mfmMünchen. - Die von dem Schauspieler Karlheinz Böhm vor mehr als 30 Jahren gegründete Hilfsorganisation Menschen für Menschen (MfM) hat sich für die Zukunft neu aufgestellt und ihre Organisation in Deutschland und Äthiopien umstrukturiert. Die beiden bisherigen Geschäftsführer der Stiftung in Deutschland, Peter Renner und Peter Schaumberger, wurden in den Vorstand der Stiftung berufen. Sie werden dort künftig als hauptamtliche Vorstände tätig sein. Die bisherige hauptamtliche Vorsitzende Almaz Böhm war nach Vorwürfen, die Stiftung habe Spenden veruntreut, von ihrer Funktion zurückgetreten. Mehr als 2.000 Menschen hatten den Rücktritt des Vorstands gefordert.

Damit besteht der Vorstand der Stiftung nun aus drei Mitgliedern: Peter Schaumberger, Peter Renner und Martin Hintermayer, der dem Vorstand der Stiftung bereits seit 2004 angehört. Das bisherige Vorstandsmitglied Dr. Peter Hanser-Strecker wechselt in den Stiftungsrat. Almaz Böhm wird künftig als Schirmherrin der Stiftung verstärkt repräsentative Aufgaben wahrnehmen.

Die beiden neuen Vorstände bringen laut MfM umfangreiche Führungserfahrung aus international ausgerichteten gemeinnützigen Organisationen mit. Peter Renner sagte mit Blick auf das neue Amt: "Wir sind dankbar für diese verantwortungsvolle Aufgabe. Uns liegt es am Herzen, den Idealen von Karlheinz Böhm treu zu bleiben und sein Lebenswerk fortzuführen." Karlheinz Böhm war am 29. Mai 2014 im Alter von 86 Jahren gestorben.

Während der 54-jährige Politikwissenschaftler Peter Renner insbesondere die Projektarbeit in Äthiopien verantworten soll, ist der Agrarökonom Peter Schaumberger (51) künftig für die Organisation und die Abläufe der Stiftung zuständig. "Wir wollen die Organisation noch effizienter gestalten und nach modernen Managementregeln ausrichten", so Schaumberger. "Unser Ziel ist und bleibt es, die Lebensbedingungen der Menschen in Äthiopien durch unsere Projekte nachhaltig zu verbessern."

Bereits im vergangenen Jahr hatte Menschen für Menschen in Zusammenarbeit mit einer Unternehmensberatung (Wieselhuber & Partner, München) mit der Überprüfung der Strukturen und Prozesse der gesamten Organisation begonnen. Die schrittweise Reorganisation folgte nach Angaben von Menschen für Menschen dabei dem Ziel, den Übergang von einer historisch gewachsenen, gründergeführten Institution zu einer managementgeführten Hilfsorganisation zu vollziehen. Damit werde auch "gewährleistet, dass Karlheinz Böhms Lebenswerk professionell weitergeführt wird und den modernen Anforderungen einer immer transparenter werdenden Organisationskultur entspricht", heißt es in einer Medienmitteilung.

Auch in der äthiopischen Landeszentrale gibt es Veränderungen. Einzelne Fachbereiche wurden MfM zufolge neu organisiert und bestehende Strukturen und Abläufe verbessert sowie enger mit der Stiftung in Deutschland vernetzt. Im Zuge dieser Restrukturierung trennte sich die Stiftung von zwei leitenden Mitarbeitern und berief neue Führungskräfte. "Insgesamt bleibt die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Äthiopien jedoch nahezu gleich", so MfM. Derzeit arbeiten dort mehr als 700 Personen für die Stiftung.

Der neue Vorstand hat im Zuge der Reorganisation auch die Zusammenarbeit zwischen den Geberländern Österreich, Deutschland und der Schweiz neu geordnet. Während die Schweizer Stiftung künftig in Äthiopien selbständig eigene Projekte durchführen soll, wollen der österreichische Verein und die deutsche Stiftung weiterhin gemeinsam die Projektarbeit in den von den jeweiligen Ländern finanzierten Gebieten umsetzen.

Bei der Konzeption und der Umsetzung der Maßnahmen wird Menschen für Menschen nach eigenen Angaben seit 2013 von einem "Compliance-Beauftragten" unterstützt, der unter anderem die Ausschreibungs- und Arbeitsprozesse überprüft habe und auch weiterhin überprüfen werde. So sei gewährleistet, "dass laufend die Entscheidungs- und Kontrollstrukturen verbessert werden können, um möglichst hohe ethische Standards einzuhalten".

"Die Stiftung ist heute eine Non-Profit-Organisation von der Größe eines mittelständischen Unternehmens – und sie wächst weiter", betonte Peter Schaumberger. "Um dabei sparsam und effizient zu bleiben, müssen wir unsere Strukturen und Prozesse kontinuierlich überprüfen, anpassen und weiterentwickeln. Dies gehört sicher zu den größten Herausforderungen für den Vorstand."

Peter Renner betonte, Transparenz sei "der Schlüssel für das Vertrauen der Spender". "Unsere Spender wollen und sollen sehen, wo ihr Geld hingeht, wofür es ausgegeben wird und was damit erreicht wird. Hier die Spender noch mehr einzubinden und zu informieren, ist eine der wichtigsten Aufgaben für uns in der Zukunft."

Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI) hatte vor einem Jahr im Rahmen einer Sonderprüfung bei der Stiftung keinen Anlass gesehen, Menschen für Menschen das DZI-Spendensiegel abzuerkennen. Die Sonderprüfung war nach einem Hinweis des ehemaligen Großspenders Jürgen Wagentrotz eingeleitet worden. Das ehemalige Kuratoriumsmitglied hatte der Ehefrau des MfM-Gründers Karlheinz Böhm, Almaz Böhm, vorgeworfen, sie erwecke den Eindruck, ehrenamtlich zu arbeiten. Auf der Website spendenskandal.com schrieb Wagentrotz: "Rund 114.000 Euro erhält Almaz Böhm jährlich für den Vorsitz der Organisation 'Menschen für Menschen', wie auch eigenen Aussagen der Hilfsorganisation in Medienberichten zu entnehmen ist – und das allein aus Deutschland und Österreich. Geld, mit dem man beispielsweise die Grundschulbildung von 3.500 Kindern in Äthiopien finanzieren könnte."

Das DZI erklärte am 24. Juli 2013, die Höhe der Vergütung liege nach Einschätzung des DZI "in Anbetracht der Größe der Organisation und des Verantwortungsumfangs im branchenüblichen Rahmen und ist insofern auch im Sinne der Spenden-Siegel-Leitlinien nicht zu beanstanden." Die von Jürgen Wagentrotz betriebene Website spendenskandal.com berichtete später, "auf Druck der Spender, die bisher weit über 2.000 Protestbriefe an den MfM Vorstand gerichtet haben, sind bereits der ehemalige MfM Geschäftsführer Axel Haasis, Vorstandssprecher Orgeldinger, sowie die ehemalige MfM Vorstandsvorsitzende Almaz Böhm von ihren Posten zurückgetreten". Die Spender seien dazu aufgerufen, ihre Spenden zurückzufordern.

Hintergrund:

Quelle: www.menschenfuermenschen.de

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