syrienBerlin. - Die Situation für die Menschen in Syrien hat sich im vergangenen Jahr nach erneut dramatisch verschlechtert. Das konstatiert eine internationale Allianz von 30 Hilfsorganisationen, darunter Oxfam, CARE und Save the Children, in dem Bericht "Fuelling the Fire", den die NGOs zum fünften Jahrestag des Syrienkonfliktes am Freitag vorlegt haben. Die Kriegsparteien richteten schlimmste Verwüstungen an, verhinderten Nothilfe und schnitten ganze Städte von jeglicher Versorgung ab.

Russland, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien, allesamt Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und der Internationalen Unterstützungsgruppe für Syrien, hätten zur Verschärfung der Situation beigetragen. Der Bericht "Fuelling the Fire" weist nach, wie die vier Vetomächte des UN-Sicherheitsrats ihre eigenen Resolutionen untergraben haben, indem sie zu wenig diplomatischen Druck auf ihre Verbündeten ausübten, sie sogar mit Waffen unterstützten - oder indem sie direkt militärisch in den Konflikt eingriffen.

Der Bericht, an dem auch syrische Organisationen wie die Syrian-American Medical Society (SAMS), Big Heart und Syria Relief and Development mitgearbeitet haben, beschreibt zudem, wie sich Zerfall und Chaos im fünften Jahr der Krise in Syrien weiter ausgebreitet haben und sich die Lage der Bevölkerung drastisch verschlechtert hat.

Zu den verheerenden Entwicklungen des Jahres 2015 gehört, dass

  • die Gewalt stark angestiegen ist. Dazu trugen auch russische Luftangriffe bei, die Schätzungen der UN zufolge alleine im November etwa 2.300 Menschenleben gekostet haben,
  • mindestens 50.000 Menschen getötet wurden,
  • zusätzliche 1,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind,
  • knapp eine Million Menschen fliehen mussten,
  • sich nach Schätzung der UNO die Anzahl der Menschen, die in belagerten Gebieten leben, auf fast 500.000 verdoppelt hat. Syrische Organisationen setzen diese Zahl noch wesentlich höher an. Die UNO konnte nur 3,5 Prozent der in diesen Gebieten lebenden Zivilisten mit medizinischer Versorgung erreichen und weniger als 1 Prozent mit Nahrungsmitteln versorgen,
  • 200.000 Häuser teilweise oder vollständig zerstört wurden – das entsprcht einem Anstieg um 20 Prozent gegenüber 2014,
  • zusätzliche 400.000 Kinder in Syrien nicht zur Schule gehen können, sodass die Gesamtzahl inzwischen bei über zwei Millionen liegt.
  • Angriffe auf Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen um 44 Prozent zugenommen haben. Insgesamt wurden 112 solcher Angriffe registriert – dies ist der höchste Wert seit dem Ausbruch der Krise.

"Die Weltgemeinschaft steht vor einer gewaltigen Bewährungsprobe. Sie muss sicherstellen, dass die Waffen endlich schweigen und die Konfliktparteien sich endlich zum Frieden bekennen", sagte Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland-Luxemburg. "Sie muss einen umfassenden Friedensprozess einleiten, um diesen Konflikt zu beenden, der seit fünf Jahren die universalen Prinzipien von Humanität und Moral zersetzt. Wir hoffen, dass die politischen Entwicklungen der vergangenen Tage, beginnend mit der Waffenruhe und den nun anberaumten Friedensgesprächen, letztlich den Menschen in Syrien endlich Frieden bringen."

Bidjan Nashat, Programmdirektor und Vorstandsmitglied von Save the Children Deutschland, betonte: "Immer mehr Kinder und ihre Familien leiden unter schrecklicher Gewalt in Syrien und ein Ende ist auch nach fünf Jahren immer noch nicht in Sicht. Die Verantwortung dafür liegt bei den Konfliktparteien. Der Einsatz von Belagerungen als Kriegstaktik muss sofort beendet und dauerhafter Zugang für humanitärer Hilfe zu allen Gebieten muss zugelassen werden, sonst sterben noch viel mehr Kinder. Angesichts der dramatischen Zerstörung von Menschenleben, Bildung und Kultur in Syrien sagen wir: Es reicht!"

Während des vergangenen Jahres ist es dem Bericht zufolge immer schwieriger geworden, in Syrien Nothilfe zu leisten. Nur zehn Prozent der UN-Hilfskonvois konnten die Konfliktlinien passieren und ihr Ziel erreichen. Obwohl momentan einige belagerte Orte teilweise wieder zugänglich sind, werden Hilfsorganisationen nach wie vor bei ihrer Arbeit behindert oder angegriffen. Weite Teile des Landes sind weiterhin von humanitärer Hilfe abgeschnitten. So erhalten 200.000 Menschen in der ostsyrischen Stadt Deir Ez Zor nach wie vor keine Hilfe, während nach Madaya und in andere belagerte Orte zumindest einige wenige Hilfsgüter gelangen.

"Angriffe auf Zivilisten und Helfer müssen aufhören", forderte Andy Baker, Oxfams Nothilfeleiter für Syrien. "Russland, die Vereinigten Staaten, Frankreich und Großbritannien müssen endlich an einem Strang ziehen und stärkeren Druck auf die Konfliktparteien in Syrien ausüben, um die völkerrechtswidrige Blockade ganzer Städte und Gebiete zu beenden. Die vier UN-Sicherheitsratsmitglieder dürfen auch selbst keine Waffen mehr an Konfliktparteien liefern, um die Gewalt nicht noch weiter anzuheizen."

=> Bericht "Fuelling the Fire"

Quelle: www.oxfam.de 


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