sig sauer 250Hamburg. - Die deutsche Waffenfirma Sig Sauer steht im Verdacht die Behörden getäuscht zu haben, um illegal Pistolen in das Bürgerkriegsland Kolumbien exportieren zu können. Das berichtet das TV-Magazin "Panorama" am Donnerstag (3. Juli) um 21.45 Uhr in der ARD. Zahlreiche interne Dokumente sowie die Aussagen mehrerer Insider, die dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) vorliegen, dokumentieren laut Panorama, "wie der Kleinwaffenhersteller Sig Sauer aus dem schleswig-holsteinischen Eckernförde geltende Vorschriften umging".

Offenbar habe Sig Sauer mit Wissen der obersten Führungsriege Pistolen vom Typ 2022 über den Umweg USA in das Krisenland Kolumbien geliefert, obwohl dafür keine Genehmigung vom zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) vorlag, so Panorama. Sig Sauer wies die Vorwürfe zurück. Man sehe kein Fehlverhalten.

Laut internen Firmenunterlagen lieferte Sig Sauer die Pistolen an eine amerikanische Schwesterfirma, so Panorama. Auf den Exportdokumenten seien die Waffen für den zivilen Markt in den USA deklariert worden. In den internen Firmendokumenten fänden sich aber zahlreiche Belege dafür, dass der Waffenproduzent aus Schleswig-Holstein gewusst habe, dass die Waffen an die kolumbianische Polizei weitergeleitet wurden.

"Die Kenntnis dürfte es seit Herbst 2010 gegeben haben", so Panorama. "Das Kolumbien-Geschäft lief dennoch zunächst weiter. Erst als die Export-Kontrollbeauftragte des Unternehmens von dem Geschäft erfuhr, kam es zu einem zumindest zeitweiligen Lieferstopp. Sie schrieb in einem dreiseitigen Bericht, sie fürchte eine Razzia der Polizei und 'harte Strafen'. Auch der Konzernanwalt warnte, das Vorgehen sei 'strengstens verboten'."

SZ und NDR hatten bereits im Mai über die Sig-Sauer-Lieferungen nach Kolumbien berichtet. Seither prüft nach Angaben von Panorama die Staatsanwaltschaft Kiel die Vorwürfe, ebenso wie die Exportkontrolleure von der Bafa. Die Ermittler hätten bislang allerdings vor dem Problem gestanden, Sig Sauer Deutschland nachzuweisen, dass die Firma wusste, wohin die Waffen gingen. Die internen Dokumente, die SZ, NDR und WDR vorliegen, liefern offenbar nun Belege. In Mails heiße es, Empfänger sei ein "Kunde in Kolumbien".

Da auf den Exportdokumenten jedoch behauptet worden sei, die Lieferungen würden in den USA verbleiben, hätte Sig Sauer demnach falsche Angaben gegenüber den Behörden gemacht. Die Ausfuhrgenehmigung wäre unwirksam, die Lieferung illegal. Den Verantwortlichen drohten wohl bis zu fünf Jahre Haft, erklärte Panorama. "Von Sig Sauer hieß es, für die Lieferungen seien nach ihrer Auffassung die US-Behörden verantwortlich. Eine von Sig Sauer beauftragte Rechtsanwaltskanzlei habe die Geschäfte überprüft.

"Panorama" berichtet über das Thema in der Sendung am Donnerstag, 3. Juli, um 21.45 Uhr im Ersten Programm der ARD.

Quelle: www.panorama.de

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