gfbv 200Göttingen. - Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung Äthiopiens am Dienstag vorgeworfen, Journalisten gezielt einzuschüchtern, um eine kritische Berichterstattung über anhaltende Proteste von Oromo und über die Hungerkatastrophe zu unterbinden.

"Äthiopiens Regierung zeigt nun auch beim Umgang mit Auslandskorrespondenten ihr hässliches Gesicht, nachdem vorher bereits die heimischen Journalisten weitgehend mundtot gemacht wurden", erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius Göttingen. Zuvor war bekannt geworden, dass zwei US-amerikanische Journalisten und ihr Dolmetscher am 3. März 2016 festgenommen und für 24 Stunden in Haft gehalten wurden. Sie hatten versucht, die Hintergründe der andauernden Proteste von Angehörigen der diskriminierten Bevölkerungsgruppe der Oromo im Großraum der Hauptstadt Addis Abeba zu recherchieren.

Bei der blutigen Niederschlagung von Oromo-Demonstrationen sind laut GfbV seit November 2015 rund 240 Menschen getötet worden. Die meisten Opfer sind Studenten, die sich in zumeist friedlichen Protesten gegen Landraub und die Versagung von verfassungsmäßig garantierten Rechten wenden.

Der Verband der Auslandskorrespondenten in Ostafrika protestierte gegen die Festnahme und beklagte die Einschränkung der Pressefreiheit: "Über manche Themen (in Äthiopien) zu berichten, ist wegen drohender Festnahmen zu riskant geworden", erklärte nach seiner Freilassung William Davison,  der festgenommene Korrespondent des US-Nachrichtendienstes Bloomberg.

"Solange sich die Regierung nicht klar zur Pressefreiheit bekennt, wird es für Journalisten unmöglich sein, mit Genauigkeit und Integrität sicher zu berichten", beklagte der Journalist. Er war mit seiner US-Kollegin Jacey Fortin festgesetzt worden, die seit dem Jahr 2012 für die "International Business Times" aus Äthiopien berichtet. Die Journalisten hatten die Nacht in Haft verbringen müssen, nachdem ihre Mobiltelefone und Pässe beschlagnahmt worden waren.

Als die britische BBC im November 2015 kritisch über die sich abzeichnende Hungerkatastrophe berichtete, warf ihr die äthiopische Regierung Sensations-Berichterstattung vor. Hilfsorganisationen wurden angesichts dieses Streits zurückhaltender mit der Vermittlung von Journalisten-Besuchen in ihren Projekten, beklagen Auslandskorrespondenten.

Mindestens zehn Journalisten sind aus politischen Gründen zurzeit in Äthiopien inhaftiert. Im Jahr 2014 wurden sechs Zeitungen von den Behörden geschlossen und mehr als 30 Journalisten flohen vor Verfolgung ins Ausland. In der von Reporter ohne Grenzen erstellten weltweiten Rangliste der Pressefreiheit belegt das Land nur Platz 142 von 180 möglichen Rängen.

Quelle: gfbv.de


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