brot fdwBerlin. - Die Zulassung des Pflanzengifts Glyphosat in Europa läuft Ende Juni aus. Die EU-Kommission will die Zulassung des umstrittenen Spritzmittels nun um 15 Jahre verlängern. Brot für die Welt kritisiert diesen Antrag, der Anfang nächster Woche in Brüssel zur Abstimmung kommen soll. Das evangelische Hilfswerk befürchtet eine negative Signalwirkung für Entwicklungsländer.

"Aus Gründen der Vorsorge sollte die Zulassung von Glyphosat zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlängert werden", sagte Bernhard Walter, Landwirtschafts-Experte von Brot für die Welt, "denn in der Wissenschaft besteht immer noch Uneinigkeit über die Gefahren dieses Pestizids." Er sprach sich dafür aus, die Bewertungen der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) und der WHO-Pestizidexperten vom Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) abzuwarten. Diese Bewertungen werden in diesem Jahr vorliegen.

"Die weitere Zulassung von Glyphosat hätte eine verheerende Signalwirkung auf die Entwicklungs- und Schwellenländer", so Walter. Dort lande zehnmal mehr Glyphosat auf dem Acker als in Deutschland, vor allem auf den riesigen Sojaplantagen in Südamerika. Der Anbau von gentechnisch veränderter Soja ist nur mit Glyphosat möglich. Das Pestizid tötet alle Pflanzen ab, allein die gentechnisch veränderte Soja überlebt die Spritzung.

"Von Projektpartnern aus Brasilien und Argentinien wissen wir, dass dort die Felder bis zu 18mal im Jahr mit Glyphosat besprüht werden, oft aus dem Flugzeug. Die Bevölkerung ist dem schutzlos ausgeliefert", berichtete Walter. In diesen Sojagebieten gebe es dreimal so viele Krebsfälle bei Kindern wie in den Gebieten ohne Sojaanbau. Bernhard Walter: "Würde sich die EU für intelligentere Lösungen der Unkrautbekämpfung stark machen, wäre dies auch in den Entwicklungsländern ein wichtiges Signal für mehr Agrarökologie und Gesundheitsschutz."

Glyphosat ist das weltweit am meisten verkaufte Pestizid. Es wird sowohl in der Landwirtschaft als auch in privaten Gärten sehr häufig verwendet. Etwa 40 Prozent der Ackerfläche in Deutschland würden mit glyphosathaltigen Pflanzengiften behandelt, so Brot für die Welt. Das Pestizid befinde sich nicht nur im Boden, sondern auch im Wasser und in der Luft und gefährde die biologische Vielfalt.

Das Mittel ist seit langem umstritten. Umweltschützer halten den Wirkstoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot. Während die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" einstuft, sehen Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU keine Gesundheitsgefährdung.

Quelle: www.brot-fuer-die-welt.de 


Kommentare   

0 #1 Nico DaVinci 2016-03-05 09:20
Eine sehr gute Betrachtung des Problems, vielen Dank. Krebs ist übrigens noch eines der geringsten Übel, die das Mittel betreffen. Es kann noch mit einer ganzen Reihe weiterer Krankheiten in Verbindung gebracht werden. Die Tatsache, dass die Bevölkerung flächendeckend einen Nachweis im Urin führen kann ist mehr als beunruhigend, sieht man sich diesen Mechanismus einmal näher an:

https://youtu.be/YjU_RlIOBNs

Eine Wiederzulassung wäre fortgesetzte Körperverletzung auf historischem Niveau, ohne Möglichkeit, der Belastung ausweichen zu können. Das ist inakzeptabel.
Und die Tatsache, dass ein steuerbezahltes Institut jetzt eine Anzeige wegen Betruges erhalten hat, spricht für sich.
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