urgewaldWashington. - Die Weltbankgruppe hat trotz ihres im Jahr 2013 beschlossenen weitgehenden Kohle-Ausstiegs auf versteckten Wegen die massive Kohle-Expansion in Asien mitfinanziert. Dies zeigt das Resultat einer neuen Untersuchung, die kurz vor Beginn der Weltbank-Jahrestagung in dieser Woche veröffentlicht wurde.

Der in der vergangenen Woche wiedergewählte Weltbankpräsident Jim Yong Kim habe in der Vergangenheit mit starken Worten vor neuen Kohle-Projekten gewarnt, heißt es in der Studie, die von mehreren nichtstaatlichen Organisationen, darunter urgewald, vorgelegt wurde. Dennoch finanziere die Weltbank weiterhin Kohle und weitere Projekte, die zu schweren Umweltzerstörungen und Menschenrechtsverstößen geführt hätten. Dies geschehe im Rahmen von komplexen Finanzgeschäften, die sich der Kontrolle der Öffentlichkeit weitgehend entziehen könnten. Die International Finance Corporation (IFC), die die Weltbank-Geschäfte mit dem Privatsektor durchführt, finanziere solche Projekte über sehr undurchsichtige Geschäfte mit Banken, Private-Equity-Fonds und weiteren externen Finanzpartnern.

In einer monatelangen Untersuchung, so urgewald, habe die US-Menschenrechtsorganisation Inclusive Development International insgesamt 91 schädliche Projekte entdeckt, die die IFC durch die Hintertür finanziere. Viele davon seien Kohlekraftwerke, die den Klimawandel und die Entwaldung weltweit beschleunigten. Die Analyse habe nur einen kleinen Teil des riesigen Finanz-Portfolios der IFC abdecken können, weshalb viele Projekte weiterhin im Verborgenen blieben. Doch selbst angesichts der zahlenmäßig begrenzten Untersuchung deuteten die Ergebnisse auf ein umfassendes und systematisches Problem hin.

"Diese schockierende Enthüllung zeigt einen zweifachen Klima-Skandal bei der IFC: Sie finanziert nicht nur die massive Expansion von Kohlekraftwerken, sondern auch die Zerstörung der Wälder, damit die Kohle gefördert werden kann. Es ist eindeutig, dass die Kreditvergabe der IFC an den Finanzsektor außer Kontrolle ist und die Klimazusagen von Weltbank-Präsident Kim untergräbt", kritisierte Kate Geary, Wald-Expertin bei der Organisation Bank Information Center.

Die Kreditvergabe an den Finanzsektor bedeute einen grundlegenden Wandel im Geschäft der Weltbank-Tochter IFC, so die Studie. Während die IFC in den vergangenen Jahrzehnten Kredite fast ausschließlich an Unternehmen und Projekte direkt vergeben habe, lagere das Mitglied der Weltbankgruppe nun den Großteil der Entwicklungsarbeit an profitorientierte Finanzinstitutionen aus. Im Zeitraum 2011 bis 2015 habe die IFC 40 Milliarden US-Dollar an solche externen Finanzpartner vergeben. Diese hätten das Geld im Anschluss investiert, wie sie es für angebracht hielten, mit kaum erkennbarer Aufsicht durch die IFC.

"Die IFC behauptet, dass die Geldvergabe an den Finanzsektor kleinen Unternehmen in Entwicklungsländern einen besseren Zugang zu Krediten ermöglicht, das Wirtschaftswachstum antreibt und Armut reduziert. Doch, wie unsere Untersuchung zeigt, haben die Finanzpartner von IFC das Geld der Weltbankgruppe in Wirklichkeit dafür verwendet, um einige der größten und zerstörerischsten Konzerne der Welt zu finanzieren", sagte David Pred, Geschäftsführer von Inclusive Development International.

Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der Untersuchung enthüllen den NGOs zufolge, "dass durch die von IFC-Partnern finanzierten Projekte und Unternehmen Zehntausende Menschen gewaltsam vertrieben und in Armut gestürzt wurden. Sie haben den Klimawandel beschleunigt, Meere und Flüsse verseucht und gefährdete Arten getötet. Kritiker, die sich diesen Projekten in den Weg gestellt haben, wurden inhaftiert, misshandelt und sogar ermordet."

"Die Ergebnisse der Untersuchung sind bestürzend. Noch skandalöser ist, dass die IFC verheimlicht, wo ihre Investitionen im Finanzsektor letztendlich landen. Der einzige Weg, um solche Informationen zu erhalten, führt über teure Finanz-Datenbanken und aufwändige Recherchen in Konzern-Unterlagen, was sie unzugänglich für die meisten Betroffenen macht", sagte Pol Vandevoort, Experte für internationale Finanzinstitutionen bei der Entwicklungsorganisation 11.11.11 in Belgien.

Zu den Projekten gehört laut Studie das geplante Kohlekraftwerk Rampal in Bangladesch, das die größten noch intakten Mangrovenwälder der Erde und die Gesundheit von zwei Millionen Menschen zu zerstören drohe. In Afrika stehe IFC in Verbindung mit einigen der größten Fälle von Landraub auf dem Kontinent, unter anderem bei landwirtschaftlichen Projekten in Gabun, Mosambik und Äthiopien. In Südostasien befeuere IFC die zerstörerische Ausbreitung von Kohle- und Staudamm-Projekten, durch die Hunderttausende Menschen von Vertreibung betroffen seien.

"Während die IFC versucht hat, sich von Projekten ihrer Finanzpartner zu distanzieren, steht fest, dass diese die Umwelt- und Sozial-Auflagen der IFC schamlos missachtet haben. So hat die Weltbankgruppe letztendlich Projekte gefördert und von Projekten profitiert, die für gewaltiges menschliches Leid, Umweltzerstörung und in einigen Fällen schwere Verbrechen verantwortlich sind", kritisierte Pred.

"Die mangelnde Aufsicht durch das Direktorium der Weltbank muss aufhören. Einflussreiche Weltbank-Anteilseigner wie Deutschland müssen den Systemfehler der IFC angehen und beenden", sagte Knud Vöcking, Weltbank-Experte bei urgewald.

Inclusive Development International hat die Ergebnisse der Untersuchung in Abstimmung mit ihren internationalen Partnern Bank Information Center, Accountability Counsel, urgewald und 11.11.11 veröffentlicht. Die Gruppen rufen die IFC dazu auf, umgehend Investitionen in Banken zu stoppen, die Kohle und weitere zerstörerische Projekte finanzieren. Sie müsse ihre Geschäfte mit dem Finanzsektor endlich mit ihren Umwelt- und Sozialstandards in Einklang bringen.

=> Outsourcing Development: Lifting the Veil on the World Bank Group's Lending through Financial Intermediaries

Quelle: www.urgewald.de 


Back to Top
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok