südostafrikanischen Staat Malawi die Leiche eines neunjährigen Albino-Kindes gefunden worden. Es wurde von seinen eigenen Eltern ermordet, um seine Leichenteile gewinnbringend zu verkaufen. Seit November 2014 wurden in Malawi mindestens 18 Menschen mit Albinismus ermordet.

Die Familie des Jungen stammt aus dem benachbarten Mosambik. Von dort waren die Eltern mit ihrem damals noch lebenden Kind am 22. März in den Bezirk Chikwawa eingereist. Die Mutter hat nach ihrer Verhaftung gestanden, ihren Sohn mit einem vergifteten Getränk getötet zu haben. Sie wollte die Leichenteile an Menschenhändler für Ritualzwecke verkaufen. Als sich dies als schwierig herausstellte, verscharrten die Eltern die Leiche. Nun droht ihnen trotz ihres Geständnisses eine Verurteilung wegen Mordes, so die GfbV.

"Dieser jüngste Mord an Albinos ist besonders tragisch, weil die eigenen Eltern ihr Kind aus niedrigen Motiven töteten. In ländlichen Regionen sind viele verarmte Paare mit dem Umgang mit Albino-Kindern überfordert. Manche verstecken sie jahrelang unter unmenschlichen Bedingungen in ihren Hütten, um nicht von der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt zu werden", berichtete Delius. "Hier gibt es großen Handlungsbedarf, auch für die deutsche Entwicklungspolitik. Es müssen Vorurteile abgebaut und die Bildung sowie die Betreuung der Kinder und ihrer Eltern verbessert werden."

Meist werden Menschen mit Albinismus von skrupellosen Menschenhändlern getötet. So hatten zuletzt am 31. März 2017 gedungene Mörder ebenfalls im Bezirk Chikwawa versucht, den 38-jährigen Gift Notisi im Schlaf zu erdrosseln. Doch der Albino konnte sich mit Erfolg wehren. Dabei wurde er an der Hand von einer Machete verletzt. Wenige Tage zuvor war in Malawis Hauptstadt Lilongwe ein Menschenhändler festgenommen worden, bei dem Knochen eines im April 2016 beerdigten Albinos gefunden wurden. Dessen Grab war von Leichenräubern geplündert worden.    

Quelle: gfbv.de  

 


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