gfbvGöttingen. - Nach dem gewaltsamen Tod von mindestens 87 Menschen am Wochenende in Burundi hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte gefordert. Die Menschenrechtsorganisation appellierte an die Mitgliedstaaten des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen, bei ihrer Sondersitzung zu Burundi am kommenden Donnerstag ein entsprechendes Mandat zu erteilen.

"Augenzeugenberichte deuten auf willkürliche Hinrichtungen von jungen Menschen durch staatliche Sicherheitskräfte hin. Dringend müssen diese schweren Vorwürfe zeitnah untersucht und die eilig verscharrten Leichname der Getöteten exhumiert werden, um die Verantwortlichen für die Tötungen zur Rechenschaft zu ziehen und eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern", erklärte GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen. "Die jüngste Gewalt wird den Massenexodus vieler um ihr Leben fürchtender junger Menschen schüren. Die Angst vor einem Bürgerkrieg und vor Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat in Burundi an diesem Wochenende massiv zugenommen."

Der UN-Menschenrechtsrat dürfe sich angesichts des gezielten Schürens ethnisch motivierter Gewalt nicht mit einer einfachen Verurteilung der Übergriffe und mit einem Appell zur Zurückhaltung an die Konfliktparteien begnügen, sagte Delius. Die USA hatten am Freitag letzter Woche mit der Unterstützung durch 42 weitere Staaten die Einberufung einer Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrates beantragt. Auch der Weltsicherheitsrat beschäftigte sich mit der dramatischen Zuspitzung der Burundi-Krise und begrüßte ausdrücklich die Initiative des UN-Menschenrechtsrates.

Die Armee machte Angriffe von bewaffneten oppositionellen Gruppen auf drei Militärstützpunkte für die neue Gewalt verantwortlich, bei denen 79 Angreifer sowie vier Polizisten und vier Soldaten getötet worden seien. Augenzeugen in der Hauptstadt Bujumbura berichten hingegen, Sicherheitskräfte hätten nach den Angriffen wahllos Jagd auf junge Menschen in Stadtvierteln gemacht, deren Bewohner der Opposition nahestehen. Die jungen Leute seien auf die Straße getrieben und zum Teil noch mit gefesselten Händen erschossen worden. Viele der Getöteten hatten schwerste Kopfverletzungen, die darauf hindeuten, dass sie aus unmittelbarer Nähe erschossen wurden.

"Viele Indizien deuten darauf hin, dass die Erschossenen gezielt hingerichtet wurden", erklärte Delius. Mindestens 46 Leichname seien von Augenzeugen in den Straßen Bujumburas gezählt worden. Die Identität der Getöteten konnte bislang nicht festgestellt werden, da Sicherheitskräfte mit Warnschüssen die Bergung der Opfer durch Bewohner der Stadtviertel verhinderten. Schließlich seien die Leichname von städtischen Mitarbeitern in Massengräbern verscharrt worden. Selbst das Rote Kreuz, das schließlich Zugang zu den Vierteln bekam, in denen die Tötungen stattfanden, konnte keine Angaben zu den Opfern machen.

Nach UN-Angaben sind seit April 2015 mindestens 371 Menschen politisch motivierter Gewalt in Burundi zum Opfer gefallen. Burundische Menschenrechtsorganisationen gehen hingegen von 601 Toten seit Januar 2015 aus.

Quelle: www.gfbv.de 


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