internetBerlin. - "What you can't measure, you can't understand - Was man nicht messen kann, kann man nicht verstehen." Mit dieser ebenso simplen wie falschen Logik hat der australische Geschäftsmann und "Philanthrop" Steve Killelea sein Unternehmen "Integrated Research" und sein "Institute for Economics and Peace" (IEP) aufgebaut. Letzteres gibt alljährlich den "Global Peace Index" und den "Terrorism Index" heraus. Will man dem "Globalen Friedens-Index" glauben, rangieren die USA unter den friedlichsten Ländern der Welt und Russland gehört zu den Staaten, die am wenigsten "peaceful" sind. Das ist auch der Tenor der meisten Medienberichte, die uns derzeit aus der Ukraine, aus dem Irak und Syrien erreichen.

Wie könnte es anders sein: Die USA, die mit der falschen Behauptung, der Irak habe Massenvernichtungswaffen, 100.000 Zivilisten getötet und den ganzen Nahen Osten destabilisiert haben, rangieren unter den "more peaceful"-Staaten ganz oben, Russland landet am Ende der Skala der Länder, die "less peaceful" sind.

global peace index 2014 600

Der Global Peace Index wird von der Economist Intelligence Unit erstellt, die fast zwei Dutzend Kriterien als "Messmethoden" angibt. Entscheidend ist, dass eines der Hauptkriterien ist, wie friedlich es in einem Land zugeht - nicht etwa, wie friedlich die Regierung und deren Armee oder die Außenpolitik ist. Das britische Wirtschaftsmagazin rechnet selbst mit reichlich Kritik und gibt in seiner gewohnt martialischen Sprache zu, die Rangliste werde "ins Flakfeuer geraten" ("the index will run into some flak.").

Auch die Kritik an den hohen Rüstungsausgaben der USA, die für rund 37 Prozent des globalen Rüstungsetats verantwortlich sind, wird vom "Economist" vorsorglich schon im Voraus gekontert: "Specifically, according to The Economist, the weighting of military expenditure 'may seem to give heart to freeloaders: countries that enjoy peace precisely because others (often the USA) care for their defense.'" Die USA geben ergo soviel Geld für das Militär aus, weil sie anderen Ländern so oft selbstlos bei deren Verteidigung helfen.

militaerausgaben global absolut 2013 600

Rüstung kostet viel Geld, wenn man die Rolle des "Weltpolizisten" spielt. Und die Liste der US-Militärinterventionen in den letzten 200 Jahren ist sehr lang. (Die Ursachen der Interventionen werden in der Liste oft verfälscht widergegeben). Eine vollständigere Liste hat das Global Policy Forum dokumentiert. Nachfolgend die Wikipedia-Aufstellung seit 2010:


2010–present

  • 2010–11 – War in Iraq: Operation New Dawn, On February 17, 2010, U.S. Secretary of Defense Robert Gates announced that as of September 1, 2010, the name "Operation Iraqi Freedom" would be replaced by "Operation New Dawn". This coincides with the reduction of American troops to 50,000.

  • 2011 – Libya: Operation Odyssey Dawn, Coalition forces enforcing U.N. Security Council Resolution 1973 with bombings of Libyan forces.

  • 2011 – Osama Bin Laden is killed by U.S. military forces in Pakistan as part of Operation Neptune Spear.

  • 2011 – Drone strikes on al-Shabab militants begin in Somalia.[17] This marks the 6th nation in which such strikes have been carried out,[18] including Afghanistan, Pakistan, Iraq, Yemen[19] and Libya.

  • 2011 – Uganda: U.S. Combat troops sent in as advisers to Uganda.[20]

  • 2012 – Jordan: 150 U.S. troops deployed to Jordan to help it contain the Syrian Civil War within Syria's borders.

  • 2012 – Turkey: 400 troops and two batteries of Patriot missiles sent to Turkey to prevent any missile strikes from Syria.

  • 2012 – Chad: 50 U.S. troops have deployed to the African country of Chad to help evacuate U.S. citizens and embassy personnel from the neighboring Central African Republic's capital of Bangui in the face of rebel advances toward the city.

  • 2013 – Mali: U.S. forces assisted the French in Operation Serval with air refueling and transport aircraft.

  • 2013 – Somalia: U.S. Air Force planes supported the French in the Bulo Marer hostage rescue attempt. However, they did not use any weapons.

  • 2013 – 2013 Korean crisis

  • 2013 – Navy SEALs conducted a raid in Somalia and possibly killed a senior Al-Shabaab official, simultaneously another raid took place in Tripoli, Libya, where Special Operations Forces captured Abu Anas al Libi (also known as Anas al-Libi)[21]

  • 2014 – Uganda: V-22 Ospreys, MC-130s, KC-135s and additional U.S. soldiers are sent to Uganda to continue to help African forces search for Joseph Kony. [22]

  • 2014 - Iraq: American intervention in Iraq, hundreds of U.S. troops deployed to protect American assets in Iraq and to advise Iraqi and Kurdish fighters.[23] In August the U.S. Air Force conducted a humanitarian air drop and the U.S. Navy began a series of airstrikes against Islamic State-aligned forces throughout northern Iraq.[24][25]


 
militaerausgaben usa 2000-2012 absolut 240Die USA haben ihre ohnehin schon hohen Millitärausgaben seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt (Grafik rechts). Ein Grund dafür ist die Kriegsführung nach den Attentaten vom 11. September 2001, ein anderer, dass immer mehr Militäraufgaben an Rüstungskonzerne, Militärausrüster und Söldner-Firmen "ausgelagert" wurden. Nicht einberechnet sind zudem die immensen Summen, die die globale Überwachung durch CIA, NSA und andere US-amerikanische oder britische Geheimdienste kostet.

In Wikipedia, das nicht selten "überarbeitet" wird, wenn die Einträge zu sehr gegen die Mainstream-Meinung gehen, ist zur Kritik am Global Peace Index zu lesen:

The 'Peace Index' has widely been criticised for not reflecting the fact that the USA is the most aggressive invader on the planet, and not a 'peaceful country' at all. This is largely because of a misunderstanding of what the index measures, which is how physically dangerous it is to live in the country. As is noted 'According to the Global Peace Index, Iraq is the second most dangerous country in the world (after Somalia).' by this comment in the context of this article explaining why the USA is not counted as the least peaceful country. [16]

"But uncomplicated maxims are not necessarily uncontroversial", schrieb der Economist 2007 über seinen Auftraggeber, als der Peace Index erstmals veröffentlicht wurde. "Having overlaid the Irish Catholicism of his childhood with a dose of Tibetan Buddhism, he warms to the pacifist strain in the Asian creed. One of his favourite Buddhist sayings is that 'your enemy is your best teacher'. More contentiously, the bottom-line-minded businessman and the pacifist in Mr Killelea come together in a conviction that peacefulness, like anything important, can and must be calibrated. 'What you can't measure, you can't understand,' he says. (...) Steve has always had a strong passion for sustainable development, and in 2000 established The Charitable Foundation (TCF), which specialises in working with the poorest communities of the world. TCF is one of the largest private overseas aid organizations in Australia. It aims to provide life-changing interventions reaching as many people as possible with special emphasis on targeting the poorest of the poor. TCF is active in East and Central Africa and parts of Asia."

Killelea ist nicht nur ein angesehener Unternehmer und Philantrop, er sitzt auch in vielen Aufsichtsräten, darunter auch anderen, die den Frieden messen, so etwa die International Crisis Group und die Alliance for Peacebuilding. Er ist beteiligt am OECD-"Project on Measuring Progress of Societies" und "International Trustee" des World Council of Religions for Peace.

Interessant ist, dass in kaum einer Statistik darauf verwiesen wird, dass z.B. Indien zwar hohe Rüstungsausgaben hat und deshalb Platz 9 der Länder mit den höchsten Verteidigungsetats einnimmt, die Statistik aber ganz anders aussieht, wenn die Pro-Kopf-Ausgaben als Maßstab genommen werden. Indien gibt etwa 25 US-Dollar pro Kopf und Jahr für Rüstung aus, China geschätzt 63 Dollar. Saudi-Arabien hingegen gibt 1.511 Dollar aus und jeder Bürger in den USA muss dem Militär und den Rüstungskonzernen 1.967 Dollar zur Verfügung stellen.

militaerausgaben pro kopf 2008 600

Seltsamerweise werden die Militärausgaben pro Kopf kaum jemals von Mainstream-Medien zu Rate gezogen, wenn es um Berichte über die Steigerung der Rüstungsausgaben in China, Indien oder anderen Ländern des Südens geht. Auch die Tatsache, dass die Vereinigten Staaten von Amerika über eine High-Tech-Armee verfügen, die kein anderes Land der Welt aufbieten kann und bislang als einziges Land Atomwaffen eingesetzt haben, bleibt häufig unerwähnt.

Die "Terroristen", "Islamisten" und "Rebellen" in Syrien, im Irak, in Libyen und in Afghanistan, die jetzt vom Westen bekämpft werden, wurden zuvor von den USA, Katar oder Saudi-Arabien mit hochwertigem US-Militärmaterial beliefert oder haben sich die High-Tech Waffen im Zuge der Kriegshandlungen beim Gegner beschafft. Durch die Vernichtung der selbst hergestellten und an die "Partner" oder Gegner gelieferten Waffen kann sich die US-Rüstungsindustrie über ständigen Bedarf an neuem Kriegsgerät freuen. Am Dienstag meldete die FAZ, die Vereinigten Staaten hätten begonnen, "Waffen und Munition an kurdische Kämpfer im Nordirak zu liefern".

FRIEDENS-APOSTEL UND DATENSAMMLER: STEVE KILLELEA

Der Kopf hinter dem Friedensindex ist Steve Killelea. Der erfolgreiche Geschäftsmann aus Sidney stellt die Verbindung her zwischen den Profitinteressen potenzieller Investoren und der Friedfertigkeit (Stabilität) eines Landes. Sein "Institut für Wirtschaft und Frieden" verbreitet die Botschaft, es rentiere sich nicht, viel Geld für Rüstung auszugeben, wo es doch so dringend für nachhaltige Entwicklung und den Kampf gegen den Klimawandel benötigt werde. Das eigentliche Interesse gilt jedoch dem Investitionsklima. Die vom "Institute for Economics and Peace" gesammelten Daten lassen sich prima auch dafür verwenden.

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www.globalzero.org/es/our-movement/leaders/mr-steve-killelea (Screenshot)

Killelea ist Vorstandsvorsitzender von "Integrated Research Ltd." (IR) und hat "30 Jahre Erfahrung in der "information technology industry", so das IEP. "Highly skilled in international marketing, business and product strategy, Killelea has developed two profitable global companies with exceptional track records." IR vermarktet Software, genauer "Unified Communications Solutions" (UC): Damit werden Telefonate, Internet-Chats, Videokonferenzen, Callcenter-Telefonmitschnitte, E-Mails, SMS, Faxeingänge und Texte, die über Spracherkennung aufgezeichnet wurden, auf eine einheitliche Plattform gebracht. So können sie von Unternehmen in besserer Qualität übermittelt und automatisch ausgewertet werden.

Eines der IR-Produkte ist Prognosis. Über diese Kommunikationslösung heißt es: "Prognosis 10 delivers a powerful web-based user experience, centralized reporting, and a robust architecture update that is ready for Big Data and provides insights from massive amounts of data generated across enterprise communications systems."

Das Schlagwort für dieses Tätigkeitsfeld ist "Big Data". Der Begriff bezeichnet Daten-Mengen, die zu groß oder zu komplex sind oder sich zu schnell ändern, um sie mit klassischen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten. Mit Big Data werden aber auch Technologien beschrieben, die zum Sammeln und Auswerten dieser Datenmengen verwendet werden. "Die gesammelten Daten können aus nahezu allen Quellen stammen: Angefangen bei jeglicher elektronischer Kommunikation, über von Behörden und Firmen gesammelte Daten, bis hin zu den Aufzeichnungen verschiedenster Überwachungssysteme. Big Data können so auch Bereiche abdecken, die bisher als privat galten. Der Wunsch der Industrie und bestimmter Behörden, möglichst umfassenden Zugriff auf diese Daten zu erhalten, sie besser analysieren zu können und die gewonnenen Erkenntnisse zu nutzen, gerät dabei zunehmend in Konflikt mit Persönlichkeitsrechten des Einzelnen", heißt es in Wikipedia zu "Big Data".

Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert warnte auf seiner Website: "Big Data eröffnet Möglichkeiten des informationellen Machtmissbrauchs durch Manipulation, Diskriminierung und informationelle ökonomische Ausbeutung – verbunden mit der Verletzung der Grundrechte der Menschen."

Quelle der Schaubilder, soweit nicht anderweitig vermerkt: Wikipedia

Nachdruckrechte für diesen Artikel unter +49 (0)30 4058 5087.


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