Unter dem Ehrenschutz von Bundespräsident Heinz Fischer fand am 6. März an der Wiener Universität der 3. Internationale Humanitäre Kongress statt. Jugend Eine Welt war Kooperationspartner. Namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Medien diskutierten über aktuelle Herausforderungen in der Humanitären Hilfe.

Bundesminister Rudolf Hundstorfer begrüßte die zahlreich erschienenen TeilnehmerInnen. „Humanitäre Hilfe ist ein Thema für die ganze Gesellschaft“, bekräftigte er und stellte in Aussicht, dass die Bundesregierung das im Regierungsprogramm gegebene Versprechen, den Auslandskatastrophenfonds aufzustocken „so bald wie budgetär möglich“ einhalten würde.  Botschafter Launsky-Tieffenthal vom Außenministerium machte deutlich, wie notwendig mehr Nothilfe gerade heute wäre: „Derzeit sind so viele Menschen auf der Flucht, wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr.“ Das bestätigte auch UN-Nothilfekoordinatorin Kyung-wha Kang, die die Eröffnungsrede hielt. „Wir müssen nur eine x-beliebige Zeitung aufmachen, um mit dem Thema Humanitäre Hilfe konfrontiert zu werden.“ Helfer würden routinemäßig entführt und getötet, das Ausmaß der Gewalt und Brutalität in den aktuellen bewaffneten Konflikten nehme immer mehr zu. Ein Grund dafür sei die Straflosigkeit, der sich beispielsweise Täter im schon vier Jahre andauernden Syrien-Krieg sicher sein könnten. Terrorismus sei jedoch nicht die Ursache, sondern die Folge des Kriegs.

Immer wieder wurde während des Kongresses über Qualität und Zusatznutzen der Nothilfe diskutiert. Man dürfe jedoch nicht Problemlösungen von ihr erwarten, vor denen sich die Politik drücke. Das gelte insbesondere auch für die menschliche Tragödie, die sich seit Jahren im Mittelmeer abspiele. Der Flüchtlingsbeauftragte der Caritas Italiana, Oliviero Forti, nannte Lampedusa "eine Metapher für das Versagen der europäischen Gesellschaft" und forderte „Wir müssen Menschen schützen, nicht  Grenzen!“

ZENTRALAFRIKANISCHE REPUBLIK – DIE KRISE HÄLT AN

Eine humanitäre Krise, die in Europa kaum wahrgenommen wird, spielt sich seit Jahren in der Zentralafrikanischen Republik ab, wo auch die Salesianer Don Boscos eindrucksvolle Friedensarbeit leisten, Flüchtlinge betreuen und alles daran setzen, um Kindern weiterhin den Schulbesuch zu ermöglichen. „Millionen Menschen sind obdachlos, es kommt immer wieder zu Massenmorden und anderen schwersten Menschenrechtsverletzungen. Es gibt keine Nahrung, keine Medikamente, keine Ärzte und keine Verwaltung. Die meisten Kinder gehen nicht zur Schule und haben keine Perspektive – sie sind in großer Gefahr, von den Milizen rekrutiert zu werden“, berichtete Monsignore Dieudonne Zapalainga, Erzbischof von Bangui. Gemeinsam mit anderen religiösen Würdenträgern reist er unermüdlich durch die Welt, um auf die Krise in seiner Heimat aufmerksam zu machen und darauf, dass es sich dabei keinesfalls um einen religiösen Konflikt handelt, wie die Kriegsparteien die Menschen glauben machen. Das bestätigte auch sein Freund, Imam Oumar Kobine Layama. Gemeinsam fahren die beiden auch regelmäßig in Dörfer und appellieren an die Bevölkerung, die Waffen niederzulegen. Auch wenn das meist nicht gelinge – „Die Menschen glauben, dass die Waffen ihre einzige Hilfe sind“ – das gemeinsame Auftreten der religiösen Würdenträger sei ein wichtiges Signal und helfe mit, einen Genozid zu verhindern.

Der Kongress endete mit Plädoyers zur engeren Zusammenarbeit, zur Aufstockung der Mittel für Katastrophenhilfe durch nationale Regierungen und die EU, zu Friedensverhandlungen in Syrien und in der Ukraine sowie zu einer solidarischeren Flüchtlingspolitik.  "Dialog ist wichtiger denn je", waren sich die Experten einig.

=> Weitere Informationen: http://www.humanitariancongress.at/


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