IIED-StudieLondon/Berlin (epo.de). - Die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel sind zwei- bis dreimal so hoch wie bislang von der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) geschätzt, heißt es in einer neuen Studie des Internationalen Instituts für Umwelt und Entwicklung (IIED). Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) warnt, die Industriestaaten müssten ihre CO2-Emissionen viel stärker reduzieren als bisher angenommen, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Und der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Nicholas Stern, kommt in einem neuen Buch zu dem Schluss, die notwendigen Maßnahmen seien bekannt. "Was fehlt, ist allein der politische Wille."

Das International Institute for Environment and Development (IIED) und das Grantham Institute for Climate Change am Imperial College in London halten die bisherigen Schätzungen der UN-Klimarahmenkonvention, pro Jahr müssten 170 Mrd. US-Dollar für die Anpassung an den Klimawandel ausgegeben werden, für "völlig untertrieben". Die Wissenschaftler untersuchten den Aufwand für Anpassungsmaßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei und Waldwirtschaft, im Wassersektor, in den Bereichen Gesundheit, Küstensiedlungen, Infrastruktur und natürliche Ökosysteme und befanden, die realen Kosten seien zwei- bis dreimal so hoch wie von der UNFCCC geschätzt.

Die Finanzen seien der Schlüssel bei den Verhandlungen um ein neues Klimaabkommen im Dezember in Kopenhagen", sagte IIED-Direktorin Camilla Toulmin. "Aber wenn die Regierungen mit falschen Zahlen arbeiten, könnte eine falsche Vereinbarung dabei herauskommen, die die Kosten der Anpassung an den Klimawandel nicht abdecken kann."

Kosten des Klimawandels. Quelle: IIED

Quelle: IIED/Grantham Institute

Die UNFCCC hatte die jährlichen Anpassungskosten auf 40 bis 170 Mrd. Dollar beziffert und darauf verwiesen, dies entspreche dem Dreifachen der Kosten für Olympische Spiele. Diese Schätzungen seien zu eilig zusammengestellt worden und enthielten die Kosten für die Umstellung des Energiesektors, der Industrie, des Bergbaus, des Tourismus und der Ökosystems nicht, argumentieren IIED und Grantham Institute.

In einem "Fact Sheet" hatte das UNFCCC-Sekretariat freilich darauf verwiesen, im Jahr 2030 seien 200 bis 210 Mrd. Dollar pro Jahr nötig, um die Treibhausgas-Emissionen auf den heutigen Stand zu verringern. Um den Energiesektor klimafreundlich zu gestalten, seien dann Investitionen von 432 Mrd. $ nötig.

WBGU FORDERT DRASTISCHE C02-REDUZIERUNG

Der WBGU kommt nach einem SPIEGEL-Bericht in einem Sondergutachten zu dem Schluss, die Industriestaaten müssten ihre Treibhausgas-Emissionen viel drastischer reduzieren als bislang geplant, um das Ziel, die Erderwärmung auf durchschnittlich zwei Grad Celsius zu begrenzen, noch erreichen zu können. Deutschland müsse seinen CO2-Ausstoß bis 2020 halbieren und ab 2030 einstellen.

Derzeit ist geplant, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Selbst dies wäre nur zu erreichen, wenn Milliardensummen in den Emissionshandel investiert würden - wodurch Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländer verlagert werden. Die WBGU-Wissenschaftler berechneten eine 67-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden kann, wenn der globale CO2-Ausstoß bis 2050 750 Milliarden Tonnen nicht überschreitet. Das vom Weltklimarat vorgegebene Zwei-Grad-Ziel war zuletzt auf dem G8 Gipfel im italienischen L'Aquila bestätigt worden.

POLITISCHER WILLE VORAUSSETZUNG

Nichoals Stern. Foto: Wikimedia CommonsDer britische Ökonom Nicholas Stern stellte am Freitag in Berlin sein neues Buch "Der Global Deal. Wie wir dem Klimawandel begegnen und ein neues Zeitalter von Wachstum und Wohlstand schaffen" vor. Stern hatte 2006 den nach ihm benannten "Stern-Report" vorgelegt, dessen zentrale Aussage war, dass die Kosten einer rechtzeitigen Anpassung an den Klimawandel rund ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts betragen würden. Ein Nichthandeln hätte hingegen den Verlust von mindestens 5 % des globalen Bruttoinlandsprodukts zur Folge.

In seinem neuen Werk fordert Stern, die Industriestaaten müssten beim Klimaschutz vorangehen und ihre Emissionen bis 2020 um 20 bis 40 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, bis 2050 um 80 Prozent. Nur so könnten die Schwellenländer und die Entwicklungsländer überzeugt werden, sich ebenfalls am Klimaschutz zu beteiligen. Als Verursacher der Erderwärmung müssten die Industrieländern darüber hinaus 0,3 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Bewältigung der Anpassung in den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen. Schätzungen zufolge werden 80 % der Folgekosten des Klimawandels in den armen Ländern auftreten, die am wenigsten dazu beigetragen haben.

Stern geht davon aus, die Anpassung an den Klimawandel, die notwendige Einstellung der Abholzung der Wälder und die Investitionen in klimaschonende Technologien würde ab dem Jahr 2020 rund 200 Milliarden Dollar jährlich kosten. Bei einem globalen Bruttoinlandsprodukt von 60 Billionen Dollar sollte das ein "Kinderspiel" sein, so Stern. "Wir wissen, was zu tun ist", sagte Stern. "Was fehlt, ist allein der politische Wille."

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