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Aachen. - Anlässlich der zunehmend kontroversen Diskussion um die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland und der Europäischen Union, hat die Hilfsorganisation MISEREOR eine Abkehr von der bislang auf Abwehr ausgerichteten Haltung der EU gegenüber Menschen, die weltweit auf der Flucht sind gefordert. Auch die Menschenrechtsorganisation medico international forderte einen Kurswechsel in der europäischen Flüchtlingspolitik. Die Strategie der Abschreckung, Abschottung und Abschiebung sei nicht nur inhuman, sondern sie gäbe vor, Migration und Flucht seien ein vorübergehendes Phänomen, dass sich durch private Hilfe und polizeiliche wie militärische Mittel lösen ließe.

Die Zivilgesellschaft sei in ihrer weitaus überwiegenden Willkommenshaltung da weiter als die Politik. Niemand setze sich freiwillig den Gefahren von Flucht und Migration aus. Zudem kämen die wenigsten Flüchtlinge überhaupt in die Nähe europäischer Grenzen, sondern würden überwiegend in den unmittelbaren Nachbarregionen aufgenommen und versorgt.

KULTUR DES WILLKOMMENS NÖTIG

Vor diesen Hintergründen sei es unverständlich, warum die EU angstvoll und uneinig auf die Katastrophen an ihren Außengrenzen reagiere, stellt MISEREOR Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon fest. "Wo bleiben der humanitäre Grundkonsens, eine gemeinsame menschenfreundliche Asylpolitik und ein entwicklungsförderndes Migrationskonzept? Die angestiegenen Flüchtlingszahlen in Deutschland sind zwar derzeit gewiss eine große sozialpolitische Herausforderung, aber  kein Grund zur Klage und schon gar nicht zur Angst. Vielmehr fordert es eine neue Kultur des Willkommens für die Fremden sowie des Teilens und des Mitgefühls. Das ist einerseits eine politische Herausforderung für die EU - aber ebenso auch eine Aufgabe für uns alle und ein Gebot der Menschlichkeit."

89 PROZENT LEBEN IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN

86 Prozent der weltweiten 60 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene leben in Entwicklungsländern, zwei Drittel davon in ihrem eigenen Land. In den 28 EU-Staaten sind gerade mal zwei Millionen Flüchtlinge registriert. Bröckelmann-Simon: "Wenn Deutschland hingegen der Libanon wäre, dann wären hier umgerechnet in den letzten drei Jahren rund 25 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland angekommen, mittlerweile wären die Hälfte der dadurch ebenfalls enorm angestiegenen Schülerzahlen Flüchtlingskinder." Übersehen würden in der Debatte zudem positive Aspekte, die mit der Einreise von Flüchtlingen nach Deutschland verbunden seien.

ERHEBLICHE BEITRÄGE ZUR ENTWICKLUNG

Gefordert sei auch eine andere Haltung gegenüber afrikanischer Migration, deren Dimensionen im Übrigen oft überschätzt würden: Afrikanische Flüchtlinge machten im ersten Halbjahr 2015 nur 19 Prozent aller EU-Asylbewerber aus. Insgesamt lebten 2013 5,1 Millionen Menschen mit afrikanischem Migrationshintergrund legal in der EU, das entspricht einem Anteil von lediglich einem Prozent an der EU Gesamtbevölkerung. "Abgesehen davon, dass diese Menschen durch ihre Arbeit in den jeweiligen Gastländern Steuern und Sozialabgaben zahlen, leisten  sie auch erhebliche Beiträge zur Entwicklung Afrikas. Laut Weltbank überwiesen afrikanische  Migranten 2013 auf dem Bankenwege 38 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer. Ebenso viel dürfte nochmal zusätzlich auf informellem Wege dorthin gelangt sein. Das war erheblich mehr Geld für Afrika als sämtliche Entwicklungshilfeleistungen für diesen Kontinent", so Bröckelmann-Simon.

Quellen: misereor.de | medico.de


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