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Berlin. - Wenige Tage vor Beginn des G7-Gipfels im japanischen Ise-shima hat die G7-Gruppe ihren Rechenschaftsbericht über die bisherigen Fortschritte bei der Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheit vorgestellt. Deutlich verfehlt wurde die angestrebte Reduzierung der Kinder- und Müttersterblichkeit. Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision hat deshalb gefordert, deutliche Zeichen im Kampf für die Verbesserung der Situation von Kindern und Müttern zu setzen.


Als Teil der Nachhaltigkeitsziele (SDGs), die im September von den Vereinten Nationen als Nachfolger der Millenium Development Goals (MDGs) verabschiedet wurden, sollen bis 2030 unter anderem alle unnötigen Kindertode durch vermeidbare oder leicht behandelbare Krankheiten beendet werden. "Die sieben mächtigsten Staatsoberhäupter haben es in der Hand zu zeigen, dass der ehrgeizige Zielrahmen der Agenda 2030 noch einer massiven Verstärkung der bisherigen Anstrengungen bedarf", mahnte Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. "Die bisherigen Ziele zur Verringerung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel und Müttersterblichkeit um drei Viertel wurden weit verfehlt. Die Gesundheit von Müttern- und Kindern verdient es, endlich in den Mittelpunkt der Anstrengungen gestellt zu werden. Dazu brauchen wir konkrete Handlungspläne und Zusagen."

Fast 5,9 Millionen Kinder ließen noch 2015 vor ihrem fünften Geburtstag ihr Leben. Und dies Aufgrund von Mangel an angemessener Nahrung, fehlender Behandlung für so einfach zu heilende Infektionskrankheiten wie Malaria, Lungenentzündung oder weil es keine Gesundheitsstation in der Nähe gab, die ihnen schnell Hilfe bei Durchfallerkrankungen zukommen lassen konnte.

Auf dem G7-Gipfel 2015 im bayrischen Elmau versprachen die G7-Staatsoberhäupter „500 Millionen Menschen bis zum Jahr 2030 aus Hunger und Mangelernährung zu befreien“. Leider wurden zur Erfüllung dieses Versprechens noch keine konkreten Umsetzungspläne vorgestellt. Die G7 stellen circa die Hälfte des gesamten Welt-Bruttonationaleinkommens dar. "Klare und konkrete Unterstützungszusagen der G7 für die neue Agenda 2030 würden ein starkes Signal an andere Geber senden und weitere Zusagen motivieren," rechnete Marwin Meier vor, Gesundheitsexperte bei World Vision Deutschland. "Die Zusagen des 2010 G7-Gipfels im kanadischen Muskoka beliefen sich auf weniger als 6 Milliarden Dollar für die Mütter- und Kindergesundheit. Insgesamt kamen dann aber sogar etwa 60 Milliarden Dollar zusammen. Das trug dazu bei, die Kindersterblichkeit seit 1990 zu halbieren."  Es bleibt zu hoffen, dass ein ähnliches Zeichen von Ise-shima ausgeht – für das Überleben und Wohlergehen von Millionen von Kindern in den armen Ländern dieser Welt.

Ausdrücklich zu loben ist die frühe Veröffentlichung des vollständigen Rechenschaftsberichts, der dieses Jahr fast eine Woche vor dem Gipfel veröffentlicht wurde. Leider gibt dieser wenig Anlass zu Optimismus bezüglich eines vermehrten finanziellen Engagements der G7. In den letzten 10 Jahren stagnierte die Entwicklungshilfe gerade für die ärmsten Länder, auch die deutschen Zusagen verzeichneten nur geringe Zuwüchse. "Umso mehr brauchen wir jetzt am Anfang der Nachhaltigkeitsziele ein positives Zeichen der sieben reichsten Länder der Welt, dass die Zeit des ‚business as usual‘ abgelöst wird von einer gemeinsamen solidarischen Verantwortung, die sich auch in signifikanten und planbaren Finanzzusagen ausdrückt," appellierte Meier.

Quelle: worldvision.de


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