mueller gerdBerlin. - Vor dem Abflug zum Gipfel der Vereinten Nationen nach New York hat Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) auf die Chancen hingewiesen, die die neuen Nachhaltigkeitsziele bieten, um die globale Entwicklung gerecht zu gestalten. Die Weltgemeinschaft triitt ab Freitag in New York auf höchster Ebene zusammen, um globale Ziele für nachhaltige Entwicklung zu vereinbaren. Müller sieht in diesem "Weltzukunftsvertrag" einen Weg, Fluchtursachen zu vermeiden und den Menschen in ihrer Heimat Lebensperspektiven zu geben.

"Die Flüchtlingskrise zeigt uns gerade auf dramatische Art und Weise, wie eng wir auf unserem Planeten inzwischen voneinander abhängig sind", sagte Müller. "Es gibt keine erste, zweite oder dritte Welt mehr - es gibt nur noch EineWelt, für die wir alle unsere Verantwortung tragen. Menschen aus Hunger und Armut zu befreien und zugleich die Schöpfung zu bewahren, das ist die neue große Aufgabe. Der neue Weltzukunftsvertrag, den wir in New York schließen wollen, bietet dabei alle Chancen, dafür zu sorgen, dass die Menschen dort Lebensperspektiven haben, wo sie geboren werden und ihr Familien leben."

Dank der Millenniumsziele habe die Staatengemeinschaft bereits viel erreicht, erklärte Müller. "Jetzt müssen wir uns noch ehrgeiziger und schneller an die Arbeit machen: Wir müssen mehr schaffen als die Armut zu halbieren, wir müssen sie beenden. Wir müssen mehr schaffen als den Hunger zu reduzieren, wie müssen EineWelt ohne Hunger schaffen. Das sind die wirksamsten Wege, Fluchtursachen zu vermeiden."

Die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele gelten nicht nur für arme Länder, sondern auch für die Industriestaaten. Müller betonte, nachhaltige Entwicklung fange bei jedem Einzelnen von uns an: "Vom Kaffee am Morgen über die Kleider auf unserer Haut bis hin zu Gold im Schmuck oder Coltan in unseren Handys. Unser Konsum hat Einfluss auf die Lebensverhältnisse von vielen Menschen in nur scheinbar weiter Entfernung. Am Anfang jeder Produktionskette steht immer ein Mensch in der Plantage, auf dem Feld, in der Mine oder an der Nähmaschine. Deutschland zeigt deshalb mit dem von uns ins Leben gerufenen Textilbündnis, dass wir bereit sind, uns unserer Verantwortung zu stellen und uns für faire und nachhaltige Standards einzusetzen."

Nach der Verabschiedung der Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) am Wochenende in New York stehe deren Umsetzung auf der Tagesordnung, sagte Müller. Das BMZ hat dazu eine "Zukunftstour" durch Deutschland gestartet. Nach einem intensiven Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern, Nichtregierungsorganisationen, der Wirtschaft, den Kirchen und vielen Engagierten hatte das Entwicklungsministerium bereits im vergangenen Jahr eine Zukunftscharta mit Vorschlägen zur Ausgestaltung der Nachhaltigkeitsziele erarbeitet und diese im November vergangenen Jahres an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht.

Die Entwicklungsorganisation Oxfam sieht Deutschland insbesondere bei der Finanzierung der Entwicklungsziele in der Pflicht. "Wer ein Ziel erreichen will, muss den Weg dahin beschreiben können. Das ist bislang nicht der Fall", erklärte Tobias Hauschild, SDG-Experte bei Oxfam Deutschland, am Donnerstag in Berlin. "Bundeskanzlerin Merkel muss in New York darlegen, was Deutschland beitragen will, um die Entwicklungsziele zu erreichen. Um bis 2030 die Armut zu beenden, brauchen wir einen ehrgeizigen nationalen Umsetzungsplan für Deutschland. Darin müssen entschiedene Maßnahmen für eine bessere Entwicklungsfinanzierung und gegen soziale Ungleichheit enthalten sein."

Oxfam fordert von der Bundesregierung darzulegen, wie sie möglichst schnell die Entwicklungshilfe auf die international vereinbarte Marke von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) erhöhen will. Zudem gehe es um eine gleichberechtigte Mitsprache von Entwicklungsländern bei der Eindämmung von Steuertricksereien durch multinationale Konzerne, die Entwicklungsländer pro Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar kosteten. Auch Maßnahmen gegen die soziale Ungleichheit in Deutschland seien dringend notwendig: "Die Entwicklungsziele gelten auch für Deutschland. Die Bundesregierung muss zeigen, wie sie die Lücke zwischen Arm und Reich hierzulande verkleinern will", sagte Hauschild.

=> www.zukunftscharta.de 

Quellen: www.bmz.de | www.oxfam.de 


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