ebola sierra leone blog 720

Genf. - Die Zahl der Ebola-Toten in Westafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf 7.693 angestiegen. Innerhalb einer Woche forderte die Epidemie 300 neue Opfer. Die meisten Infizierten verzeichnet Sierra Leone (9203), die meisten Toten Liberia (3384). Insgesamt sind in Westafrika nahezu 20.000 Menschen an Ebola erkrankt. Viele Maßnahmen der Regierung greifen nicht, wie eine deutsche Bloggerin aus Sierra Leone berichtet.

Die Regierung Sierra Leones hatte über Weihnachten eine mehrtägige Ausgangssperre in der besonders betroffenen Nord-Provinz angeordnet, so die Neue Zürcher Zeitung. NZZ-Korrespondent Markus M. Haefliger, der in Nairobi sitzt, meldete am Freitag, Märkte und Läden seien geschlossen worden, "nur Pflegeequipen und ein Heer von Freiwilligen dürfen frei zirkulieren. Die Helfer ziehen von Haus zu Haus, um Ebola-Patienten ausfindig zu machen und in Pflegezentren zu bringen. In der Hauptstadt Freetown wurden diesen Monat ähnliche Aktionen durchgeführt, an denen sich insgesamt fast 30.000 Freiwillige beteiligten."

Doch Nairobi ist 7.900 Kilometer weit weg von Freetown. Haefliger muss sich auf andere Medienberichte, Informationen von Gesundheitsorganisationen wie der WHO oder NGO-Reports verlassen, die er nicht vor Ort überprüfen kann. Julia Broska, Mitarbeiterin der Welthungerhilfe in Sierra Leone, ist unzufrieden mit den Medienberichten. Sie hat ein privates Internet-Tagebuch (Blog) gegründet. "Die Medienberichterstattung in Deutschland über Ebola ist in einem besorgniserregenden Maße abgeebbt. Ich denke es ist wichtig, hier die entstandenen Lücke eigeninitiativ zu füllen", schreibt sie in ihrem "Ebola-Blog Sierra Leone".

Auch die WHO greift gerne Erfolgsmeldungen auf. Über Sierra Leone bietet sie folgende Story an:

ebola sierreleone who 720

Broska berichtet aus ihrer "ganz persönlichen Perspektive", ihr Blog wurde aber von der Welthungerhilfe "abgesegnet". Sie zeichnet ein anderes Bild der Lage. Zu den Quarantäne-Maßnahmen der Regierung schreibt sie:

"Erstaunlicherweise passiert in den meisten Fällen dann erst mal gar nichts. Theoretisch sollten Wachen aufgestellt werden, am besten in Uniform, damit sie auch ernst genommen werden. Die Nachbarschaft sollte informiert und involviert werden, damit der Quarantänehaushalt mit z.B. Wasser für den Haushaltsgebrauch zum Waschen und Putzen über Nachbarschaftshilfe beziehen kann. Außerdem sollten das World Food Programme und die Welthungerhilfe täglich die Liste neuer Quarantänehaushalte bekommen, damit wir innerhalb von 24h die ersten Nahrungsmittel liefern können. Leider passiert oft nichts davon."

Wir ein Haus unter Quarantäne gestellt, so Julia Broska, fliehen Familienmitglieder nicht selten. "Diese Tatsache hat unter anderem dazu geführt, dass sich Ebola geografisch immer weiter ausbreiten konnte. Noch erstaunlicher ist aber, dass es auch zum Gegenteil kommt: Sobald von einem Quarantänehaushalt in der Nachbarschaft bekannt wird, dass er Essenspakete erhalten hat, kommen Menschen hinzu und wollen auch in Quarantäne, um etwas zu essen zu haben. Das zeigt, dass die Kernbotschaft einfach immer noch nicht durch gedrungen ist."

Die Welthungerhilfe-Mitarbeiterin, die zuvor in Nordkorea gearbeitet hat, appelliert an die Leser: "Die Menschen in Sierra Leone sind jetzt mehr denn je auf ausländische Hilfe angewiesen. Ich finde es bedauerlich, wenn die Motivation, Geld zu spenden, nur darauf beruht, dass man verhindern möchte, dass die Epidemie auf Europa übergreift. Das Leben jedes Menschen, egal wo er wohnt, hat denselben Wert. Wenn also über Ebola gesprochen wird, bitte denkt zuerst an die Menschen, die davon aktuell betroffen sind."

Auch andere Berichte trüben das positive Bild, das Medien allzu häufig über den "Kampf gegen Ebola" zeichnen:

=> Blog "Ebola in Sierra Leone"
=> WHO Ebola response roadmap - Situation report
=> Global Outbreak Alert and Response Network (GOARN)


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