gfbv 200Berlin. - Die humanitäre Hilfe für die Opfer der Terrorgruppe Boko Haram in Nigeria muss dringend massiv verstärkt werden. Dies hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) anlässlich des Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem nigerianischen Staatspräsidenten Muhammadu Buhari am Freitag in Berlin gefordert.

"Alle Welt redet darüber, dass der bewaffnete Kampf gegen die islamistischen Extremisten verstärkt werden muss. Doch die Opfer der Terrorgruppe werden vergessen. Es ist ein Skandal, dass der immense Bedarf der Nothelfer trotz der Hungerkatastrophe im Nordosten Nigerias nur zu 26 Prozent durch internationale Zusagen gedeckt ist", kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. Der nigerianischen Regierung warf der Menschenrechtler vor, die Sicherung des Überlebens der Zivilbevölkerung monatelang ignoriert zu haben und als zweitrangig anzusehen. Merkel und Buhari wollen über den Kampf gegen Boko Haram beraten.

Rund sieben Millionen Menschen im Nordosten Nigerias benötigen nach UN-Angaben dringend humanitäre Hilfe, weitere 2,2 Millionen Personen können von Helfern aufgrund der schlechten Sicherheitslage nicht erreicht werden. Hilfe für einen Neuanfang brauchen auch die Hunderttausenden christlichen Biafraner, die jahrzehntelang im Norden des Landes gelebt und gearbeitet haben und nun vor dem Terror Boko Harams meist zu Verwandten in den Südosten des Landes fliehen mussten. "Niemand kümmert sich um diese Binnenflüchtlinge, die in keiner Statistik berücksichtigt werden, weil sie nicht in Camps leben und in der Öffentlichkeit kaum auffallen", berichtete Delius.  

"Bei den Gesprächen darf auch die katastrophale Menschenrechtslage in Nigeria nicht ausgespart werden", mahnte die GfbV. "Für die Sicherheitskräfte von Afrikas größter Demokratie sind Menschenrechte offenbar ein Fremdwort. Noch immer ist ungeklärt, wie viele Zivilisten beim Kampf gegen Boko Haram durch massive Bombardements und rücksichtsloses Vorgehen der Armee getötet wurden. Außerdem wird gegen Demonstranten äußerst brutal vorgegangen."

Statt Gesetze zu respektieren, werde mit Regierungskritikern willkürlich umgegangen. Besonders auffällig sei dies in Biafra im Südosten des Landes. Dort werden regelmäßig Demonstranten verhaftet oder niedergeschossen und Regierungskritiker mit umstrittenen Gerichtsprozessen mundtot gemacht. Bei Protesten gegen unfaire Gerichtsprozesse und andere Menschenrechtsverletzungen wurden seit Dezember 2015 mindestens 69 Biafra-Aktivisten getötet. Als am vergangenen Wochenende ohne Rechtsgrundlage Richter verhaftet wurden, protestierte sogar die Katholische Bischofskonferenz gegen das illegale Vorgehen und warnte, Nigeria sei doch keine Bananenrepublik.

Quelle: gfbv.de


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