ai orgBerlin. - Der indische Rechtsanwalt und Menschenrechtsverteidiger Henri Tiphagne wurde für seinen Einsatz für die Menschenrechte als Preisträger für den 8. Menschenrechtspreis von Amnesty International in Deutschland ausgewählt. "Henri Tiphagne setzt sich bereits seit Jahrzehnten unermüdlich und mutig für die Menschenrechte ein. Seine Organisation arbeitet unter anderem gegen Folter und Diskriminierung in Indien", begründete Amnesty International den Preis am Montag in Berlin.

"Während Henri Tiphagne und seine Organisation People’s Watch sich für die Rechte anderer einsetzen, werden sie selbst von Behörden drangsaliert und in ihrer Arbeit behindert. Auch andere zivilgesellschaftliche Organisationen in Indien sind davon betroffen. Mit dem Preis will Amnesty daher auch ein starkes Zeichen der Unterstützung an die indische Menschenrechtsbewegung senden", ergänzte Selmin Çalışkan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland.

Henri Tiphagne ist Gründer der Organisation People’s Watch, die in Indien zu den bedeutendsten Menschenrechtsorganisationen zählt. Seit mehr als 20 Jahren recherchiert und dokumentiert People’s Watch Menschenrechtsverletzungen und vertritt Betroffene vor Gericht. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bereich Menschenrechtsbildung: 1997 gründete Tiphagne ein Institut, das Fortbildungen für Lehrer organisiert und Schulprogramme betreut, in denen über Menschenrechte informiert wird. Bislang wurden etwa 500.000 Kinder in 18 Bundesstaaten erreicht.

Nach Angaben von Amnesty gerieten in den vergangenen Jahren viele Organisationen unter massiven Druck der indischen Regierung, darunter auch People’s Watch. Seit 2012 wurden die Bankkonten der Organisation wiederholt eingefroren. Mitarbeiter mussten entlassen und Programme eingestellt werden. Die damals amtierende Regierung in Delhi nutzte für ihre Schikane das Gesetz über Finanzierung aus dem Ausland. Eine Klage von People’s Watch gegen das Vorgehen der Regierung ist anhängig. Auch die derzeit amtierende Regierung von Premierminister Narendra Modi instrumentalisiere dieses Gesetz für die eigenen politischen Zwecke. Betroffen sind bekannte Nichtregierungsorganisationen, aber ebenso Aktivisten und lokale Protestgruppen, die sich zum Beispiel gegen rechtswidrige Zwangsräumungen für neue Projekte zum Kohleabbau wenden.  

Wenn sich Aktivisten und Organisationen angesichts dieser Schikanen gezwungen sehen, ihre Arbeit einzuschränken, sind Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit, aber auch die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit in Gefahr, warnt Amnesty.

Mit dem Menschenrechtspreis zeichnet die deutsche Amnesty-Sektion alle zwei Jahre Persönlichkeiten und Organisationen aus, die sich unter schwierigen Bedingungen für die Menschenrechte einsetzen. Ziel des Preises ist es, das Engagement dieser Menschen zu würdigen, sie zu unterstützen und ihre Arbeit in der deutschen Öffentlichkeit bekannter zu machen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die von der Stiftung Menschenrechte, Förderstiftung Amnesty bereitgestellt werden. 2016 wird der Menschenrechtspreis zum achten Mal verliehen. Bisherige Preisträger waren unter anderem: Monira Rahman aus Bangladesch (2006), Women of Zimbabwe Arise aus Simbabwe (2008) sowie Abel Barrera aus Mexiko (2011) und Alice Nkom aus Kamerun (2014).

Die festliche Verleihung findet am 25. April im Maxim-Gorki-Theater in Berlin statt.

Quelle: amnesty.de


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