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Berlin. - Mit einer spektakulären Aktion will das "Zentrum für Politische Schönheit" auf die Todesopfer der "Festung Europa" aufmerksam machen. Die toten Migranten werden häufig massenhaft verscharrt. "Sie tragen keine Namen. Sie bekommen keine Blumen. Und ihre Angehörigen werden nicht ermittelt", heißt es in einer Mitteilung des Zentrums vom Montag. Die Aktionskünstler wollen zehn der Toten mit dem Einverständnis der Angehörigen in Berlin bestatten. Ein "Marsch der Entschlossenen" soll die toten Einwanderer am Kanzleramt "abliefern" und den Vorplatz in eine Gedenkstätte verwandeln.

Am Dienstag sollen "die ersten beiden Opfer der militärischen Abriegelung Europas" in der deutschen Hauptstadt - auf dem muslimischen Friedhofsfeld in Berlin-Gatow - beerdigt werden. Weitere Termine will das Zentrum "aufgrund der politischen Sprengkraft und der zu erwartenden Repressionen" kurzfristig bekannt geben. Am 21. Juni soll ein "Marsch der Entschlossenen" die toten Einwanderer am Kanzleramt "abliefern" und den Vorplatz in eine Gedenkstätte ("Den unbekannten Einwanderern") verwandeln.

"Die Toten Einwanderer Europas kommen vom Mittelmeer in die Schaltzentrale des europäischen Abwehrregimes: in die deutsche Hauptstadt", heißt es in der Ankündigung der Aktion, die das Zentrum für Politische Schönheit am Montag an die Medien versandte. "Europas Grenzen sind die tödlichsten Grenzen der Welt", konstatiert das Zentrum für Politische Schönheit. "Jahr für Jahr gibt es Tausende Tote. Aber was geschieht eigentlich mit den Toten an den Außengrenzen? Die Opfer der militärischen Abriegelung werden massenhaft verscharrt. Sie tragen keine Namen. Sie bekommen keine Blumen. Und ihre Angehörigen werden nicht ermittelt. Das Zentrum für Politische Schönheit ändert das mit seiner jüngsten und radikalsten Aktion und erweist den toten Einwanderern Europas die letzte Ehre."

Weiter heißt es in der Verlautbarung des Zentrums: "In den kommenden Tagen werden Menschen, die auf dem Weg in ein neues Leben ertrunken oder verdurstet sind, nach Berlin kommen. Sie werden aufgebahrt, ausgestellt und der Bevölkerung auf diesem Weg sichtbar gemacht."

"Gemeinsam mit den Angehörigen haben wir 10 menschenunwürdige Grabstätten geöffnet und die Toten exhumiert. Sie sind jetzt auf dem Weg nach Deutschland", erklärte Philipp Ruch, Chefunterhändler des Zentrums. Der Eskalationsbeauftragte Stefan Pelzer sagte: "Nach dem Willen des deutschen Innenministers sollten die Toten unsichtbar bleiben. Wir schaffen Abhilfe und bringen sie ins Zentrum der Macht: in das Berliner Regierungsviertel."

Das Zentrum für Politische Schönheit ist davon überzeugt, dass die sterblichen Überreste der Opfer der europäischen Abschottungspolitik "Europas Mauern zu Fall bringen" können. Europa sei ein Einwanderungskontinent. "Der Aktion gingen die intensivsten Recherchen seit Bestehen des Zentrums für Politische Schönheit voraus", so Paul Stauffenberg. "In den vergangenen Monaten haben wir fünf EU-Außengrenzen besucht, die Angehörigen von Flüchtlingen ermittelt, Massengräber besichtigt und Kühlhäuser inspiziert. Die Zustände vor Ort sind Europas Schande. Die Toten werden weggeworfen wie Müll."

Nach Angaben der Aktivisten geriet einer der Transporter, der die ersten europäischen Mauertoten aus Italien nach Deutschland brachte, am 12. Juni in eine Verkehrskontrolle der bayrischen Polizei. Das Fahrzeug sei 24 Stunden beschlagnahmt worden. Die Särge seien noch in derselben Nacht an den Flughafen München zur Durchleuchtung gebracht worden. Im Anschluss daran habe man die Fahrt nach Berlin fortsetzen können.

Das Zentrum für Politische Schönheit ist eine Berliner Menschenrechts- und Aktionskünstlergruppe, die zum 25. Jahrestag des Mauerfalls die Mauerkreuze aus dem Regierungsviertel an die europäischen Außengrenzen entführte und damit "Die wohl wichtigste und unbequemste Gedenkaktion des Jahres!" (Die Zeit) anzettelte. 2014 initiierte sie im Namen der Bundesregierung eine Rettungsaktion für 55.000 syrische Flüchtlingskinder. Für die neueste Aktion recherchierte das Zentrum an den Außengrenzen der EU: auf italienischen Inseln, im griechischen Hinterland und in zwei nordafrikanischen Staaten.

Grafik: Zentrum für politische Schönheit/epo.de

=> www.die-toten-kommen.de

Quelle: www.politicalbeauty.de


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