haiti 330Port-au-Prince. -  Hurrikan "Matthew" hat in Haiti weit mehr Opfer gefordert als zunächst angenommen. Bislang sind in dem Karibikstaat laut offiziellen Angaben mindestens 300 Menschen ums Leben gekommen. Auch die Schäden an der ohnehin schwachen Infrastruktur sind noch schwerer als erwartet. Während das gesamte Ausmaß der Zerstörung noch erhoben wird, haben die Hilfsorganisationen mit der Nothilfe begonnen. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind rund 350.000 Menschen von den Folgen des Wirbelsturms Matthew betroffen. 

"Jérémie, die Hauptstadt der Region Grande Anse, ist stark zerstört. Alle Telefonverbindungen und die Stromversorgung sind zusammengebrochen“, berichtete CARE-Länderdirektor Jean-Michel Vigreux aus Haiti. 80 Prozent der Häuser liegen in Trümmern. Die einzige Verbindungsstraße ist unpassierbar und den Menschen gehen langsam Nahrung und Geld aus."

CARE hatte bereits in Vorbereitung auf den Sturm Lebensmittel und sauberes Wasser an 3.700 Menschen in Notunterkünften in der Hauptstadt Port-au-Prince, dem Südosten der Insel und in Grande Anse verteilt. In Jérémie sind 16 CARE-Mitarbeiter vor Ort und verteilen aktuell warme Mahlzeiten und Trinkwasser. In den kommenden Tagen sollen zudem Plastikplanen und Hygiene-CARE-Pakete so schnell wie möglich in den am schwersten betroffenen Gebieten verteilt werden.

"Unsere größte Sorge ist derzeit, dass wir vermehrt von Cholerafällen in den Überflutungsgebieten hören", so CARE-Helfer Vigreux. "Jetzt kommt es darauf an, in der Katastrophenregion so schnell wie möglich den Zugang zu sauberem Trinkwasser und eine medizinische Versorgung der Erkrankten sicherzustellen. Im Moment müssen sie in Krankenhäusern ohne Strom versorgt werden."

Hunderttausende Menschen sind obdachlos geworden und landwirtschaftliche Flächen überschwemmt und verwüstet. "Wir konnten die meisten unserer Partnerorganisationen im Süden der Insel noch gar nicht erreichen, weder per Email oder per Telefon", erklärte Barbara Küpper, Haiti-Länderreferentin bei MISEREOR. Alle Partner im Süden der Insel arbeiten im Bereich Landwirtschaft und der Wiederaufforstung. "Wir machen uns auf Hilfsanfragen von unseren Partnerorganisationen gefasst und stellen ihnen zunächst einmal eine Soforthilfe von 50.000 Euro für den Wiederaufbau von landwirtschaftlicher Infrastruktur und Wiederbeschaffung von landwirtschaftlichen Geräten und Saatgut zur Verfügung. Den tatsächlichen Hilfsbedarf müssen wir noch ermitteln, er wird voraussichtlich deutlich höher werden, denn auch die Gefahr eines erneuten Choleraausbruch wegen fehlenden Trinkwassers ist sehr hoch", so Küpper. MISEREOR unterstützt in Haiti zur Zeit 58 Projekte in Höhe von mehr als 10,5 Millionen  Euro.

"Mindestens 350.000 Menschen in Haiti sind auf sofortige Hilfe angewiesen. Bäume sind entwurzelt, Brücken eingestürzt und ganze Gemeinden überflutet. Alleine in der Stadt Jérémie in der besonders betroffenen Regionen Grand' Anse sind 80 Prozent aller Häuser und große Teile der Ernte zerstört", sagte Sylvie Savard, Leiterin des gemeinsamen Projektbüros von Diakonie Katastrophenhilfe und Lutherischem Weltbund. "Es ist weiterhin sehr schwierig für unsere Mitarbeiter, das genaue Ausmaß der Katastrophe zu erfassen, da viele Straßen nicht befahrbar sind und die Telefonverbindungen in weiten Teilen der Insel zusammengebrochen sind", so Savard.

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist gemeinsam mit lokalen und internationalen Partnerorganisationen aus dem weltweiten Netzwerk der ACT Alliance (Action by Churches together) in Vorbereitung von Soforthilfemaßnahmen. "Wir haben Hygiene-Material, Planen und Decken für mehrere tausend Personen in Haiti eingelagert und werden schnellstmöglich mit der Verteilung der Pakete starten. In den kommenden Tagen geht es darum, die Menschen vor allem mit sauberem Trinkwasser zu versorgen um die Ausbreitung von Krankheiten wie der Cholera zu verhindern", erklärte Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. "Die bergige Region ist ohnehin schwer zugänglich und die Infrastruktur wurde durch den Hurrikan stark geschwächt. In Haiti ist es aufgrund der geographischen Bedingungen besonders kompliziert und aufwändig, schnell Hilfe zu leisten."

Die Welthungerhilfe stellte 100.000 Euro für Soforthilfe bereit und entsandte Mitarbeiter des Nothilfe-Teams nach Haiti, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen. "In den besonders betroffenen Regionen im Süden und Nordwesten ist durchschnittlich 80 Prozent der Ernte vernichtet worden. Es bestätigen sich die schlimmsten Befürchtungen, dass die Folgen dramatischer sind als beim letzten großen Sturm Sandy im Jahr 2012", so Mahamadou Issoufou-Wasmeier, Landesdirektor der Welthungerhilfe in Haiti.

Im Nordwesten Haitis, in der Region um Jean-Rabel, hat die Welthungerhilfe mit der Verteilung von Nahrungsmitteln an rund 6.400 Betroffene begonnen. Die Vorräte wurden im Vorfeld zur Katastrophenvorsorge eingelagert, um bei Bedarf in den schwer zugänglichen Regionen schnell helfen zu können. In den Regionen Nippes und Petit-Goâve wird die Verteilung von Hygiene-Sets mit Tabletten zur Wasseraufbereitung, Seife und anderem vorbereitet, damit es nicht zur Ausbreitung von Cholera kommt. Zusätzlich werden warme Mahlzeiten für 1.500 Menschen in Notunterkünften verteilt.

Quellen: care.de | misereor.de | diakonie-katastrophenhilfe.de | welthungerhilfe.de 


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