oneBerlin. - Zum Welt-Aids-Tag (01. Dezember) hat die entwicklungspolitische Kampagnenorganisation ONE ihren aktuellen Aids-Bericht "Eine offene Rechnung“ veröffentlicht. Darin ruft ONE öffentliche und private Geber dazu auf, mehr Gelder aus mehr Quellen für die Aids-Bekämpfung aufzubringen. Zur erfolgreichen Beendigung von HIV/Aids als Epidemie bis 2030 fehlen laut ONE jährlich 10,5 Milliarden Euro. Neben traditionellen Gebern müssten auch Länder mit hoher Aids-Belastung ihre Pflicht erfüllen.

Nach mehr als drei Jahrzehnten des weltweiten Kampfs gegen HIV/Aids mache sich in der Weltgemeinschaft eine gefährliche Selbstzufriedenheit breit. Aids ist aus den Schlagzeilen verschwunden und werde von der Politik stiefmütterlich behandelt. Der neue Aids-Bericht von ONE "Eine offene Rechnung" konstatiert eine besorgniserregende Verharrung der weltweiten Ausgaben für die Bekämpfung der Epidemie.

Im vergangenen Jahr beliefen sich diese in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf insgesamt 15,2 Milliarden Euro – und lagen somit unter dem historischen Hoch von 15,4 Milliarden Euro im Jahr 2013. Tobias Kahler, Deutschland-Direktor von ONE, sagte dazu: "Wenn wir nicht bald etwas unternehmen, dann wird die tödliche Epidemie in fünfzehn Jahren wieder mit alter Stärke wüten. Neben traditionellen Gebern sind auch afrikanische Länder gefragt, mehr für die Stärkung ihrer Gesundheitssysteme aufzuwenden und diese effizienter für die Aids-Bekämpfung einzusetzen als bisher."

Eines der wirksamsten Instrumente sei in diesem Zusammenhang der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose. Mit seiner Hilfe erhielten bereits 8,1 Millionen HIV-Infizierte eine Behandlung mit lebensrettenden Aids-Medikamenten. Im kommenden Jahr findet die nächste Wiederauffüllungskonferenz statt, um seine Finanzierung für den Zeitraum 2016-2019 zu sichern.

Kahler erklärte: "Bis zur Beendigung von Aids als Epidemie ist es noch ein langer Weg – der Globale Fonds ist dabei der beste Wegbegleiter. Ohne ihn stünden wir nicht da, wo wir heute stehen. Damit das Ziel erreicht werden kann, muss Deutschland seinen Jahresbeitrag von derzeit 210 Millionen auf 400 Millionen Euro deutlich erhöhen. Ob bei der erfolgreichen Wiederauffüllungskonferenz für die globale Impfallianz Gavi oder bei den Maßnahmen zur Prävention von Epidemien wie Ebola, die auf dem G7-Gipfel in Schloss Elmau vorangetrieben wurden: Die Bundesregierung hat in diesem Jahr bereits gezeigt, dass Deutschland imstande ist, in globalen Gesundheitsfragen Führung zu zeigen. Wir hoffen, dass Deutschland im kommenden Jahr bei der Geberkonferenz für den Globalen Fonds nicht dahinter zurückfällt."

Das Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) stellt nach Angaben von ONE eine Finanzierungslücke von 10,5 Milliarden Euro fest, die bis 2020 gedeckt werden muss, um Aids als Epidemie zu beenden. Insgesamt liege der Mittelbedarf für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen bei rund 28 Milliarden Euro. Um diesen Mittelbedarf zu schließen, stehen vier Geberkategorien in der Pflicht: Führende Geberländer, "Neue Geber", insbesondere Schwellenländer, der private Sektor sowie die am stärksten von HIV/Aids betroffenen Länder.

Der Bericht stellt zudem folgendes fest:

  • 1,9 Millionen Menschen wurden 2014 in Behandlungsprogramme mit lebensrettenden Aids-Medikamenten aufgenommen.
  • Zeitgleich infizierten sich zwei Millionen Menschen neu mit HIV. Der Wendepunkt, an dem mehr Betroffene eine antiretrovirale Behandlung bekommen als sich Menschen mit HIV anstecken, ist noch nicht erreicht.
  • Es gibt ein sehr hohes Infektionsrisiko bei marginalisierten Gruppen. Das Risiko einer HIV-Infektion im Vergleich zu sonstigen Erwachsenen im zeugungsfähigen Alter ist bei:
            homosexuellen Männern 19 mal höher,
            Konsumenten von intravenös applizierten Drogen 28 Mal höher
            und bei Transgender-Frauen 49 Mal höher.
  • Mädchen und junge Frauen in Sub-Sahara-Afrika haben ein dreimal höheres Risiko, mit HIV zu leben als ihre männlichen Altersgenossen.

=> Bericht "Eine offene Rechnung" unter www.one.org/aids zum Download bereit

Quelle: one.org


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