unicef neu 150Köln. -  Laut UNICEF-Report 2016 wachsen derzeit weltweit rund 250 Millionen Mädchen und Jungen in Konfliktgebieten auf. Noch viel mehr Kinder sind von Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen oder Epidemien bedroht. Gleichzeitig haben die Komplexität und die Dauer von Notsituationen zugenommen - ob in Afghanistan, Syrien, Jemen oder Südsudan. Allein in 2015 wurden 16 Millionen Babys in einer Konfliktregion geboren. Mit der Kampagne "Letzte Chance für eine Kindheit" hat UNICEF am Dienstag zu politischem Handeln und zu Spenden aufgerufen, um Schutz und Bildungschancen für Kinder im Krieg und auf der Flucht zu verbessern.

"In keiner Krisenregion der Welt dürfen wir es zulassen, dass Kinder und Jugendliche zu einer verlorenen Generation werden", erklärte Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. "Deshalb haben wir gerade in den Bereichen Schule, berufliche Bildung, Gesundheit und psychosoziale Betreuung unseren Einsatz verstärkt. UNICEF ist hier ein starker Partner. Jeder Euro, den wir in Krisenregionen in den Bau von Schulen, Bildungschancen für Mädchen, Sportprogramme oder in Trauma-Behandlung investieren, erzielt vor Ort ein Vielfaches an Wirkung."

"Kinderschutz und Bildungsprogramme sind Rettungsanker für Millionen Kinder in Krisenländern", sagte Cornelius Williams, Leiter der weltweiten Kinderschutzprogramme von UNICEF. „Kinder sind meist erstaunlich widerstandsfähig. Trotz schlimmer Erfahrungen können sie sich entwickeln, wenn sie sichere Zufluchtsorte haben, wo sie spielen und lernen können."

"Für Kinder im Krieg und auf der Flucht ist Heimatlosigkeit das einzige Zuhause", erklärte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. "Trotzdem ist es möglich, ihnen Erfahrungen zu vermitteln, die alle Kinder brauchen: ein Stück Sicherheit, Vertrauen, die Möglichkeit zu spielen und zu lernen."

Der UNICEF-Report 2016 dokumentiert Fakten zur Kindheit in Krisengebieten:

  • Weltweit können rund 75 Millionen Kinder im Alter von drei bis 18 Jahren aufgrund von anhaltenden Krisen oder Katastrophen keinen Kindergarten besuchen, nicht zur Schule gehen oder nur unregelmäßig lernen. 
  • Jeden Tag werden im Durchschnitt vier Schulen oder Krankenhäuser zur Zielscheibe bewaffneter Angriffe. Im Jahr 2014 wurden allein in Afghanistan 164 Angriffe auf Schulen registriert, im Irak waren es im gleichen Zeitraum 67. In Nigeria zerstörte oder beschädigte die Terrorgruppe Boko Haram seit Beginn des Aufstandes mehr als 1.200 Schulen und tötete über 600 Lehrer.
  • In Syrien hat UNICEF allein im Jahr 2015 mehr als 1.500 schwerste Kinderrechtsverletzungen verifiziert – dies war nur die Spitze eines Eisberges. In 60 Prozent der Fälle wurden Kinder durch Bomben in dicht besiedelten Wohngebieten getötet oder verstümmelt. Ein Drittel der Opfer wurde auf dem Schulweg getötet.
  • Im Krieg und auf der Flucht wird das Grundvertrauen der Kinder erschüttert. UNICEF schätzt, dass 20 Prozent der vom Konflikt betroffenen Kinder im Nahen Osten gefährdet sind, leichte bis moderate psychische Probleme zu entwickeln, drei bis vier Prozent könnten schwere Probleme entwickeln, wenn ihnen nicht geholfen wird.
  • Für die UNICEF-Hilfe in Krisenländern ist die Bundesregierung einer der wichtigsten Unterstützer. Allein im Jahr 2015 unterstützte Deutschland das Kinderhilfswerk mit 250 Millionen Euro. Ein Großteil, rund 160 Millionen Euro, wurde im Kontext der Syrienkrise eingesetzt. Im Auftrag der GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) organisiert UNICEF beispielsweise in Flüchtlingscamps im Nordirak Fußballturniere, Theaterworkshops und Lesungen, die den Kindern Beschäftigung und Abwechslung bieten. Hunderte Kinder nehmen an Theatergruppen teil, in jedem Lager erstellen Jugendliche eine eigene Zeitung.
  •  Im Jahr 2015 führte UNICEF weltweit 310 Nothilfeeinsätze in 102 Ländern in Konflikten, Krisen und nach Naturkatastrophen durch. Zusammen mit Partnern wurden 25,5 Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser versorgt und 23 Millionen Kinder gegen Masern geimpft. Zwei Millionen Kinder mit akuter schwerer Mangelernährung wurden behandelt. 7,5 Millionen Mädchen und Jungen erhielten Zugang zu Notschulen und 3,1 Millionen wurden durch psychosoziale Hilfsprogramme erreicht. 

UNICEF unterstreicht: Kinder aus Krisengebieten brauchen mehr als Trinkwasser, Nahrung und Medikamente. Humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe müssen ineinander greifen, damit Mädchen und Jungen auch unter schlimmsten Bedingungen Kind sein können - das heißt so gut es geht geschützt und betreut werden und zur Schule gehen.

Quelle: unicef.de


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