?rzte ohne GrenzenAmsterdam/Berlin (epo). - Frauen und Mädchen in der sudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur leiden unter anhaltender sexueller Gewalt und Vergewaltigungen. Einem Bericht der internationalen Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zufolge spiegeln die entsetzlichen Geschichten der Opfer die alltägliche Gewalt in der Region wider. Ärzte ohne Grenzen fordert die lokalen Behörden und medizinischen Institutionen in Darfur auf, eine Behandlung für die Opfer zu gewährleisten und der Stigmatisierung der vergewaltigten Frauen und Mädchen entgegenzuwirken.

Zwischen Oktober 2004 und Mitte Februar 2005 behandelten Mediziner von Ärzte ohne Grenzen knapp 500 vergewaltigte Frauen und Mädchen in Süd- und Westdarfur. Die Organisation ist überzeugt, dass diese Zahl nur einen Bruchteil der tatsächlichen Anzahl der Opfer darstellt, denn viele Frauen zögern, die Verbrechen anzuzeigen oder sich behandeln zu lassen. Vergewaltigte Frauen und Mädchen in Darfur würden oft von der Gemeinschaft ausgegrenzt und stigmatisiert, obwohl sie dringend medizinische und psychosoziale Hilfe benötigen. Einige der Opfer seien inhaftiert worden, weil sie auf Grund der Vergewaltigungen außerehelich schwanger wurden, während ihre Peiniger unbestraft davonkamen.

Mehr als 80 Prozent der rund 500 Opfer machen bewaffnete Milizen und Militärangehörige für die Vergewaltigungen verantwortlich, berichtete Ärzte ohne Grenzen. In Darfur, wie auch in anderen Konflikten, sei sexuelle Gewalt Teil der Kriegsstrategie. Die Zivilbevölkerung solle damit verunsichert und bedroht werden.

Rund 28 Prozent der behandelten Frauen berichten, dass sie mehrfach vergewaltigt wurden, entweder durch einen oder mehrere Täter. In mehr als der Hälfte der Fälle wurden die Frauen auch mit Stöcken, Peitschen oder Äxten misshandelt. Einige der Frauen waren während der Angriffe hochschwanger. Die Mehrheit gab an, dass sie außerhalb von Dörfern oder Vertriebenenlagern angegriffen wurden, während sie Wasser und Feuerholz holten. Auch Männer werden Opfer von Vergewaltigungen.

"Trotz der verheerenden Konsequenzen für die Bevölkerung erhält sexuelle Gewalt in Darfur und anderen Konflikten nicht genügend Aufmerksamkeit", sagte Ulrike von Pilar, Geschäftsführerin der deutschen Sektion von Ärzte ohne Grenzen. "Das muss sich ändern. Es ist Zeit, diese abscheulichen Verbrechen zu stoppen, die einen Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht darstellen. Täter müssen bestraft und dürfen nicht geduldet werden."

Ärzte ohne Grenzen leistet an 25 Orten in der sudanesischen Provinz Darfur Hilfe für 1,25 Millionen Vertriebene. Mehr als 180 internationale und rund 3.000 sudanesische Mitarbeiter sind im Einsatz. Durch den Bürgerkrieg in der Region sind rund zwei Millionen Menschen vertrieben worden.

Der Bericht "The crushing burden of rape. Sexual violence in Darfur" ist im Internet abrufbar unter: http://www.aerzte-ohne-grenzen.de.

 Ärzte ohne Grenzen


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