oxfam

Berlin. -  Mindestens zehn Millionen Menschen sind dieses und nächstes Jahr von Hunger in Folge von Dürren, unberechenbaren Regenfällen und einem sich abzeichnenden extrem starken El Niño bedroht, jenem periodisch auftretenden Klimaphänomen, das im tropischen Pazifik entsteht und extremes Wetter in verschiedenen Weltregionen auslöst. Davor hat die HIlfsorganisaton Oxfam am Donnerstag in Berlin gewarnt.

Nach Ansicht zahlreicher Klimaexperten könnte der nächste El Niño der stärkste seit 1997/98 werden und sich zu einem "Mega-El-Niño" entwickeln. Im Bericht "Entering Unchartered Waters" zeigt die internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam auf, welche Folgen El Niño schon jetzt für Millionen Menschen im Globalen Süden hat. So sind die Ernten im südlichen Afrika und Zentralamerika zuletzt bereits deutlich geringer ausgefallen und die Getreidepreise in die Höhe geschossen. Mehrere zentralamerikanische Länder haben den Notstand ausgerufen, darunter Honduras, El Salvador, Guatemala, Haiti und die Dominikanische Republik.

"Millionen armer Menschen spüren schon jetzt die Auswirkungen des El-Nino-Phänomens in Form von Ernteausfällen und steigenden Nahrungsmittelpreisen", sagt Marita Wiggerthale, Agrarexpertin von Oxfam Deutschland.

Nach Ansicht von Oxfam müssen Regierungen und Geldgeber jetzt handeln. "Es ist besser, Risiken zu managen, als Krisen zu managen", so Wiggerthale. Zu spätes politisches Handeln könnte für viele Menschen verheerende Auswirkungen haben. Wiggerthale erinnert daran, dass die verspätete Reaktion auf die Nahrungsmittelkrise am Horn von Afrika im Jahr 2011 mehr als 260.000 Menschen das Leben gekostet hatte.

Die drohende Krise unterstreicht nach Ansicht von Oxfam zudem die Notwendigkeit, Ende des Jahres in Paris ein ambitioniertes Abkommen gegen den Klimawandel zu verabschieden.

Marita Wiggerthale: "Der Erfolg von Paris wird sich daran messen, ob das Abkommen die Staaten auf ausreichend Klimaschutz einschwört, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Zudem müssen sich die reichen Länder dazu verpflichten, die armen Länder angemessen bei der Anpassung an die klimatischen Veränderungen finanziell zu unterstützen. Dass dies gelingt, ist alles andere als sicher. Keines der Industrieländer, auch nicht Deutschland, ist bereit, seinen fairen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig."

HINTERGRUND

Der El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle sieben bis acht Jahre auftritt, wenn die Ozeane im großen Umfang Hitze an die Atmosphäre abgeben und globale Wettermuster beeinflussen. Forscher sagen voraus, dass besonders intensive El Niños zweimal häufiger als in der Vergangenheit auftreten könnten. Hinzu kommt, dass die Wetterentwicklungen des El Niño wegen des Klimawandels schwerer vorherzusagen sind. Hier wird Neuland betreten. Die letzten "Mega-El-Niños" gab es in den Jahren 1972/73, 1982/83 und 1997/98. "Solche extremen Wettereignisse werden mit dem Klimawandel  zunehmen", sagt Marita Wiggerthale. Das Jahr 2014 war das heißeste Jahr seit Beginn der Messungen 1880, das Jahr 2015 wird diesen Rekord vermutlich noch übertreffen.

Die Auswirkungen der Rekordtemperaturen und des El-Niño-Phänomens sind bereits heute zu spüren:

  • Die äthiopische Regierung schätzt, dass 4,5 Millionen Menschen bis Ende des Jahres wegen der geringen Niederschläge Nahrungsmittelhilfe brauchen. In Papua Neuguinea haben der Wechsel von sintflutartigen Regenfällen, Dürre und Hitze zu massiven Ernteausfällen geführt, zwei Millionen Menschen sind betroffen.
  • Wenn es ab November nicht im südlichen Afrika regnet, ist eine Nahrungsmittelkrise im nächsten Jahr zu erwarten.
  • In Guatemala und Honduras haben Hunderttausende Bäuerinnen und Bauern Ernteverluste von bis zu 100 Prozent erlitten. In Simbabwe fällt die Ernte aufgrund der Dürre um 35 Prozent niedriger als durchschnittlich aus.
  • In Honduras haben sich die Nahrungsmittelpreise an vielen Orten mehr als verdoppelt. In Malawi waren die Maispreise im August um 70 Prozent höher als im Vorjahr.
  • Schätzungen zufolge sind bereits 75 Prozent der Böden in Zentralamerika degradiert. Tendenz steigend.
  • In Indonesien haben Behörden für die meisten ihrer 34 Provinzen eine Dürre erklärt.

Quelle: http://www.oxfam.de


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok