gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat am Dienstag vor einer Hungerkatastrophe in Papua-Neuguinea gewarnt. Dringend benötigten bis zu 1,8 Millionen Papua-Ureinwohner humanitäre Hilfe, nachdem Dürre und Frost ihre Felder zerstört haben, berichtete die Menschenrechtsorganisation in Göttingen.

Mindestens 24 Menschen sind nach Angaben der Behörden bereits aufgrund der Nahrungsmittelknappheit gestorben. "Wir befürchten, dass die Hungerkatastrophe noch schlimmer werden könnte als 1997, als 500 Menschen zu Tode kamen und 260.000 Menschen nur mit Nahrungsmittelhilfe überleben konnten sowie die Versorgung von zusätzlich 980.000 Angehörigen indigener Völker rationiert werden musste", sagte der GfbV-Referent Ulrich Delius. Ausgelöst wurde das Extremwetter durch das Klimaphänomen El Nino, bei dem sich der tropische Pazifik stark aufheizt, die Passatwinde ausbleiben und es dort in vielen Regionen monatelang keinen Regen gibt.

Allein in der Provinz Enga sind 200.000 Menschen von der schlimmsten Dürre seit 40 Jahren betroffen. Die Pflanzen auf den Feldern der Papua, die dort traditionell Ackerbau betreiben, sind aufgrund längerer Kälteperioden weitgehend erfroren oder in der nachfolgenden Dürre vertrocknet. Viele Flusstäler sind ausgetrocknet. Die Bauern verlassen ihre Dörfer auf der Suche nach Wasser und Nahrungsmitteln. Viele müssen sich bereits von Pflanzenwurzeln ernähren, die sie mühsam ausgraben. Der Gouverneur der Provinz, Samson Amean, rechnet damit, dass die Menschen erst in einem Jahr wieder von der Ernte ihrer Felder leben können und bittet daher dringend um internationale Hilfe.

"Die sich abzeichnende Hungerkatastrophe könnte auch schwerwiegende Folgen für den sozialen Frieden im drittgrößten Inselstaat der Welt haben", warnte Delius. "Ein Drittel der gesamten Bevölkerung wird von der Nahrungsmittelknappheit betroffen sein und zehntausende Angehörige indigener Völker werden aus ihren traditionellen Siedlungsgebieten im Hochland in die Städte abwandern. Dies wird enorme Probleme mit sich bringen."

Seit der Unabhängigkeit Papua-Neuguineas im Jahr 1975 haben soziale Verelendung und kulturelle Entwurzelung immer wieder zu Gewalt und inter-ethnischen Auseinandersetzungen unter den rund 800 verschiedenen Papua-Gruppen oder anderen Ethnien geführt. Deswegen hat auch die Gewalt gegen indigene Frauen in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen. Mehr als 80 Prozent der 7,3 Millionen Staatsbürger Papua-Neuguineas leben bis heute in dem relativ unwegsamen Hochland im Landesinnern, das von der Dürrekatastrophe am meisten betroffen ist. Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind Christen.

El Nino ist ein natürliches Klimaphänomen, das schon zu Zeiten der Inka beobachtet wurde. Es tritt in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf. Meteorologen befürchten, dass El Nino im Jahr 2015 besonders stark sein wird.

Quelle: gfbv.de


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