berlin institutBerlin. - Warum wächst die Bevölkerung Afrikas so stark und weshalb machen sich so viele Menschen aus Not auf den gefährlichen Weg nach Europa? Ein Grund dafür ist die unzureichende Entwicklung in vielen Ländern Subsahara-Afrikas, wohinter vor allem erhebliche Defizite im Bildungsbereich stehen. In einigen Ländern der Sahelregion lernen selbst die Nachwuchsjahrgänge nur zur Hälfte lesen, schreiben und rechnen. Wie es um die Bildungssysteme dieser Länder bestellt ist und welcher Handlungsbedarf dort besteht, zeigt eine neue Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung.

Seit dem Millenniumswechsel haben die Länder Subsahara-Afrikas eine Aufholjagd im Bildungsbereich gestartet: Zwischen 2000 und 2015 hat sich der Anteil der Kinder ohne Bildungszugang fast halbiert, so das Berlin-Institut. Doch trotz formaler Fortschritte seien die Defizite in Sachen Bildung weiter enorm. Bislang habe keines der Länder südlich der Sahara auch nur das Bildungsziel der Millenniums-Entwicklungsziele erreicht und es geschafft, allen Kindern eine Grundschulbildung zu ermöglichen.

Besonders schlecht ist die Situation des Studie zufolge in den Ländern der Sahelzone, an den südlichen Ausläufern der Sahara: Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger, Senegal, Tschad und Nigeria gehören zu den Ländern mit dem niedrigsten Bildungsstand weltweit. Insgesamt können in den sieben Ländern nach Schätzungen der UNESCO rund 70 Millionen Menschen nicht lesen und schreiben. Auch die Chancen der heranwachsenden Generation auf einen besseren Bildungsstand sind noch immer gering: Die Einschulungsraten liegen teilweise unter 65 Prozent und selbst eine Einschulung bedeutet in der Sahelregion nicht, dass Kinder tatsächlich eine nutzbare Bildung erhalten.

Dies hat Folgen für die Zukunftsaussichten der Sahelländer: Bislang stecken sie in einem fatalen Kreislauf aus schlechten Bildungs- und Gesundheitswerten, schwacher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, politischer Fragilität und hohem Bevölkerungswachstum fest. "Dauerhaft ließe sich diese Abwärtsspirale nur durch Bildung durchbrechen", erklärte Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. "Bildung ist ein zentraler Hebel, um einen sozioökonomischen Wandel einzuleiten und die Lebensperspektiven der Menschen zu verbessern. Langfristig kann Bildung so dazu beitragen, Flucht- und Migrationsursachen zu reduzieren."

Doch unter den momentanen Bedingungen sei es unwahrscheinlich, dass die sieben untersuchten Länder einen Ausweg aus ihrer Bildungsmisere finden, so das Berlin-Institut. Das rasante Bevölkerungswachstum – das höchste weltweit – sorge dafür, dass die Zahl der zu beschulenden Kinder schneller wächst als die Bildungsinfrastruktur mithalten kann. Die Nachfrage nach Schulplätzen und qualitativ hochwertigem Unterricht könnten die Sahelländer – wenn überhaupt – nur mit verstärkter internationaler Unterstützung bewältigen. Die künftige Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft seien deshalb gefordert, dem Thema Bildung mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Ländern finanziell und beratend zur Seite zu stehen, lautet das Fazit der Studie.

=> Studie "Education first!"https://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/education_first.html

Quelle: www.berlin-institut.org 


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