kolumbien iconAachen. - Nach den jahrzehntelangen Konflikten zwischen der kolumbianischen Armee und der Guerillagruppe Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC) finden seit 2012 Friedensverhandlungen in der kubanischen Hauptstadt Havanna statt. Im August haben sich erstmals seit Beginn der Verhandlungen Vertreter der FARC mit Opfern des Konfliktes getroffen und sich für die Gewalttaten entschuldigt. Das Hilfswerk MISEREOR begrüßte am Freitag die Teilnahme seines Partners Leyner Palacios als Opfervertreter bei den Friedensverhandlungen.

Palacios ist selbst Angehöriger von Opfern des Angriffs auf das Dorf Bojayá, bei dem am 2. Mai 2002 119 Zivilisten bei einer Auseinandersetzung zwischen der FARC und Verbänden der Paramilitärs getötet wurden. Heute leitet er die Regionalkoordination Pazifik, ein Netzwerk aus kirchlichen Institutionen und Basisorganisationen, das sich im Westen des Landes für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzt und seit acht Jahren von MISEREOR gefördert wird.

"Die direkte Beteiligung von Opfern des bewaffneten Konflikts gibt den seit Ende 2012 andauernden Verhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC eine neue Qualität, denn nun müssen sich die Verhandlungsparteien mit den Opfern und ihren Angehörigen selbst auseinandersetzen", sagte Birgit Reich, Regionalverantwortliche für Kolumbien bei MISEREOR. Die erste Delegation von 12 Opfervertretern sei sehr ausgewogen aufgestellt und werde in Arbeitsgruppen mit den Verhandlungsparteien Kriterien für den Abschluss des Verhandlungskapitels zur Situation der Opfer erarbeiten.

Im Bügerkrieg der Regierung Kolumbiens gegen die FARC sind seit 1964 mehr als 200.000 Menschen getötet, mehrere Millionen vertrieben und zahlreiche Menschenrechte verletzt worden.

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Kinderzeichnung der Gewalt in Kolumbien © tdh

"Als Vertreter der Afrokolumbianer der Pazifikregion ist Leyner Palacios besonders geeignet, die vielen Dimensionen des Konfliktes in die Verhandlungen einzubringen", so Reich. "Die Zivilbevölkerung in diesem Gebiet Kolumbiens ist von allen Ausprägungen des Konfliktes betroffen, und das Massaker von Bojayá zeigt die Dramatik nachdrücklich, denn hier operierten nicht nur die Guerilla der FARC, sondern auch die Todesschwadronen der Paramilitärs in besonderer Verachtung der Rechte der Zivilbevölkerung. Dem Staat kommt hier große Verantwortung zu, da in der mittleren Atratoregion die Paramilitärs stets von den staatlichen Sicherheitskräften geduldet und unterstützt wurden. Für Bojayá ist diese Struktur dokumentiert wie für kaum einen anderen Fall", betonte Reich.

MISEREOR fördert in Kolumbien Partnerorganisationen aus Kirche und Zivilgesellschaft in ihrem Einsatz für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit. Die Partnerorganisationen unterstützen den Verhandlungsprozess zwischen Regierung und FARC auf politischem Wege, betonen aber stets, dass eine Friedenslösung erst durch einen gesellschaftlichen Prozess nach einem Abkommen hergestellt werden kann, der Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung für die Opfer garantiert. Die größte Herausforderung bestehe aber in der Überwindung der strukturellen Ursachen des bewaffneten Konflikts, wie der extremen und wachsenden sozialen Ungleichheit.

Mehr Informationen zur FARC

Quelle: misereor.de

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