cleanclothesWien. - Rund 150.000 Menschen haben die Forderung der Clean Clothes Kampagne nach existenzsichernden Löhnen für Näherinnen unterstützt. Die Petition wurde im Rahmen des “Living Wage Now-Fourms" in Brüssel an PolitikerInnen und VertreterInnen von Modeketten übergeben.

 Mehr als 250 GewerkschafterInnen, AktivistInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen von Firmen diskutierten über Möglichkeiten und Chance von verbindlichen Regelungen zur Umsetzung existenzsichernder Löhne für TextilarbeiterInnen. "Existenzsichernde Löhne sind kein Gnadenakt von Unternehmen, sondern ein Menschenrecht, das derzeit rund 60 Millionen Näherinnen und Nähern weltweit verweigert wird", so Michaela Königshofer, Leiterin der österreichischen Clean Clothes Kampagne und Teilnehmerin am "Living Wage Now-Forum".

VERBINDLICHE REGELUNGEN NÖTIG

Während des Forums stimmten die ReferentInnen überein, dass freiwillige Verhaltenskodizes und Pilotprojekte in der Vergangenheit kaum nachhaltige Verbesserungen nach sich gezogen haben. Verbindliche Regelungen, wie das nach dem Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes abgeschlossene Sicherheitsabkommen (Accord for Fire and on Fire and Building Safety in Bangladesch) für Bangladesch werden von der Clean Clothes Kampagne als Fortschritt bewertet.

"Um Unternehmen für ein verbindliches Abkommen zu gewinnen, mussten zuerst 1.138 Menschen in Bangladesch sterben", empörte sich jedoch Königshofer und stellt die Frage: "Werden die Bekleidungsmarken und die EU bis zur nächsten Katastrophe warten bevor weitere verpflichtende Maßnahmen gesetzt werden?"

TRANSPARENTE ZULIEFERKETTEN GEFRAGT

Jean-Marc Caudron von der Clean Clothes Kampagne Belgien fordert von der EU-Kommission eine Gesetzgebung, die europäische Unternehmen verpflichtet ihre Zulieferkette, die in manchen Fällen über 1.000 Betriebe umfasst, offenzulegen.

Nach dem Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes war es fast unmöglich festzustellen, welche europäischen Unternehmen ihre Hosen und T-Shirts dort fertigen ließen. "Gewerkschaftsvertreterinnen und Arbeitsrechtsaktivisten in Bangladesch mussten im Schutt nach Hinweisen suchen, um eine Liste der dort produzierenden Firmen erstellen zu können", so Jean-Marc Caudron.

Klaus Rudischhauser, Vertreter der EU-Kommission, bestätig im Rahmen einer Podiumsdiskussion beim "Living Wage Now-Forum", dass klarere Vorgaben für europäische Unternehmen hinsichtlich einer transparenteren Zulieferketten möglich wären.

MONATSLOHN VON ACHT EURO

Neben der Transparenz standen im Zentrum der Diskussion die niedrigen Löhne in der Bekleidungsindustrie in Asien und in Europa. So berichtete Raisa Liparteliani, Vertreterin des georgischen Gewerkschaftsbundes, von einem nationalen Mindestlohn für NäherInnen von acht Euro pro Monat.

"Europäische Unternehmen halten Menschen in Asien und in Europa in ihrer Armut gefangen, indem sie Löhne zahlen, von denen niemand menschenwürdig leben kann. In Bulgarien und Rumänien sind die Mindestlöhne niedriger als in China. Die nationalen Mindestlöhne sollten unverzüglich auf 60 Prozent des nationalen Durchschnittseinkommens erhöht werden, um den Menschen einen Weg aus der Armut zu ermöglichen", forderte Michaela Königshofer von der Clean Clothes Kampagne.

"Eine Reihe von Unternehmen hat versprochen in der Zukunft existenzsichernde Löhne an die Frauen und Männer zu bezahlen, die ihre Kleider nähen. Andere haben versichert, dass die Rechte ihrer Arbeiter und Arbeiterinnen in der Produktionskette bereits eingehalten werden. Wir hoffen jetzt, dass die Unterschriften von rund 150.000 Menschen für existenzsichernde Löhne bei den Unternehmen als Auftrag ankommen endlich existenzsichernde Löhne zu zahlen!", so Königshofer.

Quelle: cleanclothes.at


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